Gemeinsame Gesamtschule nimmt konkrete Formen an

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Um weiterhin eigenständig bestehen zu können, fehlen der Albert-Einstein-Gesamtschule Schüler. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit der Gesamtschule in Finnentrop geplant.

Werdohl - Weder die Gesamtschule Werdohl noch die Gesamtschule Finnentrop haben für sich allein eine Zukunft, nur ein Zusammenschluss der Schulen könne beide Einrichtungen auf Dauer retten. Das ist der Tenor der anlassbezogenen Schulentwicklungsplanung der Stadt Werdohl. Bei aller Planung gibt es aber auch eine Unbekannte: Die Realschule Werdohl wird auf zwei Züge begrenzt, die dort überzähligen Schüler sollen die Zahlen der Gesamtschule nach oben bringen. Die Frage bleibt offen, ob die Eltern diesen Weg mitgehen.

In der Vorlage für den Schulausschuss ist das so formuliert: „Die in den Statistiken aufgeführten Mehrschüler können dann die Gesamtschule stärken.“ Bislang nicht klar ist, wie im nächsten Frühjahr das Anmeldeverfahren für die nur noch zweizügige Realschule laufen soll. Denkbar sind Losverfahren oder Entscheidungen nach Zeugnissen oder anderen, noch festzulegenden Kriterien. Weder Stadt noch Bezirksregierung können das Anmeldeverhalten der Eltern steuern. Es ist nicht festzulegen, dass nicht angenommene Realschüler die Gesamtschule besuchen müssen. 

Sämtliche jetzt vorgelegte Schülerstatistiken in Werdohl und die Prognosen in Finnentrop geben dem Zusammenschluss beider Schulen rechnerisch eine Grundlage. Für beide Schulen in der aktuellen Konstellation fehlt diese Grundlage. Die per NRW-Schulgesetz im Hinblick auf die Klassenrichtlinien getroffenen Regelungen können dauerhaft weder in der Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop noch in der Albert-Einstein-Gesamtschule Werdohl erreicht werden. 

In der jetzt vorgelegten Schulentwicklungsplanung wird die Urheberschaft der Zusammenarbeit mit Finnentrop bei der Werdohler Bürgermeisterin Silvia Voßloh gesehen: Um den Fortbestand beider Schulstandorte zu sichern, sei auf Anregung der Bürgermeisterin der Stadt Werdohl in einem gemeinsamen Gespräch Dietmar Heß, Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop, und der Bezirksregierung Arnsberg die Bildung eines Zweckverbandes zum gemeinsamen Betrieb beider Schulen angedacht worden. Dann gibt es jede Menge Statistiken. Die Werdohler Grundschüler wechseln ungefähr zu je einem Drittel Richtung Realschule, Gesamtschule und Gymnasium. 

Hier weist die Statistik leicht unterschiedliche Prognosen für zwei Durchschnittswerte aus. Die Statistik arbeitet mit Zahlen aus einem Zeitraum von drei Jahren und einem Fünf-Jahres-Zeitraum. Die Realschule hatte in den vergangenen fünf Jahren im Mittel 95 Prozent der Schüler aus Werdohl. Die Gesamtschule wird nur zu 76 Prozent von Werdohlern besucht, elf Prozent kommen aus Plettenberg, sechs Prozent aus Altena und fünf Prozent aus Neuenrade. Aus diesen Zahlen lässt sich das Schülerpotenzial für die beiden Werdohler Schulen darstellen. 

In der Fünf-Jahres-Prognose wären das im Jahr 2024 55 Schüler für die Realschule und 64 für die Gesamtschule. Die Drei-Jahres-Prognose zählt 57 Schüler für die Realschule und 61 für die Gesamtschule. Diese Werte sind Tiefststände, Zahlen für die Jahre davor liegen regelmäßig über 60 (2022 sogar 74) für die Realschule und bei bis zu 70 (2022 sogar 79) für die Gesamtschule. Die vereinbarte Beschränkung der Realschule auf zwei Züge bedeutet, dass dort maximal 56 Schüler angenommen werden dürfen. Das bedeutet in den besten Jahren ein zusätzliches Potenzial von 18 Schülern für die Gesamtschule, im schlechtesten Jahr wäre es nur noch einer. 

Die Gemeinde Finnentrop ist mit ihrer Schulentwicklungsplanung noch nicht so weit wie die Stadt Werdohl. Lediglich die Prognosen für die Zahl der Finnentroper Grundschüler liegen bislang vor. Im Augenblick sind es 171, dann halten sich die Zahlen bis zu einem Hoch von 177 Schülern in 2022. Die Prognose für 2024 ist wirklich schlecht: Dann wird dort mit nur noch 145 Kindern gerechnet.

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