Pilzbefall zerstört Eschen: Altenaer Straße komplett abgeholzt

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Die insgesamt rund 100 Eschen spendeten Schatten auf der Promenade an der Altenaer Straße und boten Sichtschutz und auch Lärmschutz zum Vossloh-Werk auf der anderen Lenneseite. Die Promenade ist jetzt kahl und liegt voll in der Sonne.

Werdohl - Das Abholzen des wunderschönen und schattenspendenden Eschenbestands an der Altenaer Straße ist wirklich schrecklich gewesen, war aber nötig: Nahezu alle 100 Bäume waren vom dem aggressiven Pilz „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ befallen, der in ganz NRW mittlerweile 90 Prozent aller Eschen zerstört hat.

Der Baum kann nicht geheilt werden, es muss gefällt werden. Doch längst nicht alle Werdohler können oder wollen das verstehen. Im sozialen Netzwerk Facebook tummeln sich in einer Gruppe besonders viele vermeintlich kritische Stimmen. Einige von ihnen unterstellen der Werdohler Stadtverwaltung generell Dummheit, Unfähigkeit oder Bereicherungswillen. 

Einer will es nicht glauben und schreibt: „Sollen mal die kranken Bäume an den Schnittkanten zeigen...wo der Schimmelpilz sitzt...das glaub ich nämlich nicht.“. Ein anderer mutmaßt: „Wirklich traurig, die alten Bäume ohne Behandlungsversuch einfach alle umzulegen. Wer entscheidet sowas eigentlich mal eben?“ Und wieder ein anderer: „Diese Herrschaften im Rathaus machen alles platt was Arbeit macht. Oder Anlagen die für viel Geld angelegt wurden lassen sie verwildern, traurig.“ Ein anderer schreibt: „Jeder weiß hier, dass an der Geschichte etwas faul ist, da nun anstatt der paar befallenen Bäume alle nun weg sind, nur mal dazu.“ 

Es gibt andererseits auch Stimmen in dieser Gruppe, die sich gesicherte Informationen besorgt haben und die versuchen, ihre Mitbürger aufzuklären. 

Stammholz wurde geschreddert 

Fakt ist, dass es in Deutschland aktuell keine Möglichkeit gibt, vom Pilz (kein „Schimmelpilz“ im Übrigen) befallene Eschen zu retten. Das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ greift von einem Baum auf den anderen über und infiziert ganze Bestände. Beim nordrhein-westfälischen Umweltministerium wird deshalb versucht, mit privaten Waldbesitzern gesunde Eschen ausfindig zu machen, um resistentes Saatgut zu sichern und dieses in Samenplantagen zu züchten. 

Dieser mächtige Stamm ist von innen durchgefault, das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ hat ganze Arbeit geleistet. Alle Eschen wurden aus Sicherheitsgründen gefällt.

Momentan ist kein Heilmittel vorhanden, die befallenen Bestände müssen geholzt werden. In den 1990er-Jahren trat das unscheinbare „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ aus Asien zuerst in Skandinavien und Polen auf. 2002 gab es erste Schäden in Deutschland. 

Seitdem hat sich der Pilz fast auf den gesamten Bestand ausgeweitet. Botaniker gehen davon aus, dass die schnelle Verbreitung eine Folge der Globalisierung ist. Hymenoscyphus pseudoalbidus, so heißt der Pilz unter Botanikern. Ihn großflächig zu bekämpfen, ist nicht möglich. Pflanzenschutzmittel gegen Pilze zu versprühen, funktioniert nicht. 

Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben

Die Stadt fällte die Eschen also nicht aus Spaß, aus Bereicherung am Verkauf des Stammholzes oder aus allgemeiner Ignoranz, wie manche Werdohler vermuten – sondern aus Gründen der Verkehrssicherheit. 

Stark befallene Eschen können zusammenbrechen und umfallen – nicht auszudenken, wenn ein solcher Baum auf einen Menschen gestürzt wäre. Experten hatten der Stadt deshalb geraten, besser sofort die Eschen zu fällen als auch nur noch ein paar Wochen zuzuwarten. 

Das komplette Holz einschließlich der Stämme wurde geschreddert. Es sollen auf jeden Fall neue Bäume gepflanzt werden, es ist aber noch nicht klar, welche Sorte.

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