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Pilotprojekt: In MK-Stadt sollen bezahlte Fahnder Müllsünder aufspüren

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Von: Volker Heyn

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Müll-Fahnder wie hier in Hagen, sogenannte Waste Watcher, soll es bald auch in Werdohl geben. Das ist zumindest der Wunsch der Lokalpolitik.
Müll-Fahnder wie hier in Hagen, sogenannte Waste Watcher, soll es bald auch in Werdohl geben. Das ist zumindest der Wunsch der Lokalpolitik. © Stadt Hagen

Wenn es nach der Politik geht sollen sich in Werdohl bald bezahlte Fahnder auf den Weg machen, um Müllsünder aufzuspüren. Um diese „Müllpolizei“ finanzieren zu können, sollen die Einwohner finanziell stärker belastet werden.

Einstimmig haben die Mitglieder des Ausschusses für Feuerwehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung am Montag die Verwaltung aufgefordert, ein Konzept für hauptamtliche und bezahlte Müllfahnder für die Stadt Werdohl zu erarbeiten. Alle vier im Rat vertretenen Fraktionen sind offensichtlich dazu bereit, eine Erhöhung der Abfallgebühren für jeden einzelnen Einwohner der Stadt in Kauf zu nehmen.

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel hatte – von der WBG per Antrag beauftragt – die Einzelheiten für die Beschäftigung sogenannter „Waste Watcher“ vorgestellt. Am Beispiel der Stadt Hagen rechnete sie vor, dass für die Erledigung dieser Aufgabe 1,9 Stellen nötig seien, die rund 100 000 Euro Personalkosten im Jahr verursachten. Als Mitgliedskommune des Zweckverbands für Abfallwirtschaft (ZfA) gebe Werdohl alle Aufwendungen für die Müllbeseitigung an, in einer Umlage wird daran jeder Einwohner beteiligt. Werden grob gesagt zwei Leute mit dieser Arbeit betraut, steigt die jährliche Abfallgebühr für jeden Werdohler um 4,25 Euro.

WBG sieht „keine Alternative“ für mehr Sauberkeit

Ausschussvorsitzender und Antragsteller Thorsten Hänel zeigte sich zunächst skeptisch: „Das liest sich typisch Verwaltung: das ist kompliziert und teuer, das lassen wir mal.“ Er persönlich sehe aber keine Alternative für mehr Sauberkeit in der Stadt, die dann eben auch Geld koste. Die Verwaltung hatte in der Vorlage auch darauf hingewiesen, dass es bereits drei ehrenamtliche Müll-Kümmerer bei der Stadt gebe.

Birgit Salewski von der Stadt Werdohl mit einer Weste für ehrenamtliche Müll-Kümmerer. Der Ausschuss für Feuerwehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung beschloss grundsätzlich, hauptamtliche Müll-Fahnder einzustellen.
Birgit Salewski von der Stadt Werdohl mit einer Weste für ehrenamtliche Müll-Kümmerer. Der Ausschuss für Feuerwehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung beschloss grundsätzlich, hauptamtliche Müll-Fahnder einzustellen. © Witt, Carla

Hänel: „Waste Watcher sind keine Müll-Kümmerer. Ehrenamt ist super, aber wir packen so nicht die Idioten, die ihren Müll einfach so wegschmeißen.“ Er persönlich würde die 4,25 Euro pro Jahr investieren, um der Problematik Herr zu werden.

Kontakt zum Zweckverband

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) widersprach, die Verwaltung habe eine ablehnende Vorlage geschrieben. Es habe allerdings eines Finanzierungsvorschlags bedurft, der sei geliefert worden. CDU-Ratsherr Dirk Middendorf sagte, dass seine Fraktion bereits Kontakt mit dem ZfA-Vorsitzenden aufgenommen habe. So ein Projekt gebe es im ZfA-Bereich noch nicht, man könne sich aber gut vorstellen, das in einer Art Pilotphase in Werdohl für ein oder zwei Jahre auszuprobieren. Middendorf sagte, dass die CDU in Werdohl „akuten Handlungsbedarf“ sehe. Vielleicht könne man zunächst mit einer statt mit zwei Stellen anfangen, um die Sache kostenmäßig zu verschlanken. Die „Fahndung“ könne vielleicht durch die Hauptamtlichen geschehen, die Müllbeseitigung durch zusätzliche – billige – Kräfte in der Bauhof-Kolonne. Die Sprecherin der SPD und die Sprecher von WBG und FDP begrüßten den Vorschlag und stimmten letztlich zu.

Nach Hinweisen von Bürgermeister Späinghaus wurde nach einiger Diskussion ein Beschluss gefasst, der die Verwaltung zunächst mit einer Konzepterarbeitung beauftragt. Dazu soll das Gespräch mit dem ZfA gesucht werden. Da dort ein personeller Wechsel der Leitung anstehe, sollte unter Umständen abgewartet werden, bis die neue Spitze im Amt sei. Späinghaus warb um bürgerschaftliches Engagement für mehr Sauberkeit in der Stadt. „Aber wir machen uns auch Gedanken über eine Müllpolizei“, versprach er.

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