Neues Lernen in alter Schule

Das plant eine Unternehmerin in einer leerstehenden Hauptschule

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Die ehemalige Erich-Kästner-Hauptschule am Riesei möchte Kerstin Liebeskind (rechts) zur Pflegeschule umgestalten. Zusammen mit Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Liebeskind-Prokurist Elmar Schmidt machte sie sich vor Ort ein Bild von dem Gebäude.

Werdohl - Seit dreieinhalb Jahren steht das Gebäude der ehemaligen Erich-Kästner-Hauptschule am Riesei leer. Der seit 2011 jedes Jahr kleiner gewordenen Schulgemeinde waren am Ende einfach die Schüler ausgegangen, die Schließung im Sommer 2016 war unausweichlich. Doch jetzt wird bald neues Leben in das einst modernste Schulgebäude Werdohls kommen.

Kerstin Liebeskind, die in Plettenberg einen Pflegedienst mit etwa 120 Mitarbeitern betreibt, wird die ehemalige Hauptschule von der Stadt Werdohl mieten. Allerdings wird sie nicht etwa ihren Pflegedienst zum Riesei verlagern, sondern das Gebäude vielmehr weiterhin als Schule nutzen.

„Ja, ich werde dort eine private, aber für jedermann zugängliche Pflegeschule eröffnen“, sagte Liebeskind auf Nachfrage der Redaktion. Bisher gebe es unterschiedliche Fachschulen, an denen Alten-, Kranken- und Kinderpflege unterrichtet werde. Die seien aber vielfach überlastet, berichtet Liebeskind.

Ausbildung wird neu gestaltet

Außerdem werde die Ausbildung gerade neu gestaltet: Hintergrund ist die von der Bundesregierung eingeführte generalistische Ausbildung, die die bisherigen Berufsausbildungen zum Altenpfleger, zum Gesundheits- und Krankenpfleger sowie zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger bündelt.

Mit der neuen Ausbildung, die sie zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen befähigen soll, seien die Nachwuchskräfte künftig breiter aufgestellt, ist die Hoffnung. Durch zahlreiche Weiter- und Fortbildungen sollen ihnen im späteren Berufsleben mehr Möglichkeiten offen stehen. Und das sogar EU-weit. Denn die neue Pflegeausbildung wird in allen Ländern der Europäischen Union anerkannt.

Modernes Unterrichtskonzept

Auf den Zug, der gerade neu startet, will Kerstin Liebeskind mit der Liebeskind Care Akademie mit Firmensitz in Werdohl aufspringen. „Wir stellen uns ein modernes Unterrichtskonzept vor, mit Digitalisierung, wo es nur möglich und sinnvoll ist“, gibt die Plettenbergerin einen Einblick in ihre Planungen. Die ehemalige Erich-Kästner-Hauptschule biete dafür ideale Voraussetzungen. „Die Schule ist in einem sehr guten Zustand, obwohl sie ja nun schon seit Jahren leer steht. Die Stadt hat das Gebäude top in Schuss gehalten“, ist Kerstin Liebeskind beeindruckt.

Und der Standort am Riesei biete für eine Pflegefachschule noch weitere Vorteile, ist die Investorin überzeugt. Beispielsweise hebt sie die Nähe zur Albert-Einstein-Gesamtschule hervor. „Vielleicht bietet unsere Schule ja auch für einige Schülerinnen und Schüler von dort eine Perspektive“, könnte sie sich vorstellen, das Gesamtschulabsolventen gleich anschließend nebenan in der Liebeskind Care Akadamie ihre Ausbildung fortsetzen.

Gute Verkehrsanbindung

Auch die Verkehrsanbindung sei ausgezeichnet, meint Kerstin Liebeskind. Über die große Bushaltestelle des Schulzentrums am Riesei sei die Pflegeschule gut zu erreichen. Außerdem biete Werdohl gute Zugverbindungen nicht nur aus dem Lennetal, sondern auch nach Hagen, einer aus Liebeskinds Sicht interessante Stadt: „Wir erhoffen uns durchaus auch Pflegeschüler aus dem Raum Hagen“, betont sie.

All dies waren letztlich wohl Gründe, die für Kerstin Liebeskind den Ausschlag gaben, die geplante Pflege-Akademie in Werdohl zu eröffnen. Denn ursprünglich hatte sie das ehemalige St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena als Standort ins Auge gefasst. Das habe sich aber aus verschiedenen Gründen als schwierig gestaltet. „Der Zufall hat es so gefügt, dass es nun Werdohl wird“, sagte Liebeskind über die Stadt im Zentrum des Lennetals.

Wann soll die Schule eröffnen?

Eröffnen solle die Pflegeschule „wenn alles glattgeht“ im August, spätestens aber im Oktober, skizzierte Kerstin Liebeskind auch ihren Zeitplan. Pro Jahr könnten dort bis zu drei Kurse unterrichtet werden. Außerdem sollen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden. „Da ist viel geplant“, versicherte Liebeskind.

Als Schulleitung konnte Kerstin Liebeskind mit Sylvio Wienbeck einen erfahrenen Fachmann gewinnen. Wienbeck ist seit vielen Jahren als Gesamtleiter der Pflegeschule der Märkischen Seniorenzentren GmbH mit fast 500 Auszubildenden verantwortlich für die Standorte in Iserlohn und Lüdenscheid bekannt. Er ist Diplom-Pflegepädagoge (FH) und verfügt über eine breit gefächerte Erfahrung aus dem Pflegealltag, aber auch aus der Pflegeausbildung.

Wie lässt sich das finanzieren?

Doch was treibt eine Unternehmerin wie Kerstin Liebeskind an, eine private Pflegeschule zu eröffnen? Sie wolle damit dem enormen Mangel an Pflegefachkräften begegnen und selbst für den Nachwuchs in dieser Berufsgruppe sorgen, sagt sie.

Um die Finanzierung dieses neuen Geschäftszweigs in ihrem Unternehmen mache sie sich keine Sorgen, versichert sie. Schulen dieser Art, auch Privatschulen, würden vom Land mit Fixbeträgen pro Schüler und mit einem Pauschalbetrag beispielsweise für das Gebäude und die Ausstattung finanziert, erläutert Liebeskind. „Im Allgemeinen reicht das aus, wenn man die Klassen voll bekommt“, hat sie ausgerechnet.

Die Gewinnerzielung sei nicht die Maxime der gemeinnützigen GmbH, die sie als Rechtsform für die Schule vorgesehen hat. Ein finanzielles Polster, das gewisse Risiken abfedern soll, will sie durch Fort- und Weiterbildungsangebote schaffen, die im Gegensatz zur eigentlichen Ausbildung für die Teilnehmer kostenpflichtig sind.

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