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Pflegeberufe: Nachfrage ist da, doch es fehlen die Lehrer

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Von: Jona Wiechowski

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Die SPD-Landtagskandidatin Anja Ihme (vorne rechts) zu Besuch bei Kerstin Liebeskind (vorne links) von der Liebeskind Care Academy in Werdohl. Mit auf dem Bild sind (hinten, v. li.): Holger Bachus, Praxisanleiter/Koordinator der Azubis, Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, SPD-Bundestagabgeordnete Bettina Lugk und die beiden Care-Academy-Schülerinnen Blerta Qela und Anila Reker.
Die SPD-Landtagskandidatin Anja Ihme (vorne rechts) zu Besuch bei Kerstin Liebeskind (vorne links) von der Liebeskind Care Academy in Werdohl. Mit auf dem Bild sind (hinten, v. li.): Holger Bachus, Praxisanleiter/Koordinator der Azubis, Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, SPD-Bundestagabgeordnete Bettina Lugk und die beiden Care-Academy-Schülerinnen Blerta Qela und Anila Reker. © Wiechowski, Jona

„Wir könnten viel mehr Schüler ausbilden. Die Nachfrage ist da“, sagt Kerstin Liebeskind von der gleichnamigen Pflegeschule, die aktuell von gut 150 Schülern besucht wird. Doch es gibt ein besonderes Problem.

Werdohl – Die Schule findet keine weiteren Pflegepädagogen. Von der Problematik machte sich am Donnerstag eine Abordnung der SPD um die Landtagskandidatin Anja Ihme ein Bild.

Seit Anfang 2020 darf unter Umständen nicht mehr jeder eine Klasse leiten, der das früher einmal durfte. Pro Kurs mit 25 Schülern braucht es seitdem einen Pflegpädagogen, die bestimmte Voraussetzungen wie etwa ein abgeschlossenes Bachelor-Studium sowie mindestens die Anmeldung zum Master-Studiengang mitbringen müssen. Das macht die Sache schwer. „Wir werden richtig ausgebremst, was das Ausbilden von Pflegefachkräften angeht“, sagte Liebeskind, die von Wartelisten für die Pflegeschule berichtete. Voll ausgelastet könnten bis zu 300 Menschen in den Räumen der ehemaligen Hauptschule aus- und weitergebildet werden – wenn sich denn das Kollegium entsprechend ausbauen ließe.

Die Azubis der Liebeskind Care Academy kommen aus der ganzen Region, die sich bis nach Hagen, Iserlohn und Lennestadt erstreckt. Auch mit Schülern aus Myanmar und Vietnam mache die Schule gute Erfahrungen – ein Riesen-Potenzial sieht Liebeskind hier. Die jungen Menschen würden so gut Deutsch sprechen, dass sie dem Unterricht folgen könnten. Mehr Geld, bezahlten Urlaub, Krankenversicherung: Pflegeberufe in Deutschland hätten in diesen Ländern ein hohes Ansehen, so SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk.

Den Unterricht an der Pflegeschule beschrieb Liebeskind als modern. Das spiegele sich auch in der Technik wider. Zum Start bekomme jeder Schüler ein Tablet, das sich auch mit der Tafel verbinden könne. Ein großer Vorteil: Die Tablets böten Zugriff auf eine Online-Bibliothek und damit auf die Fachbücher für die Ausbildung, die vorher immer schwer geschleppt werden mussten.

Und überhaupt: Starren Unterricht wie früher in der Schule gebe es hier nicht, so Liebeskind. Es gehe darum, das Gehirn in Gang zu bringen, den Schülern beizubringen, selber zu denken, Dinge zu hinterfragen. Und: „Die Schüler sollen sagen, wenn ihnen etwas nicht passt“, so Liebeskind. Das sollten sie auch für den Job mitnehmen.

Von dem Konzept konnten sich die SPD-Mitglieder auch bei der Gesprächsrunde mit zwei Auszubildenden überzeugen, die in einem lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum stattfand. Anila Reker und Blerta Qela, beide im zweiten Lehrjahr, erzählten von ihrem Alltag in der generalistischen Pflegeausbildung. Sechs Wochen Schule würden sich immer mit zwei bis drei Monate langen Praxis-Einsätzen in unterschiedlichen Einrichtungen abwechseln. Der Vorteil: „Man lernt sehr Vieles kennen“, sagte Reker, meinte aber auch, dass die Zeit manchmal zu kurz sei, weil man nach wenigen Monaten an einen anderen Einsatzort komme – gerade dann, wenn man sich gut zurechtgefunden habe.

Qela wolle wahrscheinlich in einer stationären Einrichtung arbeiten. „Das weiß ich noch nicht genau“, meinte unterdessen Reker. Sie könne sich aber vorstellen, später noch mehr Erfahrungen im Krankenhaus sammeln zu wollen. Nur soviel: Angebote hätten beide schon bekommen bei ihren Praxis-Einsätzen. Denn Pflegekräfte sind bekanntlich heiß begehrt.

„Es muss ein Umdenken erfolgen, auch in den Einrichtungen“, erklärte Holger Bachus, der die Auszubildenden in der Pflegeschule koordiniert, mit Blick auf die Zukunft der Pflegeberufe. Das wichtigste für viele Schüler sei die Freude an der Arbeit. Der Nachwuchs dürfe nicht ausgenutzt werden.

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