Pferde sind Blickfang beim Kölner Karneval

Auf dem Hof von Dieter Noelle und Carola König dreht sich alles um Pferde, die Stute Rina ist eines von 75 Tieren, die in Rentrop versorgt werden.

WERDOHL ▪ Der Reiterhof Noelle ist umgeben von hohen Bäumen und vielen Wiesen und Weiden. Von den 75 Pferden ist an diesem Frühlingstag jedoch nur ein einziges zu sehen, das gerade aus dem Stall geführt wird. 30 der stolzen Rösser gehören Dieter Noelle – geritten werden sie von ihm aber nicht. Von Simone Benninghaus

Der 42-Jährige setzt sich lieber auf den Kutschbock. Und mit den Kutschen, zwei-, vier- oder sogar sechsgespannig, die seine ungarischen Warmblutpferde ziehen, ist er von Mai bis August Wochenende für Wochenende unterwegs – meistens bei Schützenfesten oder Hochzeiten.

Auch wenn der Saisonstart erst kurz bevor steht – eine große Veranstaltung liegt bereits hinter Dieter Noelle und seinen Pferden: Beim Kölner Karneval waren die Pferde vom Hof in Rentrop auch diesmal wieder dabei, so wie es in den zurückliegenden 15 Jahren stets der Fall war. Während die Jecken feierten, war der Rosenmontag für Dieter Noelle, seine 30 Pferde und sein ebenso großes Team, zu dem auch stets sein Vater Arnold und seine Lebensgefährtin Carola König zählen, ein langer Arbeitstag, der um vier Uhr in der Früh begann, als die Tiere im Lkw verladen wurden und spätabends um 22 Uhr endete, als das letzte Tier wieder im Stall stand. „An solchen Tagen ist die Anspannung natürlich größer,“ sagt Dieter Noelle. Vor allem, da sich alle Beteiligten, wie beispielsweise die Kölner Prinzengarde, die den Zug zu Pferd passiert, auf die Tiere Noelles verlassen. Die Eindrücke bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung seien für alle gewaltig, meint der Werdohler, „da müssen die Tiere schon ruhig sein.“ Der gewohnt vorbildliche Ablauf ist in diesem Jahr wieder geglückt, auch die beiden neuen Pferde Noelles haben sich gut eingefügt.

Nach vielen Karnevalsumzügen, die Dieter Noelle in Köln mittlerweile vom Kutschbock aus miterlebt hat, kennt er das Prozedere, weiß, dass von seinen Pferden Disziplin erwartet wird und geht auch immer davon aus, dass so ein Tag mit viel Geduld und Warten verbunden ist.

Ruhe ist bei der Arbeit mit Tieren ohnehin ein Gebot. Die schweren und mit einem Stockmaß zwischen 1,65 und 1,70 m stattlichen Warmblutpferde gelten als gelassen; dennoch habe jedes Pferd seinen eigenen Charakter, betont Dieter Noelle. Die Eigenschaft „ruhig“ ist für ihn nicht unbedingt ausschlaggebend. „Wir sagen, dass Pferd muss klar im Kopf sein“, beschreibt der Pferdekenner ein wichtiges Kriterium für die Auswahl eines Tieres. Nach jahrelanger Arbeit mit den Tieren kann Noelle schnell einschätzen, ob ein Pferd für seine Zwecke geeignet ist und beispielsweise Musik und Autogeräusche gut vertragen kann oder bei großen Menschenansammlung gleich scheut. Für den Hofbesitzer zählt außerdem: „Ein gutes Wagenpferd muss zugfest sein und arbeiten können.“

Arbeiten bedeutet in diesen Fällen auch, die Königskutschen bei Schützenfestumzügen zu ziehen. Beim Iserlohner Schützenfest sind Dieter Noelles Pferde ebenso gefragt wie bei den großen Festen in Lüdenscheid oder Meinerzhagen, wo die Majestäten in Noelles weißer Kutsche Platz nehmen. Aber auch bei den Schützenfesten im Rheinland, wie beispielsweise in Düsseldorf oder Krefeld, sorgen Noelles stattliche Pferde stets für Blickpunkte bei den Festzügen.

Je nach Anlass richtet sich auch die Uniform des Kutschers. Wenn ein Brautpaar in seiner Kutsche Platz nimmt, fährt Dieter Noelle selbstverständlich in Frack und Zylinder vor. Entsprechende Wünsche werden allerorten erfüllt. Sowohl im Westerwald, im Siegener Raum oder auch im Ruhrgebiet hat der Werdohler Brautpaare schon zur Kirche chauffiert. Der Reiterhof ist ein traditionsreicher Familienbetrieb, der schon seit drei Generationen nahe des „Höhenwegs“ in Rentrop betrieben wird. Vom Milchviehbetrieb hat sich der Hof nach und nach zum Reiterhof entwickelt. Kühe gibt es heute nicht mehr in den Ställen. Die Arbeit ist aber geblieben – beispielsweise wenn zur Erntezeit im Sommer „Hochsaison“ ist. Ein normaler Arbeitstag beginnt morgens um fünf. Dann werden die über 70 Pferde, neben den 30 eigenen stehen 45 Pensionspferde in Noelles Stall, versorgt. Dieter Noelles Eltern Arnold und Christel helfen dabei ebenso wie seine Partnerin Carola König. Sie und ihre Tochter Laura (16) zählen zu den Reitern des Hofes, während sich die männlichen Familienmitglieder Luis (14), Tim (12) und Nick (9) eher für die Pferdestärken der Traktoren interessieren. Das Pony Fee hat Noelles jüngster Sohn allerdings ins Herz geschlossen. Und auch wenn Dieter Noelle lieber auf dem Kutschbock als auf dem Rücken eines Pferdes Platz nimmt, gilt für ihn: „Wenn man keine Verbindung zu Tieren hat, kann man die Arbeit nicht machen.“

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