Pater Irenäus geht von der Menge gesegnet

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Der bewegendste Moment im Gottesdienst am Sonntagmittag: Pater Irenäus kniet demütig vor dem Altar nieder und wird von der ganzen Festgemeinde gesegnet. Das war sein persönlicher Wunsch auf die Frage: „Wer segnet mich?“

Werdohl/Neuenrade – Rund 200 Christinnen und Christen aus den Städten Werdohl und Neuenrade haben am Sonntag während einer zweieinhalbstündigen Messe an der Lennepromenade Abschied von Pfarrer und Pater Irenäus Wojtko genommen. Wojtko lebte 17 Jahre in Werdohl im Kloster, sein franziskanischer Orden sendet ihn jetzt nach Walldürn.

Wojkto, der am 24. Dezember vergangenen Jahres 50 Jahre alt geworden war, hatte sich ausbedungen, bei seiner Verabschiedung selbst die Predigt zu halten. In typischer franziskanischer Zurückhaltung bat er zuerst „alle Menschen, die wegen mir der Kirche den Rücken gekehrt haben, um Vergebung“. Als Wotjko nach Werdohl kam, musste er auf Geheiß des Bistums vier bis dato eigene Gemeinden zusammenfügen: St. Michael Werdohl, St. Petrus Canisius Eveking, St. Maria Königin Ütterlingsen und St. Mariä Heimsuchung Neuenrade. Irenäus: „Das waren Misserfolge und Niederlagen, die mich sehr belastet haben.“

Die Menschen in der Pfarrei und die Bewohner von Werdohl und Neuenrade hätten bis heute viel Gutes geschaffen. Seine Aufforderung: „Gehen Sie den Weg gemeinsam, nehmen Sie alle mit. Hören Sie mehr auf Gottes Wort als auf sich selber.“

Auf der kurzerhand als Lennepark getauften und festlich geschmückten Wiese an der Lennepromenade hatten rund 200 Gäste Plätze bekommen.

Neben seinem Wunsch nach der Predigt hatte er eine zweite Bitte: „Wünschen Sie mir alles Gute und segnen Sie mich jetzt an dieser Stelle.“ Irenäus stieg vom Podest herab und kniete sich vor den Altar auf die Wiese. Alle Gottesdienstbesucher hoben segnend beide Hände – ein absolut ergreifender Moment.

Verabschiedung Pfarrer Irenäus Wojtko

Pater Kamil Pawlak, der Pater Irenäus Wojtko in seiner Funktion als Pfarrer der Pfarrei St. Michael nachfolgt, kamen mehrfach die Tränen. Seit Worte waren von großer Liebe und Dankbarkeit seinem Mitbruder und Vorbild gegenüber geprägt. Irenäus, der Friedliche, sei 17 Jahre zu 100 Prozent dagewesen: „Alles ist von Dir geprägt.“ Kamil sprach von Meister und Jünger, elf Jahre habe er an der Seite von Irenäus sein dürfen: „Ich wünsche mir, dass viele Anteile Deines Geistes auf mich kommen werden.“

Dieter „Moses“ Gierse und Bernd „Boller“ Kruse von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat schenkten Pater Irenäus eine Ikone.

Die Zahl der Personen, die Grußworte sprechen durfte, was angesichts der Umstände klein gehalten geworden. Für Kirchenvorstand und Gemeinderat sprachen Dieter „Moses“ Gierse und Bernd „Boller“ Kruse, die ihre Pfadfindernamen stolz auf der Hemdbrust trugen.

Während die Werdohler Bürgermeisterin Silvia Voßloh ihre Zugehörigkeit zur evangelischen Gemeinde betonte und sich für gelebte Ökumene bedankte, sagte der Neuenrader Bürgermeister Antonius Wiesemann als ehemaliges Kirchenvorstandsmitglied: „Wir brauchen Kirche.“ Der evangelische Pfarrer Dirk Grzegorek betrachtete sich und Irenäus als „Brüder in Christus“ und sah bei dem Katholiken sogar „reformatorisches“ Handeln.

Dankbarkeit vermittelten Vorsteher Heinrich von der Neuapostolischen Gemeinde, Dechant Patrick Schnell, Ruhestands-Pfarrer Rüdiger Schmale und Horst Jacke von den Pfadfinder-Grufties.

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