Peter Wille restauriert einen 1960er Austin-Healey Sprite

Werdohl - Ein schönes Gemälde oder eine alte Kommode – mit diesen Dingen dekorieren normalerweise Menschen ihr Wohnzimmer. Nicht so der Werdohler Peter Wille. In seiner guten Stube steht seit geraumer Zeit eine strahlend weiße Motorhaube.

Der 63-Jährige ist Oldtimer-Liebhaber und restauriert derzeit einen 1960er Austin-Healey Sprite MK 1, dem seine Fans den liebevollen Spitzennamen „Frosch“ gegeben haben. Auf die Frage, warum er Teile seines Autos im Haus lagert, hat Peter Wille eine simple Antwort: „Alleine die Motorhaube instand zu setzen hat rund 4000 Euro gekostet. Und hier ist sie erst einmal sicher.“

Damit aber nicht genug – während in der Garage die „nackte“ Karosserie des Austin-Healey aufgebockt ist, liegen in zwei Kellerräumen diverse Ersatzteile, Achsen, Kotflügel und Bremsanlagen sowie massenhaft Schrauben. Vor allem in den kalten Wintermonaten zieht es den gebürtigen Sauerländer in seine kleine, aber gut geheizte Werkstatt. Je nach Lust und Laune schraubt und bastelt er dann an Teilen für seinen Oldtimer. „Ich arbeite schon lange an dem Wagen. Insgesamt habe ich bisher 300 Arbeitsstunden investiert. Doch es kommt ja nicht darauf an, dass er schnell fertig wird. Das wichtigste ist, dass es vernünftig gemacht wird, damit man lange etwas davon hat“, sagt Wille.

Englische Sportwagen haben es dem Rentner angetan. Er ist bereits stolzer Besitzer eines roten MGB-Cabriolets aus dem Jahr 1991, das in einer zweiten Garage auf sonnige Tage wartet. Zu seinem „Frosch“ ist Peter Wille vor gut zwölf Jahren gekommen: „Nachdem ich bereits vorher mal eine Austin-Healey-Karosserie gekauft hatte, diese aber völlig morsch war, habe ich im Internet in Kalifornien eine neue gefunden und sie in meiner Garage verstaut.“ Drei Jahre lang fristete sie dort ein trauriges Leben, dann packte den Autofan das Bastelfieber. „Ich habe mir irgendwann gedacht, wenn du jetzt nicht damit anfängst, dann wird der Wagen nie fertig“, erinnert sich Wille.

Karosserie ist fast rostfrei

Beinahe jede freie Minute verbringt der fleißige Autobastler seitdem in seiner Garage oder im Keller. Wille: „Wenn ich Lust und Zeit dazu habe, dann mache ich was. Es ist aber auch noch was am Haus oder woanders zu tun. Aber als Rentner habe ich ja genug Zeit.“ Nachdem die Karosserie mit mikroskopisch kleinen Kunststoffperlen bestrahlt und gereinigt wurde, war das Bauteil „fast rostfrei“. Um den Verfall des über fünf Jahrzehnte alten Autos aufzuhalten, verfüllte Wille die Zwischenräume der Karosserie mit einem 110 Grad heißen Spezialfett. „Wenn es im Sommer warm wird, dann verflüssigt sich das Fett und fließt in jede Ritze“, erklärt Wille.

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Unterstützt bei einem Bauprojekt wird er von seinem ehemaligen Chef. Dieser sei selbst Autonarr und ließe ihm deshalb gerne an seiner alten Arbeitsstelle nach Feierabend an der Drehbank arbeiten, verrät der ehemalige Metallarbeiter. Doch manche Sachen kann man einfach nicht selbst machen – deshalb holt sich der Werdohler Autoliebhaber regelmäßig Hilfe von einem guten Freund, der selber Oldtimer restauriert und gelernter Elektrotechniker ist. „Er hat einen unheimlichen Plan von Autoelektrik. Den habe ich leider nicht“, meint der Bastler. Als Gegenleistung teilen sich die beiden den Platz in Willes Keller.

Alte Technik ist sehr überschaubar

Alle weiteren Arbeiten, die bei der Restaurierung des Roadsters anfallen, bewältigt der Werdohler im Alleingang: „Die alte Technik ist – nicht so wie heute – sehr überschaubar. Das kriegt man schon hin.“ Normale Verschleißteile bekomme man bei zig Händlern und das zu einem guten Preis, sagt Wille. Die Sachen seien teilweise günstiger als bei einem Golf. Nur an spezielle Teile wie die Handbremse oder die Vorder- und Hinterachsen komme man schwer ran. Deshalb lagern in Willes Keller Ersatzteile in mehrfacher Ausführung.

Über 19.000 Euro, so schätzt Peter Wille, wird die Instandsetzung des Wagens kosten. Doch bis er mit diesem zu einer ersten Auffahrt aufbrechen kann, wird noch einiges an Zeit vergehen. Der Autobastler kommt ins Träumen: „Im nächsten Jahr wird er wohl mal ans Laufen kommen. Dann werde ich mit ihm durchs Hochsauerland fahren.“ In seinem Wohnzimmer wird die Motorhaube des „Frosches“ allerdings eine Lücke hinterlassen. Vielleicht findet dann ja neues Ersatzteil seinen Platz im Wohnzimmer des Autofans. - Von Martin Meyer

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