Informativer Stadtgang durch Werdohl

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14 Teilnehmer kamen zum Vortragsabend mit Peter Kölsche, zu welchem der Bürgerstammtisch eingeladen hatte.

Werdohl - 14 Interessierte des Bürgerstammtisches verfolgten am Montagnachmittag den zweiten Teil eines Vortrages von Peter Kölsche, der die Geschichte des heutigen Friedrich-Keßler-Platzes aufarbeitete.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Kölsche beim ersten Teil am 22. August gekommen. Dort stieg er nun wieder ein – und zwar mit der Gründung des Wehrvereins Werdohl im Jahre 1869. Dieser errichtete 1873 ein Kriegerdenkmal auf der Borghelle oberhalb des Kletterfelsens. 1877 schlug der Wehrverein dann vor, aber auch zentral im damaligen Dorf Werdohl ein solches Denkmal aufzustellen – am Standort der vormaligen Kilianskirche.

1890 wurde dann ein riesiges Denkmal eingeweiht. Auf einem Sockel stand eine Figur der Kriegsgöttin Germania. Zur Einweihung gab es eine zweitägige Feier. Diese beinhaltete Programmpunkte wie einen Großen Zapfenstreich, einen Umzug sämtlicher Vereine, Chor-Auftritte und einen Gottesdienst. Ein Jahr später wurde das Dorf Werdohl zur Gemeinde ernannt. Seither trug der ehemalige Standort der Kilianskirche den Namen Denkmalplatz.

1910 hatte die Elektrizität längst in Werdohl Einzug gehalten. Mit Oberleitungen versorgten sich die Haushalte zunächst. Nun aber wurde ein Trafohäuschen errichtet, dort, wo heute eine Bushaltestelle am Keßler-Platz für Mobilität sorgt. Das Trafohäuschen hatte einen Turm und wurde im Volksmund deshalb „elektrische Kirche“ genannt, verriet Kölsche am Montag seinen Zuhörern.

1942 – mitten im Zweiten Weltkrieg – wurde das Kriegerdenkmal mit der Germania demontiert. Die vermeintliche Bronzefigur sollte eingeschmolzen werden, um Rohstoff zu liefern für die Waffenproduktion. Aber als die Figur nach ihrem Abriss näher in Augenschein genommen wurde, fiel auf: Sie bestand aus Kupfer, Blech und Gips.

Der Denkmalplatz war, schilderte Kölsche, seinerzeit ein beliebter Treffpunkt für alle Kinder und Jugendliche der Gemeinde. „Auf dem Platz spielte Religion keine Rolle – überall sonst waren Protestanten und Katholiken strikt getrennt, ob an den Schulen, in den Kirchen oder in den Buchhandlungen“, erklärte der Referent.

Einmal im Jahr – stets am ersten Wochenende im Juli – wurde auf dem Platz dann eine große Kirmes gefeiert. Der Jahrmarkt findet noch heute statt, im Rahmen des alljährlichen Schützenfestes, welches bis in die Gegenwart hinein den Termin des ersten Juli-Wochenendes beibehalten hat.

Der einstige Denkmalplatz erhielt 1969 den Namen Friedrich-Keßler-Platz, teilte Peter Kölsche zum Abschluss seines Vortrages mit.

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