Peter Kölsche erlebte spannende Zeit in Köln-Wahn

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Mit dem Tod hat der Autor – beruflich – seine Erfahrungen gemacht. Die Vergänglichkeit von Lebewesen und Dingen symbolisiert auch die Sanduhr in seinen Händen.

WERDOHL - Peter Kölsches Wurzeln liegen in Pungelscheid. Dort wuchs er in den 50er-Jahren auf dem Hof seiner Eltern Ilse und Fritz Kölsche auf. Und wenn das Hofland nicht für die neuen Siedlungshäuser verpachtet worden wäre, wäre er nach alten Rechten Bauer geworden: „Ich war der älteste Sohn.“

Stattdessen machte er nach dem Besuch der Volksschule Kleinhammer eine Lehre zum Elektro-und-Maschinenbauer und wurde Betriebselektriker in Neuenrade. Diese Berufsentscheidung sollte Folgen haben, als Kölsche zur Bundeswehr musste. Anstatt nur seiner Wehrpflicht nachzukommen, entschied er sich für die Laufbahn eines Berufssoldaten.

Der Gesellenbrief war die Eintrittskarte in die Welt der Flugzeugelektrik. So kam Kölsche zum Starfighter-Geschwader auf dem Militärflugplatz Nörvenich bei Düren und qualifizierte sich weiter zum technischen Offizier für Luftfahrzeuge. Als solcher erlebte er die Umrüstung der Luftwaffe auf den Tornado. „Das war eine spannende Zeit“, erinnert er sich.

Von 1988 bis 1998 war Kölsche bei der Generalflugsicherheit in Köln-Wahn als verantwortlicher technischer Offizier für die Untersuchungen von Hubschrauberunfällen bei allen Waffengattungen zuständig. „Der Notfallkoffer stand auf dem Spind“, beschreibt er die Situation, dass er jederzeit – auch zuhause – alarmiert werden konnte, um mit einer Expertenkommission so schnell wie möglich an den Unfallort zu eilen. „Der erste Eindruck vor Ort ist der Wichtigste.“

Schöne Geschichten waren da eher die Ausnahme: Kölsche erzählt, wie ein Hubschrauber beim Landeanflug auf eine Fregatte der Bundeswehr verunglückt und vor der südamerikanischen Küste gesunken war, während die Besatzung sich retten konnte. Kölsche musste also von Frankfurt nach Montevideo fliegen und von dort aus weiter zu der Fregatte vor der Küste Uruguays. Da es nach der Klärung der Unfallursache keinen direkten Rückflug gab, „musste“ die Untersuchungskommission noch ein Wochenende in Montevideo bleiben, was kein Unglück war. „Ich bin an vielen Orten und in vielen Regionen gewesen“, lautet Kölsches Lebensbilanz.

Dass Kölsche heute als Autor unter seinem zweiten und dritten Vornamen Dietrich Wilhelm schreibt, hat einen Grund: „Der Kölsche war der Inspizient.“ Also jene Respektsperson, die mit scharfem Blick auch Versäumnissen und Fahrlässigkeiten aufspüren musste und über den Empfang an den Einsatzstellen sagt: „Man hat uns, also die Untersuchungskommissionen, sehr vorsichtig angefasst“ – obwohl alle wussten, dass diese Arbeit zukünftige Unfälle unwahrscheinlicher machen sollte.

Der Tod war immer präsent, auch wenn die Leichen schon entfernt waren, wenn die Flugunfallexperten kamen. Denn die gewaltigen Kräfte, die beim Aufprall wirkten, zerrissen menschliche Körper. „Da wo die Fliegen dran krabbeln – da ist noch was“, erinnert sich Kölsche an eine unvollständige Räumung.

Solche Szenen waren für ihn der Ursprung seiner Nachdenklichkeit über „die Tragödie Mensch“. Irgendwann begann er seine Gedanken auch in kleinen Notizbüchern festzuhalten. 1999 erschien sein erstes Büchlein unter dem Titel „Verdichtungen“.

„Ich möchte gerne mit wenigen Worten möglichst viel ausdrücken“, erklärt Kölsche diesen Titel. Auf dem Buchdeckel wandert ein Bleistift auf dürren Beinchen. Das Schreibgerät hat sich selbständig gemacht. So empfand Kölsche auch die Situation, als er im Jahr 2000 während einer Gesundheitsuntersuchung in einem Bundeswehrkrankenhaus die notwendige Abgeschiedenheit und „Klausur“ vorfand, um die Texte für sein Buch „Leben. Das Rätsel zwischen Tod und Tod gelegen“ zu schreiben.

Erst 2012 nahm Kölsche diese Texte wieder in die Hand, und sie erschienen als eine Sammlung von Dialogen über existentielle Themen. Da überrascht es nicht, dass auch die platonischen Dialoge auf seinem Bücherschrank stehen.

Vier Büchlein hat Peter Kölsche mittlerweile veröffentlicht – neben den „Verdichtungen“ und „Leben. Das Rätsel zwischen Tod und Tod gelegen“ tragen sie die Titel „Über Leben“ und „Augen-Blicke“.

2011 kehrte der Autor nach Pungelscheid zurück, kaufte ein Haus, durchstreifte wieder die Wälder und engagierte sich im Werdohler Kultur- und Heimatverein: „Ich habe die Stadt neu erobert“, freut er sich über die gelungene Rückkehr in die Heimatstadt.

Von Thomas Krumm

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