Dienstfahrräder für die Polizei

Per Pedelec auf Verbrecherjagd in Werdohl

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Als Polizist auf dem Fahrrad ist Jörg Braszus regelmäßig im Stadtgebiet von Werdohl unterwegs.

Werdohl – Der Anblick des Polizisten auf dem Fahrrad ist für manche Werdohler immer noch ungewohnt. Dabei fährt der Bezirksbeamte Jörg Braszus schon seit rund zwei Jahren auf diese Weise zu Einsätzen in seinem „Revier“.

Seit einigen Tagen allerdings steht ihm dafür ein dienstliches Pedelec zur Verfügung. Man merkt dem 61-Jährigen an, dass ihm der Dienst auf und mit dem E-Fahrrad großen Spaß macht. 

„Seit Mitte 2018 habe ich schon immer mein privates Pedelec benutzt“, erzählt Jörg Braszus, der im Januar 2018 seine Stelle im Bezirksdienst für die Stadtteile Königsburg, Pungelscheid, Versetal und Versevörde angetreten hat. Jetzt hat ihm die Polizei endlich ein Dienstrad gestellt. 

Früher auch häufiger zu Fuß unterwegs

Er sei früher auch häufiger zu Fuß in seinem Bezirk unterwegs gewesen, weil er dann leichter Kontakt zur Bevölkerung habe finden können, erzählt Braszus – und berichtet von durchaus kuriosen Begegnungen. „Als ich mal auf dem Waldweg zwischen Riesei und Pungelscheid unterwegs war, hat mich doch tatsächlich jemand gefragt, ob er mich zur Wache bringen solle.“ Und als Polizist auf Fußstreife habe er das eine oder andere Mal für so viel Aufsehen gesorgt, dass Bürger auf der Wache angerufen hätten, dass in ihrem Wohngebiet ein falscher Polizist herumlaufe. 

Ob zu Fuß oder mit dem Rad – mittlerweile ist Jörg Braszus für die meisten Werdohler doch zu einem gewohnten Anblick geworden. Der Beamte gibt aber zu, dass die funktionelle Radfahrerkleidung – kurze Hosen und grellgelbe Jacke – mitunter dafür sorgt, dass er nicht direkt als Polizist erkannt wird. 

Pedelec bietet viele Vorteile im Einsatz

Jörg Braszus, der auch in seiner Freizeit begeisterter Radfahrer ist, empfindet den Dienst auf dem Pedelec nicht nur als „sehr angenehm“, sondern sieht darin auch durchaus Vorteile. Er ist für die Bevölkerung wesentlich leichter ansprechbar, weil er auf seinen Fahrten praktisch überall stoppen kann. „Man kann gerade auch in der Innenstadt durch die vielen kleinen Gassen fahren“, hat das Rad für ihn einen klaren Vorzug gegenüber dem Streifenwagen. Das Fahrrrad mit dem „eingebauten Rückenwind“ zahle sich zum Beispiel auch aus, wenn sich wieder einmal ein Lastwagen im sogenannten Trog unter der Stadtbrücke festgefahren habe und sich der Verkehr deswegen staue. „Mit dem Fahrrad kann ich dann an den wartenden Autos vorbeifahren und den Verkehr regeln“, nennt der Polizeihauptkommissar ein Beispiel für einen sinnvollen Einsatz des Dienst-Bikes. 

Aufgrund dieser flexiblen Einsatzfähigkeit werde er auch oft per Funk angefordert, wenn er in der Innenstadt mit dem Rad unterwegs sei, weil er dann schneller vor Ort sein könne als die motorisierten Kollegen. Apropos Schnelligkeit: „Ein Wechsel zwischen den Ortsteilen geht mit dem Pedelec auch deutlich fixer“, schwärmt der Bezirksbeamte von seinem zweirädrigen Dienstfahrzeug, das allerdings kaum einmal schneller als 25 km/h fährt. Dann nämlich schaltet der unterstützende Elektromotor automatisch ab. Schneller werden kann man dann nur noch durch Muskelkraft. 

Ziemlich lautlos zum Ort des Geschehens

Jörg Braszus sieht im Pedelec auch noch einsatztaktische Vorteile. So falle ein Funkstreifenwagen im Stadtbild natürlich schnell auf, während er als Pedelec-Polizist auch gut im Verborgenen bleiben, beobachten und schließlich schnell, aber ziemlich lautlos zum Ort des Geschehens fahren könne. „Die Leute sind dann ziemlich überrascht, wenn man plötzlich vor ihnen steht“, hat Braszus schon erfahren. 

Nicht zuletzt leistet das Pedelec auch bei der Radfahrausbildung an den Grundschulen gute Dienste. Deshalb hat auch die Abteilung Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde ein solches Fahrzeug erhalten. Und weil Jörg Braszus als Bezirksbeamter bei solchen Gelegenheiten auch oft dabei ist, kommt er jetzt nicht mehr in solche etwas peinlichen Situationen wie früher: „Da musste ich mir, wenn ich auf dem Rad etwas vorführen wollte, oft ein Fahrrad von einem der älteren Schüler leihen. Für mich war das aber natürlich immer zu klein. Das sah dann schon etwas seltsam aus.“ 

Ausstattung ist noch nicht komplett

Ganz komplett ist die Fahrrad-Ausstattung für den Bezirksbeamten übrigens noch nicht. Zwar verfügt er nun immerhin schon über ein dienstliches Pedelec mit integriertem 625-Watt-Akku und Bosch-Motor der neuesten Generation sowie die entsprechende Bekleidung mitsamt Fahrradhelm in Signalfarben. Was aber noch fehlt, sind passende Taschen, in denen der Beamte auch einmal Unterlagen sicher verstauen kann, die er für seine Einsätze vor Ort benötigt. „Die sollen noch nachgeliefert werden“, sagt Braszus. 

Der Einsatz des Pedelecs der Werdohler Polizeiwache muss übrigens keineswegs auf das Werdohler Stadtgebiet beschränkt bleiben. Jörg Braszus kann sich auch durchaus vorstellen, dass es für eine gewisse Zeit einmal in Neuenrade zum Einsatz kommt. Immerhin zählt die benachbarte Hönnestadt ja zum Zuständigkeitsbereich der Werdohler Polizeiwache. Braszus weiß vom Interesse seines dortigen Kollegen Dietmar Neuhaus, das Pedelec auf seinen Fahrten in der Neuenrader Innenstadt oder auf dem Weg nach Küntrop einzusetzen. Zunächst aber möchte der Werdohler das Rad noch selbst nutzen, möglichst sogar bis zu seinem angepeilten Abschied in den Ruhestand im Sommer des kommenden Jahres.

Die Polizei im Märkischen Kreis hat insgesamt fünf Pedelecs erhalten; überreicht hat sie der Behördenleiter Thomas Gemke, der scheidende Landrat. Jeweils ein Pedelec erhielten die Wachen in Werdohl, Iserlohn, Lüdenscheid und Plettenberg sowie die Verkehrsunfallprävention. Nach und nach solle jede Wache ein Pedelec erhalten, teilt die Pressestelle der Polizei mit. Fahrräder ohne Motor gehören bereits länger zum Fuhrpark der Polizei. In einigen Wachen gibt es Diensträder. Andere Polizeibeamte setz(t)en auf private Bikes. Mit den neuen Polizei-Rädern gab es eine entsprechende Funktionskleidung mit großen, hell-gelben Reflexionsflächen. An den Rädern selbst gibt es keine polizeitypische Ausstattung.

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