St. Michael

Gläubigen fehlt die Gemeinschaft

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (links) hat am Freitag mit Werdohler CDU-Politikern das Franzsikaner-Kloster an der Brüderstraße besucht. Pater Kamil Pawlak (Mitte) berichtete, wie die Brüder und ihre Kirchengemeinden die Pandemie erlebt haben
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CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (links) hat am Freitag mit Werdohler CDU-Politikern das Franzsikaner-Kloster an der Brüderstraße besucht. Pater Kamil Pawlak (Mitte) berichtete, wie die Brüder und ihre Kirchengemeinden die Pandemie erlebt haben

Werdohl – „Es war ein unheimlicher Spagat zwischen der Sorge um die Sicherheit der Menschen und dem kirchlichen Leben“, sagte Pater Kamil Pawlak. Der Pfarrer der Pfarrei St. Michael leitet das kleine Kloster der Franziskaner-Minoriten an der Werdohler Brüderstraße. Am Freitag berichtete er dort politischen Besuchern von den Herausforderungen in der Corona-Pandemie.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und einige Werdohler CDU-Ratsherren wollten sich ein Bild vom Leben im Kloster machen, aber auch erfahren, wie die drei als Priester tätigen Brüder das Gemeindeleben während der Pandemie gemeistert haben.

Online-Angebote: Einschalten fällt manchem schwer

In typisch franziskanischer Zurückhaltung sprach Pater Kamil Pawlak weniger von den eigenen Sorgen und Problemen, sondern lenkte den Blick eher auf die Gemeinden und darauf, wie diese unter dem Lockdown gelitten hätten. „Wir haben viele Nachfragen von Menschen bekommen, denen ohne die regelmäßigen heiligen Messen etwas fehlte“, erzählte er. Sicher, sagte er, die Online-Angebote hätten „einiges auffangen“ können. Er stelle aber mittlerweile fest, dass die Menschen dieser Dinge müde geworden seien: „Das Einschalten fällt manchem mittlerweile schwer. Die Menschen wollen sich wieder in der Gemeinschaft treffen.“

Vom Kloster aus irgendwann das ganze Lennetal versorgen

Wenn es dann wieder so weit ist, wenn wieder regelmäßig Messen und Gottesdienste gefeiert werden können, ist das auch für die drei Priester der Klostergemeinschaft mit zeitlichem Mehraufwand verbunden. Vier ehemals selbststänige Gemeinden in Werdohl und Neuenrade haben sie zu versorgen, zudem auch noch in Altena auszuhelfen. „Inklusive der Seniorenheime sind das zehn Orte, an denen wir regelmäßig die heilige Messe feiern“, rechnete Pater Kamil zusammen. Dass das mitunter Schwierigkeiten mit sich bringt, verschwieg er nicht, ein Wort der Klage kam ihm aber nicht über die Lippen. „Im Vergleich zu anderen Pfarreien sind wir personell gut besetzt“, versicherte er. Manfred Buchta vom Kirchenvorstand sah das ganz ähnlich und warf einen Blick auf das gesamte Bistum Essen: Von ehemals 250 Priestern seien nur noch 110 übrig geblieben. „Wir werden irgendwann vom unserem Kloster aus das ganze Lennetal versorgen müssen“, äußerte er die Vermutung, dass der Seelsorgeauftrag für die Werdohler Franziskaner größer werden dürfte.

„Wir versuchen, uns Zeit für das klösterliche Leben zu nehmen“

Bleibt bei so viel Arbeit für die Gemeinden denn überhaupt noch Zeit für die spirituelle Gemeinschaft im Kloster? Pater Kamil spielte die Arbeitsbelastung herunter. „Wir versuchen, uns Zeit für das klösterliche Leben zu nehmen“, sagte er. „Es gibt feste Gebetszeiten und auch gemeinsame Mahlzeiten – wir sitzen drei Mal täglich zusammen am Tisch.“ Aber auch die Gemeinde achte darauf, dass das Leben im Kloster nicht zu kurz komme.

Bleiben viele Kinder und Jugendliche auf der Sttrecke

Aber auch die Gemeinde selbst und ihre Gruppen haben unter der Pandemie zu leiden, auch abseits der Gottesdienste. Martin Hempel von den Pfadfindern äußerte Bedenken, dass viele Kinder und Jugendliche auf der Strecke bleiben könnten. „Wir werden anfangs wohl nur 50 Prozent der Mitglieder wiedersehen“, befürchtete er. Überbordende Bürokratie erschwere die Vereinsarbeit, bespielsweise die Organisation des Sommerlagers, zusätzlich. Das waren Sorgen, die der CDU-Politiker Paul Ziemiak verstehen konnte. Es gelte Wege zu finden, Kinder wieder in die Vereine zu bringen, sagte er und hob die Bedeutung der Vereinsarbeit mit Kinder und Jugendlichen hervor: „Die ist genauso wichtig wie Mathe-Nachfilfe.“Gläubigen fehlt die Gemeinschaft

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