Bilanz fällt unterschiedlich aus

Katrin Guntermann hat weniger Umsatz.

Werdohl -  Das erste Quartal des Jahres ist vorbei und damit liegen auch die ersten drei Monate mit der Parkraumbewirtschaftung hinter den Werdohlern. Zeit für die Einzelhändler, Bilanz zu ziehen. Die fällt sehr gegensätzlich aus.

„Für uns ist es positiv“, sagt Carsten Fromm vom Blumengeschäft Fromm. Seitdem für das Parken am Alten Dorf bezahlt werden muss, seien dort immer Plätze frei. Das sei früher nicht so gewesen. „Vorher war das mit dem Parken eine Katastrophe.“ Jetzt müssten die Kunden ihre Blumen nicht mehr so weit tragen. Die Mitarbeiter des Geschäfts könnten beim Einladen helfen. Das Angebot, die Parkgebühren zu erstatten würde inzwischen gut von den Kunden angenommen, sagt Fromm.

Auch die Mitarbeiter der Parfümerie Aurel stehen der Parkraumbewirtschaftung positiv gegenüber. „Wir haben immer wieder Kunden, die sagen ‘Toll, dass wir hier einen Parkplatz in der Nähe kriegen’“, berichtet Susanne Büber. Insbesondere Ältere und Menschen mit Gehbehinderung, die im ebenfalls im Geschäft ansässigen Fotoladen Bilder für den Ausweis machen lassen, begrüßten, dass sie nun nah am Gebäude parken können.

Keine Veränderung beim Umsatz aufgrund der Parkplatzgebühren gibt es im Schuhgeschäft Brockhaus. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei das Geschäft bislang besser. Grund dafür sei das Wetter. „Wenn die Sonne scheint und es warm ist, wollen die Menschen auch neue Schuhe“, sagt Rita Graumann. Sie könne nicht sagen, dass weniger Kunden kommen, weil sie Gebühren fürs Parken zahlen müssen. Aber: „Die Leute sind mehr in Eile. Sonst gab es schon mal öfter einen Plausch.“ Jetzt würden die Kunden oft sagen, dass sie gehen müssten – die Parkzeit laufe ab.

Ein Satz, den Katrin Guntermann von der Buchhandlung Lesen und Ambiente mindestens zwei Mal am Tag hört. Für ihr Geschäft schlecht, da ein passendes Buch nicht auf die Schnelle gefunden sei. Das mache sich auch beim Umsatz bemerkbar: „Ich habe den Eindruck, es ist weniger geworden.“ Die Kunden seien nicht mehr so entspannt, sondern viel in Eile. Zudem habe Guntermann festgestellt, dass die Menschen sauer sind. „Es geht nicht so sehr um die Gebühren und es ist auch nicht zu teuer. Aber die Art und Weise stört die Leute“, sagt Guntermann. Sie habe das Gefühl, die Politessen liegen geradezu auf der Lauer und warten nur darauf, dass die Parkzeit abläuft und sie ein Knöllchen schreiben können.

Wachsame Kontrolleure seien auch das Problem von Eleftheria Ntagka, Inhaberin der Reinigung „Fleck weg“. Täglich käme ein Fahrer, um Kleidungsstücke für eine Außenstelle abzuholen. Das Einladen dauere nicht länger als zehn Minuten. Für die kurze Dauer einen Parkschein ziehen zu müsse, findet Ntagka nicht gerecht. Aber wenn sie keinen habe, seien die Politessen schnell zur Stelle. Auch Kunden habe sie wegen der Parkraumbewirtschaftung weniger. Sonst seien die Leute meist donnerstags nach einem Besuch des Marktes zu ihr gekommen. „Inzwischen fahren sie lieber nach Neuenrade zur Reinigung“, sagt Ntagka.

Silvia Müller, Mitarbeiterin der Bäckerei Kayser ärgert sich besonders darüber, dass es keine Brötchentaste gibt. Sie habe festgestellt, dass immer mehr Kunden darauf verzichten, für ein paar Brötchen zu ihnen zu kommen. „Das bedeutet weniger Umsatz“, sagt Müller. Einige Leute fahren nun lieber nach Neuenrade, berichtet sie. Müller findet die Parkraumbewirtschaftung für Werdohl nicht passend: „Das macht die kleinen Geschäfte hier kaputt. Damit hat sich Werdohl ein Eigentor geschossen.“

Manfred Beiske vom WK hat Verständnis für die Maßnahme. „Die Preise fürs Parken sind moderat im Verhältnis zu anderen Städten“, sagt er. Aber auch ins WK kämen seit der Parkraumbewirtschaftung weniger Kunden. Und das, obwohl es am Kaufhaus die Möglichkeit gibt, anderthalb Stunden gebührenfrei zu parken. Und noch etwas ist Beiske aufgefallen: „Die Leute sind viel mehr in Eile.“

Von Jana Peuckert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare