Parkgebühren: Geld-zurück-Aktion läuft schleppend

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Katrin Guntermann von der Buchhandlung Lesen und Ambiente.

Werdohl - Acht Parkschein-Abrisse liegen in einer Kassenschublade des Schuhgeschäftes Brockhaus. Acht Kunden haben also seit Anfang Januar von der Geld-zurück-Aktion des Stadtmarketings Gebrauch gemacht – im Schnitt einer pro Woche. „Es gibt wesentlich weniger Resonanz, als ich dachte“, sagt Inhaberin Andrea Brockhaus-Passenheim.

In anderen Geschäften holen sich noch weniger Kunden ihre Parkgebühren zurück. Und das, obwohl die meisten Einzelhändler ab einem Einkaufswert von 15 Euro die Gebühren für bis zu eine Stunde erstatten. „Die Leute fragen hier kaum bis gar nicht danach“, sagt Mayk Schröder vom gleichnamigen Elektronik-Geschäft. „Aber ich bin sicher auch nicht repräsentativ, weil hier der Lidl-Parkplatz direkt um die Ecke ist.“ Dort können Kunden ihr Auto mit Parkscheibe eine Stunde lang umsonst stehen lassen.

Doch auch am anderen Ende der Einkaufsstraße ist die Resonanz mehr als verhalten. „Seit Anfang Januar haben vielleicht fünf Kunden den Abriss mitgebracht“, schätzt Olaf Lüdtke von der Fortuna Apotheke am Brüninghaus-Platz. „Ich glaube, die Leute denken einfach nicht daran.“

Diesen Eindruck bestätigt auch Katrin Guntermann von der Buchhandlung Lesen und Ambiente. Nur drei Kunden haben sich beim Bücherkaufen Parkgebühren zurückzahlen lassen. „Wir haben das ja publik gemacht und überall hängen große Plakaten an den Geschäften“, sagt die Buchhändlerin. „Aber es läuft trotzdem schleppend.“ Den einen oder anderen Kunden habe sie schon an die Aktion erinnert. „Viele vergessen es. Aber manche sind auch wütend wegen der Parkgebühren und interessieren sich deshalb nicht dafür.“

Überhaupt bemerke sie eine schlechte Stimmung in der Stadt. „Die Kunden haben keine Zeit, zu quatschen“, sagt Katrin Guntermann. „Sie kaufen ein und gehen wieder.“ Besonders am Donnerstag falle ihr auf, „wie die Leute über den Markt pesen“. Gerade der Smalltalk, der den Markt ausmache, komme zu kurz.

„Es ist weniger Leben in der Stadt“, findet auch Andrea Brockhaus-Passenheim. „Und wer da ist, hat keine Zeit.“ Unentspannt und anstrengend empfänden die Kunden die Situation in der Innenstadt, weil sie ständig an ihre Parkzeit denken müssten.

Helga Böhm und Susanne Büber von der Parfümerie Aurel schildern einen ganz anderen Eindruck. „Die Einführung der Parkgebühren hat uns viele Kunden beschert, weil es endlich immer freie Parkplätze gibt“, sagt Susanne Büber. Auch einige Neuenrader kämen jetzt zum Einkaufen in die Werdohler Parfümerie. Dort lassen sich auch mehr Kunden ihre Parkgebühren erstatten als in anderen Geschäften. Mal seien es drei, mal bis zu sieben Einkäufer pro Woche, die danach fragten, schätzen Helga Böhm und Susanne Büber. - cra

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