„Stadtfest schleichend schlechter geworden“

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Rolf Prange, seit 1999 für Straßenverkehrsangelegenheiten bei der Stadt Werdohl zuständig, gab während der Jahreshauptversammlung des Marketingvereins „Natürlich...Werdohl“ einen groben Überblick über das vor der Verabschiedung stehende Parkraum-Bewirtschaftungskonzept.

WERDOHL - Zwei Themen, die in der jüngsten Vergangenheit schon im Mittelpunkt öffentlich geführter Diskussionen gestanden haben, beschäftigten am Dienstagabend im Rathaus auch die Mitglieder des Marketingvereins „Natürlich…Werdohl“ während ihrer Jahreshauptversammlung: Die Neuaufstellung des Stadtfestes und das Parkraum-Bewirtschaftungskonzept.

Alle anderen Punkte wurden schnell abgehandelt. Die Kassenlage ist nach einem vierstelligen Gewinn im vergangenen Jahr gut, und bei der Führungsmannschaft gab es lediglich eine Änderung: Mike Kernig übernahm das Amt des Schatzmeisters vom aus beruflichen Gründen scheidenden Stefan Müller.

Der Punkt „Jahresplanung 2013“ wäre eigentlich eine Routineangelegenheit gewesen, weil „Natürlich…Werdohl“ vor allem eine Trägerfunktion hat und sämtliche Aktivitäten durch die Marketing GmbH wahrgenommen werden, aber: Andrea Brockhaus brachte einen Stein ins Rollen, der letztlich eine Lawine von Problemen erkennbar machte. Das Bahnhofsfest, so ihre Meinung, sei gut gelaufen. Beim Stadtfest allerdings sei zu sehr gespart und zu wenig Engagement sichtbar geworden. Eine Wahrnehmung, die auch andere gemacht haben, so der zweite Vorsitzende Manfred Beiske.

„Beim Stadtfest fehlte eine Zugnummer“

Jürgen Neumann gar sprach aus, was vielfach zuletzt zu hören war: Ein Star oder eine Zugnummer habe gefehlt; seit Jahren gebe es kein echtes Highlight mehr. Allerdings machte Vorsitzender Siegfried Griebsch sehr schnell deutlich, dass Neumanns Einwand an andere Zeiten erinnere. Die Zeiten mit großen Stars seien auch geprägt gewesen von großzügigem Sponsoring, das momentan jedoch nicht erschließbar sei. Stars könne die Marketing GmbH bei den aktuellen Gagen und den nur zur Verfügung stehenden Mitteln „nicht stemmen“. Zudem vertrat er die Meinung: „15 000 Euro für einen 45-Minuten-Auftritt sind rausgeworfenes Geld“. Eine solche Investition, so unterstützte ihn Manfred Beiske, sei heute nicht mehr zeitgemäß.

Im Gleichklang richteten der erste und zweite Vorsitzende den Blick auf den Brüninghaus-Platz. Wenn der einmal fertiggestellt sei, wäre es vielleicht auch wieder möglich, die Sponsorenfrage optimistischer anzugehen. Schon jetzt, so der neue Schatzmeister Mike Kernig, sollte man die zuletzt positiv bewerteten Dinge im Gedächtnis behalten und in künftige Planungen einbeziehen. Anna Becker schließlich mahnte mehr Gemeinsamkeit aller Geschäftsleute an und plädierte für ein Grundsatzkonzept mit Blick auf das Stadt- und Bahnhofsfest. Ihre Einschätzung zudem: „Die Leute wollen eine nette Atmosphäre mit vernünftiger Musik und keine Stars“.

„Die Leute wollen keine Stars“

Die Standortfrage der Stadtfeste, so erkannte Siegfried Griebsch, „ist der Knackpunkt“. Es müsse auf lange Sicht auf eine Ausgewogenheit hingearbeitet werden. Er, wie auch Mike Kernig, wies zugleich aber darauf hin, dass ohne Sponsoring „nichts geht“ und das wiederum hänge „wesentlich von einem Konzept ab“. Ein größerer Planungsstab sei notwendig, die Vereine und auch die Wirtschaft – nicht nur der Einzelhandel – müssten stärker eingebunden werden. Weh getan habe, dass die FSV sich zurückgezogen habe. Sie müsse wieder ins Boot geholt werden. Auch wenn Ingo Wöste von Aufbruchsstimmung sprach und Manfred Beiske die Erzeugung eines besseren Wir-Gefühls anmahnte, blieb letztlich Beiskes Urteil zur Lage unwidersprochen: „Das Stadtfest ist in den letzten Jahren schleichend schlechter geworden. Wir müssen etwas tun“. Gegebenenfalls müssten Arbeitskreise gebildet werden, in denen wesentliche Vorarbeit geleistet werden müsse.

Bei der von Rolf Prange, dem bei der Stadt zuständigen Mann für Straßenverkehrsangelegenheiten, erläuterten Parkraum-Bewirtschaftung fanden sich aus Sicht der „Natürlich…Werdohl“-Mitglieder sehr schnell Ansatzpunkte der Kritik.

Parkgebühren nach dem Weihnachtsgeschäft?

Unbestritten war die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme, bei der es immerhin um 1350 Parkplätze (davon 450 in privater Hand) geht. Während bei den öffentlichen Flächen die Richtung klar ist, bleibt zurzeit noch weitgehend unbeantwortet, wie sich Kaufhäuser und Discounter verhalten. Hier droht unter Umständen eine Art Verdrängung, wenn sie nicht mit in das Konzept einbezogen werden. Es besteht noch Klärungsbedarf, mit welchem Modell diese Privaten eingebunden werden können. In jedem Fall wurde eine längere Vorlaufzeit reklamiert.

Mehr noch beschäftigt den Einzelhandel aber die Frage nach dem Zeitpunkt der Einführung der Parkraum-Bewirtschaftung. Von Oktober/November war die Rede. Doch das, so beispielsweise Kerstin Bathe oder Manfred Beiske, kollidiere mit dem Weihnachtsgeschäft. Eine deutliche Schädigung sei zu befürchten. Ein Startschuss im Januar wurde als günstiger angesehen. Ansonsten sind wir die einzigen, die Lehrgeld bezahlen“, so Kerstin Bathe. Für Bürgermeister Griebsch ist das Konzept zwar keine Verkaufs-Förderungsmaßnahme, „aber wir müssen das Ding ans Laufen kriegen und bei Problemen eben entsprechend reagieren“. Griebsch zweifelte, dass durch die Gebühren weniger Kunden in die Werdohler Geschäfte kommen.

Und noch eines bereitet Sorgen: Die Kapazitäten für Dauerparker – sprich Beschäftigte von Betrieben in der Innenstadt. 60 Plätze werden auf dem Goetheparkplatz, weitere 20 bis 25 am Bahnhof ausgewiesen. Allein durch die Mitarbeiter des WK und der Sparkasse wurden diese Kontingente ausgeschöpft. Zwar verwies Rolf Prange darauf, man könne flexibel reagieren, doch Fragezeichen bleiben. Oder wie es Siegfried Griebsch ausdrückte: Bis zum Zeitpunkt der Einführung gebe es noch viel Klärungs- und vor allem Redebedarf.

Von Rainer Kanbach

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