In die Parallelwelt katapultiert

WERDOHL ▪ Ostersonntag – doch Martha Gerlach findet kein buntes Ei, sondern eine Leiche. Der Pastor starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Die Pfarrerin Gerlach, eine Anfang-20-jährige Amateur-Detektivin, fängt an, zu ermitteln. Von Michael Koll

Der Tote lag in Dortmund. Erdacht hat sich diese Geschichte Anne-Kathrin Koppetsch. Die Nachwuchsautorin wurde 1963 an der Lenne geboren und wuchs bis 1982 in Werdohl auf. Der Kriminalroman „Kohlenstaub“ ist ihr viertes Buch – und nach der Kurzgeschichte „Man trifft sich immer zweimal“ der zweite Fall von Gerlach.

„Eine Kollegin erzählte mir von ihren Anfängen als Pfarrerin in den 60er-Jahren“, berichtet Koppetsch. Damals waren weibliche Geistliche noch selten – und von manchen männlichen Kollegen nicht gerne gesehen. So gibt es im Buch, welches ebenfalls zu Zeiten des brummenden Kohlenpotts spielt, auch einen „dicklichen“ Pfarrer, der – so die Autorin – „gegen Frauen auf der Kanzel ist“.

Koppetsch, selbst studierte Theologin und Pfarrerin, die hauptberuflich Öffentlichkeitsreferentin bei der evangelischen Kirche in Dortmund ist, erinnert sich an das Gespräch mit der Kollegin: „Das, was sie erzählte, war so lustig. Das hat mich dann inspiriert zu dieser Geschichte, die aber komplett fiktiv ist.“

Und „Kohlenstaub“ ist wohl der Beginn einer Serie: „Ich schreibe schon am zweiten Teil. Der spielt dann etwas später. Da kommen schon echte 68er vor.“ Und neben der Amateurdetektivin Gerlach tauchen auch die komplette Siedlung, der rasende Reporter Luschinski, der qualmende Kommissar sowie die Trinkhalle von Trudi wieder auf.

Zunächst aber erscheint in diesen Tagen der erste Gerlach-Roman. Die gebürtige Werdohlerin Koppetsch, die ab Sommer eine eigene Gemeinde als Pfarrerin übernehmen wird, erfindet ihre Geschichten in ihrer Freizeit. „Das Schreiben gibt mir viel Kraft.“

Besondere Umstände braucht die End-Vierzigerin dafür nicht: „Ich schreibe mit meinem Laptop zuhause.“ Rotwein setze sie dabei „nur spärlich“ ein. „Dann entsteht ein Theater in meinem Kopf. Das katapultiert mich in eine Parallelwelt.“

Dass heißt aber nicht, dass Koppetsch nur in ihrer Fantasie lebt. Im Gegenteil: Die geborene Sauerländerin reist leidenschaftlich gerne. Sri Lanka und Vietnam waren zuletzt ihre Ziele. Außerdem wandert sie gerne – entweder, wenn sie zu Besuch bei ihren Eltern in Werdohl ist, oder aber in ihrer Wahlheimat im Ruhrgebiet.

Die Schriftstellerei hat Koppetsch nicht erst jetzt gepackt. Drei Romane hat sie bereits verfasst: eine Liebesgeschichte und zwei Krimis ohne die Hauptfigur Gerlach. „Die drei Bücher sind aber im Handel längst vergriffen.“

Die junge Pfarrerin Gerlach entstand, als Koppetsch für eine Kurzgeschichten-Sammlung Dortmunder Autorinnen arbeitete. Die Schriftstellerinnen machen regelmäßig Wohltätigkeitslesungen. „So waren wir in einem Polizeipräsidium in Dortmund zu Gast, um dort unsere Geschichten vorzutragen. Die Beamten waren ganz begeistert.“ Die Autorinnen spenden ihre Einnahmen für Frauenprojekte, etwa für ein Frauenhaus oder gegen Genitalverstümmelungen.

So kam die gebürtige Werdohlerin auf die Idee, Krimis zu verfassen. Ein gutes Jahr arbeitete die Nachwuchsautorin an ihrem neuesten Roman. „Ich schreibe ja nur in meiner Freizeit.“

Dabei ist stets der Kater von Koppetsch. „Die Ideen zu meinen Geschichten kommen, weil ich irgendwas in mir auf Empfang gestellt habe“, vermutet sie. Der Kriminalroman „Kohlenstaub“, so meint die Autorin, sei familientauglich – „nicht zu düster“.

Koppetsch ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Sie mag Jazz und Weltmusik. Selbst spielt sie Klavier und „ich trommele ein bisschen“. Ob demnächst denn einmal Gerlach eine Leiche in Werdohl finden könnte, steht noch nicht fest: „Geplant ist das nicht, aber möglich ist immer alles“, sagt die Autorin vieldeutig.

http://www.anne-kathrin-koppetsch.de

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