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Pandemie bremst Realschüler aus

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Von: Volker Griese

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Die Erfahrung aus einem Praktikum kann dabei helfen, später den richtigen Job zu finden. Doch die Bedingungen für Praktika sind in Corona-Zeiten nicht optimal.
Die Erfahrung aus einem Praktikum kann dabei helfen, später den richtigen Job zu finden. Doch die Bedingungen für Praktika sind in Corona-Zeiten nicht optimal. © Franziska Gabbert

Die Uhr läuft: Am 21. März beginnt für 75 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Realschule Werdohl ein Betriebspraktikum, aber ein Drittel der Jugendlichen hat noch keinen Betrieb gefunden, in dem sie erste Berufserfahrungen sammeln können.

„Für die Schüler ist das Praktikum eine erste Gelegenheit, die Arbeitswelt kennenzulernen“, sagt Michael Stemski, 2. Konrektor der Realschule am Köstersberg. Die noch immer nicht ganz überstandene Corona-Pandemie mache es den Jugendlichen aber schwer, einen Praktikumsplatz zu finden. Viele Betriebe seien unsicher, ob sie in der derzeitigen Situation Praktikanten beschäftigen sollten, zu groß sei die Angst, sich damit das Virus in die Belegschaft zu holen, weiß Stemski.

Berichte von Schülern, die auf der Suche nach einem Praktikumsplatz bisher nicht erfolgreich gewesen sind, bestätigen das. Der 14-jährige Mustafa beispielsweise erzählt, dass er mit dem Hinweis auf die Gefahren in der Pandemie abgewiesen worden sei. Deshalb ist er auch zwei Wochen vor Praktikumsbeginn noch immer auf der Suche nach einer Stelle, vorzugsweise in der Lagerlogistik. Ähnlich ist es Jolina ergangen. Die 14-Jährige sucht eine Praktikumsstelle in einer Kindertagesstätte, könnte sich aber auch eine Tätigkeit in einem Fitnessstudio vorstellen. „Aber die sind wegen Corona alle unsicher, ob sie Praktikanten nehmen sollen“, berichtet sie.

„Die meisten unserer Schüler sind geimpft oder genesen“

Dabei seien die Befürchtungen der Unternehmen eigentlich unbegründet, versichert Michael Stemski. „Die meisten unserer Schüler sind geimpft oder genesen“, sagt er. Eine Stichprobe in der Klasse 9a bestätigt das: Bei der Frage, wer denn gegen Covid-19 geimpft ist, geht gut die Hälfte der Hände hoch. Einige haben die Krankheit auch durchgestanden und gelten deshalb ebenfalls als immunisiert. Dass sich Praktikanten denselben Sicherheitsmaßnahmen wie normale Beschäftigte unterziehen und sich gegebenenfalls täglich testen lassen müssten, sei auch selbstverständlich, betont Stemski. Die Tests stelle die Schule sogar bereit.

Doch die Absagen der Unternehmen sind nun einmal nicht wegzudiskutieren. Einige Schüler werden deshalb ihren Suchradius vergrößern müssen. Wie zum Beispiel die 14-jährige Michele, die auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im sozialen Bereich, in einer Logopädiepraxis oder in einem Büro bisher in Werdohl nicht fündig geworden ist. Vielleicht müsste sie dafür in eine Nachbarstadt fahren. Denkbar wäre das für die Schülerin, zumal die Stadt Werdohl als Schulträger ihr für die Dauer des Betriebspraktikums eine Fahrkarte für Bus oder Bahn bezahlen würde.

Projektarbeit als Alternative

Aber es gibt auch Schüler, die noch nicht ganz schlüssig sind, in welcher Branche sie überhaupt ein bisschen Arbeitsatmosphäre kennenlernen möchten. Dazu gehört der 15-jährige Tugra. „Autos interessieren mich, aber auch ein Bürojob könnte mir vielleicht gefallen“, sagt er. Tugra wird sich bald entscheiden müssen, wenn er nicht an der Projektarbeit in der Schule teilnehmen möchte, die die Realschule für alle vorgesehen hat, die in den nächsten zwei Wochen keinen Praktikumsbetrieb haben finden können.

Andere Schüler der 9a haben ihre Praktikumsstellen bereits gefunden und geben Mitschülern gerne Tipps, wie auch sie noch fündig werden können. Oftmals lohne sich ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens, bevor man dort nach einer Praktikumsstelle frage, heißt es. Dann könne man bei einem Gespräch schon mit Vorwissen punkten. Manchmal führe auch eine förmliche Bewerbung in Schriftform zum Erfolg.

Praktikanten die zukünftigen Fachkräfte?

Die Realschule hofft, dass die noch unversorgten 26 Schüler in den nächsten Tagen noch Betriebe finden, in denen sie Arbeitsluft schnuppern können. Michael Stemski bringt noch einen Punkt zur Sprache, der vielleicht nicht unwesentlich ist. „Das Praktikum ist ein Sprungbrett zur Ausbildung. Viele Firmen bieten unseren Schülern nach dem Praktikum einen Ausbildungsplatz an, weil sie so zufrieden mit ihnen waren.“ Das bedeutet auch umgekehrt: Durch ein Praktikum können Unternehmen vielleicht ihre Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern besetzen, denen sie schon einmal drei Wochen lang auf den Zahn fühlen konnten.

Unternehmen, die sich vorstellen können, in der Zeit vom 21. März bis 8. April einen oder mehrere Praktikanten für eine, zwei oder sogar drei Wochen zu beschäftigen, können sich in der Realschule Werdohl (Tel. 02392/2492) an Christiane Lindner (E-Mail: c.lindner@realschu–le-werdohl.de) wenden.

Tipps für Schüler, die einen Praktikumsplatz suchen, gibt es im Internet, zum Beispiel auf der Seite www.schülerpraktikum.de, auf der man nach Praktikumsstellen in ganz Deutschland, aber auch gezielt im Märkischen Kreis suchen kann. Zudem gibt es Anregungen, wie man eine Praktikumsstelle finden kann.

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