O’weia wird nass – und zwar gerne

Golden-Retriever-Dame O’weia zieht ihre Bahnen im Therapiebecken in Kleinhammer. Das tut der Hündin gut und bereitet dem Vierbeiner zudem Freude.

WERDOHL ▪ Mit einem lauten Platschen springt O’weia ins Wasser. Die vierjährige Golden-Retriever-Dame zieht stolz ihre Bahnen. Ihr Frauchen begleitet sie ins warme Nass des in freundlichen Blautönen gestalteten Beckens.

Von David Schröder

Eine besondere Praxis gibt es seit einem Jahr in Kleinhammer: Physiotherapeutin Anja Al Shami bietet dort Krankengymnastik für Hunde an.

Stolz trägt O’weia bei ihren Bahnen im Becken ein Spielzeug im Maul. Ihr Frauchen, Al Shami, muss dabei gar nicht viel machen. Der jungen Vierbeinerin macht die Bewegung Spaß und sie tut ihr sichtlich gut.

Ende des vergangenen Jahres waren die Bauarbeiten an der kleinen Schwimmhalle in Werdohl Kleinhammer beendet. Al Shami kann hier mit vielen neuen Möglichkeiten ihrem Beruf nachgehen. Sie betreibt seit Anfang 2011 eine Praxis für Hundephysiotherapie.

Dass sie gebraucht wird, merkt die ehemalige Krankenschwester ohne wirklich Werbung zu betreiben. Hundehalter aus Schmallenberg, Olpe, Gummersbach und Neuenrade kommen mittlerweile mit ihren Tieren nach Werdohl.

„Früher wurden die Hunde bei Brüchen oder ähnlichen Verletzungen einfach eingeschläfert. Heute werden Handicaps akzeptiert“, erklärt die 43-Jährige die Nachfrage nach Therapieplätzen für die Vierbeiner.

Die Möglichkeiten sind – wie bei der Krankenpflege für Menschen – sehr vielfältig. Für eine sechs- bis zehnwöchige Physiotherapie benötigt Al Shami von ihren Patienten zunächst die Diagnose des Tierarztes. Es folgt eine Eingangsuntersuchung, bei der sie viele Fragen zum Verhalten des Tieres stellt. Die Physiotherapeutin schaut sich zudem das Gangbild des Hundes an und tastet ihn gründlich ab. „Von der Nase bis zur Schwanzspitze“, betont sie.

Zur Entspannung können sich die Tiere über eine ausgiebige Massage freuen. „Das fördert die Vertrauensbildung.“ Kommen Therapeutin und Hund gut miteinander aus, folgen wöchentliche Therapiestunden. Genau wie beim Menschen gibt es dann Anwendungen. Von bestimmten Bewegungsabläufen bis zu Mikrowellen für Tiefenwärme. Dazu gehören jetzt auch die Übungen im Schwimmbecken.

Helfen können diese Übungen, von denen Al Shami auch einige den Besitzern beibringt, bei zahlreichen Krankheitsbildern. Nach Unfällen, Operationen, bei orthopädischen und neurologischen Erkrankungen. Neuerdings wird auch das Abnehmen für Haustiere immer wichtiger. „Es gibt immer mehr übergewichtige Hunde“, weiß die Therapeutin.

Zu dem Beruf kam die Werdohlerin durch die eigene Familie. Die Hündin der Eltern war bei der Jagd schwer gestürzt und hatte aufgrund einer Bandscheibenverletzung gelähmte Hinterbeine. Ihre damalige Tierärztin schenkte Al Shami ein Buch über Hundephysiotherapie.

„Heute ist bei Schnuppe alles wieder da. Sie läuft zwar nicht schön, aber sie hat keine Schmerzen mehr“, ist sich Al Shami sicher. Damals half noch eine andere Hunde-Physiotherapeutin.

Im Anschluss an Schnuppes Therapie begann die Werdohlerin ihre eigene Ausbildung. „Eigentlich habe ich das nur für mich gemacht“, antwortet Al Shami auf die Frage, wie sie zur eigenen Praxis kam.

Wichtig war ihr jetzt aber auch ein eigenes Schwimmbecken. „Eine Viertelstunde darin ist für den Hund, wie eine ganze Stunde neben dem Fahrrad zu laufen“, erklärt sie.

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