Nachbarschafts-Streit

Ohrfeigen und Aschenbecher-Wurf: Werdohler vor Gericht

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Werdohl - Flüchtlinge haben es auch untereinander nicht immer leicht. Das zeigte ein Strafverfahren im Amtsgericht Altena. Eine 24-jährige Syrerin aus Werdohl musste sich wegen zweier Ohrfeigen verantworten, die sie einem fünfjährigen Knaben verpasst haben sollte.

„Nein“, bestritt sie die Anklage vehement. Sie schilderte die Geschichte einer langen Nachbarschafts-Auseinandersetzung, in der böse Worte gefallen und Aschenbecher geflogen sein sollen. „Seine Mutter beschimpft uns und sagt, dass syrische Frauen Tiere sind.“ 

Die 24-Jährige sei vor dem Vorfall von dem Vater des Jungen angegriffen worden, ergänzte der Verteidiger der jungen Frau. Mittlerweile gebe es auch eine Strafanzeige gegen den Vater des Jungen, weil der Mann die 24-Jährige zudem in den Bauch getreten haben soll. 

Ärger rechtfertigt Schläge nicht 

Doch der Nachbarschaftsstreit der Erwachsenen habe keine Ohrfeigen gegen einen Fünfjährigen gerechtfertigt. Die Anklage wog allerdings auch nicht so schwer, dass die Ereignisse bis ins letzte Detail hätten aufgeklärt werden müssen. So verständigten sich Staatsanwältin und Richter auf eine Einstellung des Verfahrens ohne Geldauflage. Nur ihren Anwalt muss die 24-Jährige bezahlen. 

Am Rande machte das Strafverfahren deutlich, wie sehr das Leben der Angeklagten durch die aufgezwungene Flucht aus Aleppo aus dem Lot geraten war: „In Syrien habe ich die Universität besucht und arabische Literatur studiert. Jetzt mache ich gar nichts mehr“, erzählte sie mithilfe des Dolmetschers. Doch sie berichtete auch von Deutschkursen – und von der Hoffnung, eines Tages wieder studieren zu können.

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