Ohne Respekt: Opferstock einer Werdohler Kapelle zum zweiten Mal gestohlen

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Christiane Recht hält eines der kleinen Teelichte, die im geklauten Opferkerzengestell in der Waldkapelle Distelblech verwendet wurden. Das Gestell samt geplündertem Opferstock ist zwar wieder aufgetaucht, doch die Enttäuschung über das Verhalten der Besucher ist riesig.

Werdohl - Die Kapelle Distelnblech liegt ganz am äußersten Ende von Werdohl, irgendwo im tiefen Wald an der Grenze zu Herscheid. Wegweiser dahin gibt es nicht, wer die Straße weiter fährt, landet in einer Sackgasse.

Diese wunderbare Lage lockt aber auch manchen Zeitgenossen, der in der Marienkapelle nicht unbedingt Ruhe und innere Einkehr sucht. 

Bereits zum zweiten Mal ist der Opferstock mit ein paar Euro darin gestohlen worden, dieses Mal hatten die Täter gleich das ganze Kerzengestell mitgenommen. Mittlerweile ist das etwa 700 Euro teure Metallgestell samt geplündertem Opferstock wieder aufgetaucht. Ganz in der Nähe hatten die Täter vielleicht zwanzig Euro aus der Geldkassette gestohlen und das ganze Gestell in den Wald geschmissen. 

Im Winter 2010 gebaut

Seit sechs Jahren passen Christiane Recht und ihr Mann Christian auf die Kapelle auf. Das kleine Gebäude wurde im Winter 2010 gebaut und 2011 eingesegnet. Der Kirchhundemer Forstunternehmer Christoph Hupertz hatte das ganze Gelände gekauft und aus Dankbarkeit die Kapelle gebaut. Vor allem dem im Sommer 2018 verstorbenen Vater von Hupertz, Willi, war die Kapelle eine Herzensangelegenheit. 

„Das hat der Willi echt nicht verdient“, sagt dann auch Christiane Recht. Die 48-Jährige stammt unüberhörbar aus dem Rheinland („isch bin ein kölsches Mädel“) und wohnt mit ihrer Familie seit 2013 auf dem Hof Distelnblech ganz in der Nähe der Kapelle. Der Hof gehört Hupertz, Rechts haben das Haus gemietet und kommen jeden Tag mehrfach an der Waldkapelle vorbei. Auch zu eher unchristlichen Zeiten, wenn dieser Vergleich erlaubt ist, weil Familie Recht auch eine Hundezucht betreibt und deshalb zu jeder Tages- und Nachtzeit mit einem der Tiere unterwegs ist. 

Immer wieder kommen neue Gäste

„Wir kennen die regelmäßigen Besucher der Kapelle natürlich, und immer wieder kommen neue Gäste und tragen sich ins Gästebuch ein“, erzählt Christiane Recht. Natürlich stehe die Kapelle für jeden und jede offen. Die Tür ist nie abgeschlossen, das kleine Gotteshaus lädt zu Gebet und Nachdenken ein. 

Der Kirchhundemer Forstwirt Christoph Hupertz hat die Kapelle 2010 errichtet, seit 2013 pflegen Christiane und Christian Recht das kleine Gebäude.

Dass der abgelegene Ort so manchem Pärchen für ein ausgiebiges Tête-à-Tête im Auto dient, geht für Recht völlig in Ordnung. Nicht mehr ok ist der Konsum von Drogen in der Kapelle, auch wenn das je nach Art der Droge etwas mit innerer Einkehr zu tun hat. 

Hasch rauchen und Wodka trinken

Die Hinterlassenschaften der Dope-Raucher samt leerer Wodka-Flaschen nerven, schlimm aber sind Verdreckung und Sachbeschädigung. Manch einer drücke die Kippe auf der Kniebank aus, der Abfall liege mitten in der sonst so picobello gepflegten Kapelle. 

Überhaupt kein Verständnis aber gibt es für die niederträchtigen Diebe, die die paar Euro aus dem Opferstock klauen. Gäste werfen vielleicht 50 Cent oder einen Euro für ein Teelicht ein und entzünden es angesichts der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Schoß. 

Unverschämtheit und Respektlosigkeit

Christiane Recht und Christoph Hupertz ist jetzt endgültig der Kragen geplatzt vor so viel Unverschämtheit und Respektlosigkeit. Sie wollen eine kleine Wildkamera installieren, die, mit einem Bewegungsmelder gekoppelt, Aktivitäten in dem Gotteshaus aufzeichnet. Wenn ein entsprechendes Schild angebracht werde, sei das erlaubt, meint Recht. Schließlich seien Kapelle und Grundstück Privateigentum und nicht öffentlicher Raum. 

Rechts informieren über jedes verdächtige Verhalten die Polizei. Jüngst habe ihr Mann einen Autofahrer angesprochen, der immer wieder in der Nähe parkte und seine brennenden Zigarettenstummel in den Wald warf. Der Autofahrer habe alles abgestritten und sei sehr unhöflich geworden. Die hinzugerufene Polizei habe ihn wohl belehrt, seitdem war der Mann nicht mehr gesehen. Christiane Recht findet das traurig, dass solche Orte wie die schöne Kapelle überwacht und beschützt werden müssen: „Aber was will man sonst machen? Manche Leute haben einfach überhaupt keinen Respekt mehr.“

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