Abschiedsfest für den Imam

+
Imam Özgür Yalci und seine Frau Ayshe müssen Werdohl jetzt verlassen. Das bedauert auch Fahrettin Alptekin (links), der Vorsitzende des Werdohler Ditib-Vereins.

Werdohl – Nach sieben Jahren in Werdohl verlässt der 42-jährige Iman Özgür Yalci die Ditib-Gemeinde an der Freiheitstraße.

Mit ihm zurück in seine Heimat Denizli geht seine Frau Ayshe. In der zweitgrößten Stadt der Ägäisregion, die mehr als eine Million Einwohner hat, freuen sich Özgür Yalcis Eltern sowie seine beiden Geschwister auf die Rückkehr. 

Eigentlich bleibt ein Iman, der in eine ausländische Gemeinde geht, fünf Jahre dort. Doch Yalci war so beliebt bei den Werdohlern, dass die Gemeinde um eine Verlängerung seines Aufenthaltes bat. Das Konsulat in Essen gewährte dem Imam einen um zwei Jahre verlängerten Aufenthalt im Sauerland. 

Am Samstag bereitete ihm die heimische Ditib-Gemeinde ein Abschiedsfest. „Das haben wir in 40 Jahren noch nie getan“, berichtet Fahrettin Alptekin, Vorsitzender des Werdohler Ditib-Vereins. Dieser wurde 1974 ins Leben gerufen. Seit 2008 residiert die Gemeinde in der Moschee an der Freiheitstraße. 

Alptekin schildert die Festvorbereitungen: „Wir erwarten über den Samstagnachmittag verteilt 200 bis 300 Gäste.“ Damit nicht zu viele Besucher aufeinander treffen, wurden sie zeitversetzt empfangen. „Wir würden ihn sehr gerne da behalten“, gestand der Vereins-Vorsitzende. Doch vor einem erneuten Deutschland-Aufenthalt muss Yalci zunächst theologische Prüfungen in der Türkei absolvieren. Dies dauere zwischen einem halben und einem Jahr, schildert der Geistliche. Alptekin: „Die Prüfungen dienen der Einstufung in eine höhere Position, die auch mit einem besseren Gehalt verbunden ist.“ 

Nachdem Yalci diese Examen erfolgreich absolviert hat, darf er erneut eine Stelle im Ausland antreten. Ob diese in Deutschland, oder gar in Werdohl sein wird, ist unklar. Doch der Wunsch eint alle Beteiligten. „Ich würde sehr gerne zurückkommen“, sagt der Imam. „Und meine Frau sogar noch viel lieber.“

Erstmals wurde am Samstag ein Imam mit einem großen Fest verabschiedet. Alptekin begründet: „Özgür war nicht nur unser Imam, sondern ist im Laufe der Jahre zu einem Freund geworden.“ Das sahen auch viele Muslime so. Nicht nur aus Balve und Lüdenscheid kamen Menschen, um ihm eine gute Reise zu wünschen, sondern aus ganz NRW. 

„Werdohl war wie eine Familie für mich“, sagt der Geehrte. Er habe sich schnell und gut in Deutschland eingelebt. Sein Lieblingsort sei die Lennepromenade gewesen, an welcher er oft spazieren gegangen sei. Diese Touren hätten ihn nicht selten in angrenzende Wälder geführt. „Besonders in Erinnerung werden mir aber die Menschen bleiben“, versicherte er. „Selbst die Deutschen, die nicht zur Gemeinde gehören, haben mich immer mit einem Lächeln gegrüßt, wenn wir uns begegnet sind“, sagt er sichtlich begeistert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare