Allgemeinheit trägt die Kosten

Ölspuren verursachen hohen vierstelligen Schaden im Stadtgebiet

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Symbolbild.

Werdohl - Warnschilder am Fahrbahnrand weisen auch in Werdohl regelmäßig auf die regenbogenfarbene Gefahr hin. 59 mal musste die Feuerwehr 2019 wegen ausgelaufenem Öl ausrücken. 16 Mal wurde der Verursacher nicht gefunden. Solche Fälle kosten die Stadt viel Geld.

Öl auf der Fahrbahn – das kommt auf den Straßen Werdohls immer wieder vor. Erst am Mittwoch kam es zu einem Zwischenfall an der Westfalen-Tankstelle an der Lennestraße. Generell gilt: Je mehr Verkehr durch die Stadt fließt, desto höher ist das Risiko für Ölspuren. Wie oft aber muss die Feuerwehr tatsächlich ausrücken? Was kostet das Ganze – und wer bezahlt es? Wir geben einen Überblick.

Wie häufig gibt es Ölspur-Alarm in Werdohl?

2019 musste die Werdohler Feuerwehr 56 Mal ausrücken, um Ölspuren im Stadtgebiet zu beseitigen. In einigen weiteren Fällen lautete das Einsatzstichwort „eingeklemmte Person“.

„Vorrangig wird bei so einem Verkehrsunfall natürlich der Verletzte versorgt. Die Einsatzstelle wird im Anschluss aber auch gereinigt“, erklärt Kai Tebrün, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Werdohl. Insgesamt summiert sich die Zahl der Öl-Einsätze so auf 59.

Gibt es Schwerpunkte in der Stadt?

Knotenpunkte für Ölspuren gibt es in Werdohl nicht. „Sie treten in allen Bereichen des Stadtgebiets auf“, beschreibt Tebrün. Was sich allerdings feststellen lässt: Ölspuren werden vermehrt in der Zeit von 6 bis 22 Uhr gemeldet. In diesem Zeitraum herrscht das größte Verkehrsaufkommen. „Und, weil die Ölspuren tagsüber sichtbar sind“, sagt Tebrün.

In diesem Punkt spielt auch die Witterung eine Rolle. Auf einer nassen Fahrbahn ist der Ölfilm besser sichtbar, als auf einer trockenen. Was die Verursacher angeht, so könne man feststellen, dass gerade ältere Fahrzeuge, die nicht vernünftig gewartet werden, anfällig für Undichtigkeiten seien.

Wer entfernt das Öl wieder von der Straße?

Allgemein ist das Ordnungsamt für öffentliche Flächen verantwortlich. Ob die Feuerwehr alarmiert wird, hängt davon ab, welche Gefahr von dem Öl ausgeht und wie groß die verunreinigte Fläche ist.

Wie läuft das ganze Verfahren praktisch ab?

„Sobald eine Gefährdung vorliegt, werden wir zur Gefahrenabwehr alarmiert“, sagt Tebrün. „Ist die Verschmutzung gering, können wir diese mit eigenen Mitteln bekämpfen. Ist die Verschmutzung größer, muss eine Fachfirma die professionelle Reinigung übernehmen.“ Die Feuerwehr verwendet für die Beseitigung von Ölspuren spezielles Bindemittel.

Dabei handelt es sich um ein rotbraunes Granulat, das die Flüssigkeit aufsaugt und anschließend zusammengefegt und entsorgt werden kann. Dies sollte möglichst zeitnah nach dem Entdecken einer Ölspur passieren. Denn: Ein Ölfilm kann schnell zur Gefahr werden. Die Straße wird rutschig. Bremsen und Lenken ist dann schlimmstenfalls nicht mehr möglich. Gerade für Zweiradfahrer kann das zur Todesfalle werden.

Gibt es Spezialisten für besonders schwere Fälle?

Ja. Bei langen Ölspuren arbeiten Ordnungsamt und Feuerwehr mit einem externen Reinigungsunternehmen zusammen. Solche Verunreinigungen entstehen, wenn ein Auto während der Fahrt Öl verliert. Der Landesbetrieb Straßen.NRW arbeitet bei der Reinigung mit der Fachfirma Lobbe zusammen.

Der Thermoflächenreiniger der Firma Lobbe ist ein Spezialfahrzeug für die Ölspurbeseitigung und kostet rund 350 000 Euro.


Mit einem Spezialfahrzeug, dem sogenannten Thermoflächenreiniger, kann die Straße schnell und gründlich gereinigt werden. Das Fahrzeug gehört zu Flotte des Havariemanagements bei Lobbe, wie Unternehmenssprecherin Sabine Günther mitteilt. Gesäubert wird die Straße mit 80 Grad heißem Wasser, welches das Öl von der Fahrbahn lösen soll. Das Spezialfahrzeug der Firma besitzt einen Wassertank, der rund 3000 Liter fasst.

Nachdem das Wasser auf die Fahrbahn gesprüht wurde, wird das entstandene Wasser-Öl-Gemisch im selben Arbeitsgang wieder aufgesaugt. Bis zu 7000 Liter kann der Thermoflächenreiniger aufnehmen. Wenn die Firma Lobbe eine Reinigung durchführt, ist die Feuerwehr in der Regel dennoch vor Ort, „um die Straße abzusichern und den Verkehr zu regeln. Obwohl das eigentlich gar nicht unsere Aufgabe ist“, so Tebrün.

Im Schnitt sind bei einem Öl-Einsatz in Werdohl zwischen neun und 22 Feuerwehrleute im Einsatz.

Wer muss für den Einsatz zahlen?

Für die Reinigung der Fahrbahn ist der Verursacher der Verschmutzung verantwortlich. Die Beseitigung von Ölspuren kostet in Werdohl im Schnitt 470 Euro pro Einsatz, sagt Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel. Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Altena kostet die Reinigung im Schnitt schon zwischen 1500 und 2500 Euro. Tebrün vermutet, dass dieser Unterschied auf verschiedene Kostensätze zurückführen ist.

Und wenn der Verursacher nicht gefunden wird?

Dann trägt die Allgemeinheit die Kosten. Entscheidend ist, wer Baulastträger einer Straße ist. Bei einer Landstraße ist es der Landesbetrieb Straßen.NRW. Ist die Stadt Baulastträger, trägt sie die Kosten. 2019 gab es 16 Ölspuren, deren Verursacher nicht ausfindig gemacht werden konnte. Der Stadt ist dadurch ein Schaden von rund 7500 Euro entstanden, sagt Mentzel.

Eine Versicherung gegen diese Schäden hat die Stadt nicht. Um Ölspuren und deren Verursacher herauszufinden, sind Hinweise aus der Bevölkerung sowie Feststellungen des Ordnungsamtes und der Polizei gefragt. Gar nicht selten melden sich die Verursacher aber auch selbst, um Ordnungsamt oder Feuerwehr über die Verunreinigung zu informieren.

Habe ich als Verursacher auch eine Strafe zu befürchten?

Das Verschmutzen von Verkehrsflächen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Das Werdohler Ordnungsamt sieht aber in der Regel davon ab, diese zusätzlich mit einem Bußgeld zu belegen.

Wann hilft die Versicherung?

Einreichen kann der Verursacher die Rechnung bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Ölspuren sind versichert, sagt der freie Versicherungsmakler Heinrich Hojda. Allerdings dürfe man dabei nicht vergessen, dass der Versicherte unter Umständen in den Prozenten steigt, also im Anschluss eine höhere Versicherungsgebühr zahlen muss.

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