„Ich schreibe so, wie ich mich fühle“

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Die Werdohlerin Nurgül Yenigün (35) hat im Juli ihr erstes Buch veröffentlicht. In dem Gedichtband „Ana“ verarbeitete sie den Tod ihrer Mutter 1995.

Werdohl - Durch den Tod ihrer Mutter kam Nurgül Yenigün zum Schreiben – heute gehört die gebürtige Werdohlerin in der Türkei zu einem bekannten Poetenkreis. Bei einer Lesung am 19. Oktober in der Stadtbücherei will die 35-Jährige zwei ihrer Gedichte aus ihrem ersten türkischsprachigen Buch „Ana“ auf Deutsch übersetzen.

Reale Schicksale – darum geht es in den Büchern von Nurgül Yenigün. Die 35-jährige Werdohlerin hat selbst ein hartes Schicksal. Im Alter von 15 Jahren verlor sie ihre Mutter bei einem Autounfall. Das ist der Grund, warum Nurgül Yenigün angefangen hat, zu schreiben. „Ich habe so meine Emotionen verarbeitet“, sagt sie. Es habe ihr geholfen, über das Ereignis hinwegzukommen, das ihr Leben auf den Kopf stellte. Fortan musste sie sich um ihren jüngeren Bruder kümmern. In der Zeit von 1995 bis 2000 entstanden die Gedichte für ihr erstes Buch „Ana“, das im Juli in türkischer Sprache in der Türkei erschienen ist. Es bedeutet sowohl „Mutter“ als auch „grundlegend, zentral“. Seit Kurzem gibt es das Buch auch in Deutschland zu kaufen – in Buchläden und bei Amazon.

Bei der Lesung und Bekanntgabe am 19. Oktober in der Stadtbücherei Werdohl können die Zuhörer ebenfalls ein Exemplar erwerben – zehn Euro kostet das 120-seitige poetische Werk. Türkische Fernsehsender hätten sich bereits angekündigt. Auch Nurgül Yenigüns Schwester wird da sein und die Begrüßung übernehmen.

Nurgül Yenigün will zwei ihrer Gedichte auf Deutsch vortragen. „Sinngemäß“, damit auch die deutschen Besucher etwas verstehen. Das sei sehr aufwendig, da man türkische Gedichte nicht wortwörtlich übersetzen könne. Dabei gingen die Reime und der Sinn verloren, erklärt Nurgül Yenigün.

Fünf Romane habe sie bereits fertig geschrieben. Nun hofft sie, dass diese auch bald gedruckt werden. Das erste Buch wird im Januar veröffentlicht – beim türkischen Verlag „SahilKitap“, der schon ihre Gedichte publizierte. Derzeit sucht sie noch einen Dolmetscher, der ihr türkisches Werk ins Deutsche übersetzt.

In der Vergangenheit hat Nurgül Yenigün mehrere schlechte Erfahrungen mit Verlagen gemacht, die ihre Geschichten gelesen, ihr Geld genommen, aber das Buch nicht veröffentlicht haben. Nun ist sie froh, mit „SahilKitap“ zusammenzuarbeiten. Dieses soll dann im nächsten Jahr sogar verfilmt werden. Eine türkische Produktionsfirma sei bereits interessiert.

Auch an einem sechsten Buch arbeitet Nurgül Yenigün, die hauptberuflich als Friseurin in Altena tätig ist, seit einiger Zeit. Das schreibt sie auf Deutsch. Auch ihr fünftes Buch ist in deutscher Sprache. „Es kommt einfach so raus“, sagt sie. Sie setze sich keine Regeln, nach denen sie ausschließlich auf Türkisch oder Deutsch schreibt. Sie schreibt, wenn ihr danach ist und wo ihr danach ist – und in der Sprache, nach der ihr gerade ist. „So wie man sich fühlt“, sagt Nurgül Yenigün. Es gab Zeiten, da habe sie drei Jahre lang gar nichts geschrieben.

Manchmal sei sie „typisch deutsch“, manchmal aber auch „typisch türkisch“. Das sei ganz unterschiedlich. „Das kann man nicht trennen“, erklärt Nurgül Yenigün. Sie sei mit zwei Kulturen aufgewachsen, in ihr schlagen zwei Herzen. Sie sagt, sie sei Türkin, wenn sie aber von „Heimat“ spricht, meint sie Deutschland.

Ihre Eltern sind in Ankara geboren und kamen 1969 nach Werdohl; der Vater hatte hier Arbeit gefunden. Nurgül Yenigün hat nur den türkischen Pass, ist aber in Deutschland geboren. „Für mich und meine Geschwister war die Türkei auch nur ein Urlaubsland.“ Als Kinder seien sie regelmäßig in die Heimat ihrer Familie gefahren. Seit dem Tod ihrer Mutter kommt Nurgül Yenigün nicht mehr so oft in die Türkei.

Ende Januar wird Nurgül Yenigün gemeinsam mit 500 Poeten aus 20 Ländern in Antalya an einer Veranstaltung teilnehmen. Mit dem Vorlesen aus ihren Werken wollen die Autoren in das Guiness Buch der Rekorde.

Von Nathalie Kirsch

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