Zwei Männer schlagen 21-Jährigen

"Nur noch weg aus Werdohl": Haltestellen-Prügelei hat Nachspiel

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Symbolbild

Werdohl – Nur noch weg aus Werdohl wollte ein heute 21-Jähriger, nachdem er von einem 18- und einem 25-Jährigen am 29. Mai 2018 an einer Bushaltestelle in Kleinhammer verprügelt worden war.

Im Amtsgericht Altena begann sich der Nebel über dieser finsteren Geschichte jetzt nur mühsam zu lichten. Nach dreieinhalb Stunden vertagte das Schöffengericht die Verhandlung, weil weitere Zeugen gehört werden sollen. 

Das Opfer des Übergriffs hätte sich offenbar gerne gedrückt vor der Zeugenaussage. „Ganz schön, dass Sie mal da sind – im dritten Anlauf“, begrüßte ihn Richter Dirk Reckschmidt. Schon bei der ungefähren zeitlichen Einordnung des Geschehens verirrte sich der Zeuge um Monate im Kalender: „Es war Winter.“ Er habe versucht, die bedrückenden Erinnerungen zu verdrängen, erklärte er seine immensen Gedächtnislücken. Die Protokolle seiner Vernehmungen bei der Polizei brachten ihm das Geschehen langsam wieder näher. Ebenso der strömende Regen. „Es hat wie aus Eimern geschüttet.“ 

Es ging ordentlich zur Sache

Nass wurde der Zeuge dennoch nicht, weil er mit den beiden Angeklagten unter dem Haltestellendach stand. Kopf, Rücken, Brust und Rippen seien von Schlägen getroffen worden, erinnerte sich der Zeuge. Dass es dabei ordentlich zur Sache gegangen sein musste, machte die Zeugenaussage eines 21-jährigen Zeugen deutlich, der die beiden Angeklagten von der Werdohler Stadtmitte zur Bushaltestelle Kleinhammer gefahren hatte, nachdem die beiden ihr Opfer im Bus Nummer 61 auf dem Heimweg gesehen hatten. 

Ihr Fahrer wollte von der Prügelei überhaupt nichts gesehen haben, erinnerte sich aber daran, dass die beiden Angeklagten hinterher „Schmerzen an den Händen hatten“. Weil er bei seiner polizeilichen Vernehmung noch eine ganz andere Geschichte und von einer angeblich weiträumigen Umfahrung von Kleinhammer erzählt hatte, kündigte ihm der Staatsanwalt ein Verfahren wegen versuchter Strafvereitelung an. Er hatte seine Kumpels offenbar schützen wollen. 

Eine Zeit "ständiger Bedrohungen"

Nach dem Vorfall zog der Vater des Verprügelten für „vier/fünf Wochen“ zu ihm in seine Werdohler Wohnung. Es sei eine Zeit ständiger Bedrohungen gewesen, erinnerte sich die Mutter des Zeugen, die ihn ebenfalls vorübergehend aufgenommen hatte. „Er wurde mit einer Waffe bedroht, nachts wurde in sein Zimmer geleuchtet. Er hat sich gar nicht mehr nach Werdohl getraut.“ Der 21-Jährige berichtete vom Verlust seines bisherigen Lebensmittelpunktes: „Weil ich Angstzustände hatte, bin ich nach Hagen umgezogen.“ 

Nach ersten Schlägen am Werdohler Kik-Markt elf Tage vor der Szene an der Bushaltestelle „war ich gar nicht bei der Polizei“, berichtete der Zeuge. „Da habe ich das nur geschluckt.“ Als Grund für die Übergriffe der beiden Angeklagten nannte der Zeuge eine Strafanzeige: Aus irgendwelchen Gründen hatte der 18-jährige Angeklagte, den der Zeuge schon seit den gemeinsamen Schulzeiten kannte, einen Schlüssel für dessen Wohnung. Als dort mehrere Bekleidungsstücke verschwanden, ging der 21-Jährige zur Polizei. Kurz danach bezog er die ersten Prügel. 

Gemeinschaftliche räuberische Erpressung?

Die Angeklagten brauchten lange, bis sie sich zu den schwerwiegenden Vorwürfen äußerten: Sollte sich bestätigen, dass sie den 21-Jährigen bei dem Angriff an der Bushaltestelle noch um eine „Powerbank“ zum Laden von Handys oder um Geld erleichtern wollten, droht eine Verurteilung wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung. 

Der 18-jährige Angeklagte entschloss sich zu einem Geständnis: Er sei sauer gewesen, dass der 21-Jährige ihn wegen des angeblichen Einbruchs in seine Wohnung angezeigt habe. „Ich hatte nach einem Durchsuchungsbeschluss die Polizei zuhause und eine Anzeige wegen Betäubungsmitteln.“ Und – ja, es sei bei den Übergriffen darum gegangen, „dass er keine Anzeige machen soll“ wegen der Körperverletzung.

Der Prozess soll am 4. Dezember fortgesetzt werden.

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