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Notorischem Internetbetrüger droht lange Haftstrafe

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Von: Thomas Krumm

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Unter anderem mehrere Router bot der Werdohler im Internet zum Kauf an. Bei den Kunden kamen die Geräte allerdings nie an.
Unter anderem mehrere Router bot der Werdohler im Internet zum Kauf an. Bei den Kunden kamen die Geräte allerdings nie an. © picture alliance / Rolf Vennenbe

Weil ein Werdohler wiederholt mit Internetbetrügereien auffällig und letztlich auch immer erwischt wurde, droht im jetzt eine lange Haftstrafe. Für den alkohol- und spielsüchtigen Mann könnte es allerdings noch einen Ausweg geben.

Sieben Internetrouter und einen „Zählerschrank“ bot ein 39-jähriger Werdohler zwischen Februar und Mai 2021 auf diversen Handelsplattformen im Internet an. Seine Kunden überwiesen Beträge zwischen 117 und 250 Euro. Doch die versprochene Ware kam nie bei ihnen an. In Lüdenscheid musste sich der Werdohler deshalb wegen gewerbsmäßigen Betruges in sieben Fällen vor einem Schöffengericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft beantragte außerdem die Einziehung von Taterträgen – insgesamt 1065 Euro. Solche Geschichten werden massenhaft in Amtsgerichten verhandelt, weil die Vorgehensweise schnelles Geld verspricht. Entkommen können die Täter den Ermittlern kaum: Es gibt Bankverbindungen, Kennziffern beteiligter Computer, möglicherweise sogar Telefonkontakte. Das Geständnis des Angeklagten war deshalb schnell erledigt: „Die Anklagevorwürfe sind richtig“, erklärte sein Anwalt Carsten Marx aus Siegen und fügte hinzu: „Eine sinnhafte Erklärung oder etwas Nachvollziehbares gibt es natürlich nicht.“

Angeklagter ist vorbestraft

Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass dieser Fall unter all den Allerweltsfällen doch etwas herausstach: Der Angeklagte war vielfach wegen ähnlicher Delikte vorbestraft. Als Amtsrichter Thomas Kabus die neue Akte auf den Tisch bekam, erließ er deshalb einen Haftbefehl. Der Angeklagte war daraufhin seit dem 1. Oktober 2021 nicht nur in Untersuchungshaft, sondern bereits in Strafhaft wegen der alten Fälle. Zahlreiche kleine Verurteilungen summierten sich zu einer Haftzeit, die erst am 19. März 2024 zuende sein wird. Doch damit nicht genug: Weitere drei Jahre Haft drohen dem Angeklagten aus zwei noch nicht rechtskräftigen Verurteilungen durch die Amtsgerichte in Altena und Siegen. „Ich rechne nicht damit, dass wir in der Berufungsinstanz das Urteil entscheidend verringern“, erklärte sein Anwalt. Ohne eine realistische Chance auf eine vorzeitige Entlassung würde der 39-Jährige also erst am 19. März 2027 entlassen.

Fünfeinhalb Jahre Knast wegen notorischer Internetbetrügereien sind ein sportliches Ergebnis. Die in Lüdenscheid noch drohende weitere Verurteilung ist noch nicht einmal dabei. Zweieinhalb Jahre hatte der Angeklagte wegen vergleichbarer Delikte in der Vergangenheit bereits abgesessen. Warum macht ein Mensch so etwas? Sein Anwalt suchte nach Antworten: „Er hat gewusst, dass es bald wieder knallt, aber er konnte es nicht lassen.“ Die Probleme seines Mandanten hätten „noch keine pathologische Qualität“, aber sie seien „nahe dran“. Der Angeklagte, der „alles in sich reinfresse“, werde „erschlagen von Strafen“, die – rechtsphilosophisch betrachtet – eigentlich keinen Sinn hätten. Irgendwann werde er das Gefängnis verlassen und genauso weitermachen wie bisher.

Die Suche nach einem vernünftigen Ausweg

Das Ergebnis einer Haftstrafe, die in jene Regionen vorstieße, in denen sich sonst Sexualstraftäter und Totschläger tummeln, ließ alle Verfahrensbeteiligten nach einem vernünftigen Ausweg suchen. Die Stichworte lieferte der Angeklagte. Er verwies auf Alkohol- und Spielsucht als Grund seines immensen Finanzbedarfs und seiner Unfähigkeit, der Versuchung zu Betrugstaten zu widerstehen. Das ist eine schwierige Gemengelage. Das Strafrecht bietet für schwere Straftäter das Instrument der Einweisung in eine geschlossene Drogenentzugsklinik an, die möglicherweise auch dem Werdohler helfen könnte. Voraussetzung ist allerdings, dass von dem Angeklagten in Zukunft „erhebliche“ Straftaten zu erwarten sind. Diese Voraussetzung erfüllt er bisher glücklicherweise eher nicht – trotz der vielen Ärgernisse für die geprellten Kunden.

Dennoch verständigten sich alle Beteiligten darauf, das Strafverfahren auszusetzen und den Angeklagten von einem psychiatrischen Sachverständigen untersuchen zu lassen. Zwei Jahre Therapie in der „Geschlossenen“ könnten eine Chance sein – sowohl für den 39-Jähigen, als auch für die Gesellschaft, die ihn ansonsten ziemlich sinnfrei und ziemlich lange wegschließen müsste.

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