Mittlerweile fünf Monate alt

Noch viel zu lernen: So wird „Raja“ im Lennetal zum Blindenhund ausgebildet

+
Die Werdohlerin Gerda Patent hat die Patenschaft für „Raja“ übernommen. Der Labrador soll zum Blindenführhund ausgebildet werden.

Werdohl – „Raja“ zu ignorieren ist unmöglich. Die Besucherin hat dem jungen Labrador auf Bitten seiner Patin Gerda Patent zwar zunächst den Rücken zugedreht, aber die Hündin gibt nicht auf.

Immer wieder stubst sie den Gast an, versucht aufgeregt ihn zu umkreisen, leckt dessen Hände und Kleidung ab. „Sie muss noch eine Menge lernen und viel ruhiger werden“, sagt die 70-jährige Werdohlerin beinahe entschuldigend. Anspringen soll die Hündin Menschen auf keinen Fall, herumtollen darf sie zur Begrüßung ebenfalls nicht: „Raja“ soll ein Blindenführhund werden; sie muss von Beginn an lernen, was für ihren späteren Besitzer gefährlich werden könnte. 

Der Labrador ist jetzt fünf Monate alt. „Als wir sie in der Schule für Blindenführhunde abgeholt haben, war sie gerade acht Wochen alt“, erzählt Gerda Patent. Die Werdohler Familie hat die Patenschaft für den Vierbeiner übernommen, bis er im August alt genug für die eigentliche Ausbildung ist. Bis dahin beschäftigt sich Gerda Patent intensiv mit „Raja“ und bereitet sie auf ihre spätere Aufgabe vor. 

Nicht die erste Partnerschaft

Für die Werdohlerin, die sich im September 2019 von ihrem erkrankten Boxer verabschieden musste, ist es nicht die erste Patenschaft: 2002 hat „Jonas“ die ersten Lebensmonate bei der Familie verbracht. Dass der Labrador dann zu einem verlässlichen Begleiter für einen Blinden wurde, weiß Gerda Patent genau: Das Foto von „Jonas“, der ein spezielles Geschirr trägt, und einem lächelnden jungen Mann hängt gerahmt im Wohnzimmer. 

Labrador-Hündin „Raja“ ist inzwischen fünf Monate alt. Bis August bleibt sie in Werdohl.

Die Erfahrung, die sie mit „Jonas“ sammeln konnte, kommen der Werdohlerin jetzt zugute. Denn der Umgang mit einem zukünftigen Blindenführhund ist nicht immer leicht. „Das Herz muss man manchmal ausschalten, sonst geht es nicht“, stellt die 70-Jährige fest. Denn „Raja“ muss schneller erwachsen werden als ihre Altersgenossen. Disziplin gehört für sie von Anfang an dazu. „Und ,Raja’ ist stur“, weiß Gerda Patent. Ohne Leckerchen verweigere die junge Hündin mitunter die Mitarbeit, „obwohl sie wirklich schlau ist“. Und das Anknabbern von Decken und Bezügen im Hundekorb gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. 

Schon eine ganze Menge gelernt

Doch andererseits hat „Raja“ schon eine ganze Menge gelernt. Bei einem Spaziergang demonstriert Gerda Patent etwa, dass „Raja“ ohne Zögern eine Stufe anzeigt, indem sie sich demonstrativ hinsetzt. Für einen blinden Menschen wäre das extrem wichtig. Auch an feste Schlafplätze im Haus hat sich der Labrador längst gewöhnt: Ein Blindenführhund darf sich nicht mitten in den Weg legen, er würde zu einer Stolperfalle für den Menschen. Außerdem ist die Hündin nervenstark, sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. 

Ob „Raja“ aber tatsächlich ein Blindenführhund werden kann, muss sich noch herausstellen. Bevor die Ausbildung des Vierbeiners in der Blindenhundführschule Küch in Alpen beginnt, soll sie eingehend untersucht werden. „Nur kerngesunde Hunde werden dort aufgenommen“, sagt Gerda Patent. Und natürlich werde der inzwischen erwachsene Hund gründlich auf seine Eignung überprüft, Lernfreudigkeit, Arbeitsfreude und Belastbarkeit sind einige der Kriterien, die bei der Auswahl berücksichtigt werden. 

Ausbildung dauert bis zu zwölf Monate

Passt alles, steht „Raja“ die eigentliche Ausbildung bevor, die etwa sieben bis zwölf Monate dauert. Sollte sich herausstellen, dass der Labrador nicht geeignet ist, hat Gerda Patent die Möglichkeit, die Hündin zu übernehmen. Alternativ könnte „Raja“ auch außerhalb der Stadt Werdohl ein Zuhause finden – und an einen der zahlreichen Interessenten vermittelt werden.

Der Tag des Blindenhundes wird jährlich am 29. Januar begangen. Das Datum wurde mit Blick auf das Gründung der Hundeschule „The Seeing Eye, Inc.“ im amerikanischen Bundesstaat New Jersey gewählt. Diese Schule wird als älteste Hundeschule der Welt bezeichnet, bereits sei 1929 werden dort Blindenführhunde ausgebildet. Der Tag des Blindenhundes ist den Vierbeinern gewidmet, die blinden Menschen ein selbstbestimmtes und lebenswertes Leben ermöglichen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare