Nur noch bis Jahresende:  Stadtklinik in einem Dreierverbund

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Die Stadtklinik an der Schulstraße in Werdohl ist nach wirtschaftlich schwächeren Jahren aktuell wieder im Aufwind. Hauptgrund dafür ist die Geriatrie, die einzige im gesamten südlichen Märkischen Kreis.

Werdohl – Noch bis zum Jahresende ist die Märkische Kliniken GmbH ein Dreierverbund mit der Werdohler Stadtklinik, dem Klinikum Lüdenscheid und dem Marienhospital in Iserlohn-Letmathe.

Letzteres wird zum Jahresende wegen seiner wirtschaftlich schlechten Situation geschlossen, hat der Kreistag im Juni entschieden. Millionendefizite hat über Jahre auch die Stadtklinik geschrieben, als einziger Geriatrie-Standort im südlichen Märkischen Kreis sieht die Zukunftsperspektive für dieses ebenfalls kleinere Krankenhaus jetzt aber wieder besser aus. Das hat in dieser Woche auch die Geschäftsführung der Märkischen Kliniken auf Anfrage noch einmal bestätigt. 

„Ein wichtiger Vorteil der Stadtklinik besteht in der etablierten Abteilung für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, die der Stadtklinik einen Fachklinikcharakter verleiht und für weniger Schwankungen in der Belegung sorgt. Im Gegensatz zu anderen Grund- und Regelversorgern bietet sich für die Stadtklinik zumindest die Möglichkeit einer auskömmlichen Finanzierung“, heißt es in der Mitteilung der Märkischen Kliniken. 

Jahrzehnte der Subventionierung

Um den Werdohler Standort nach Jahrzehnten der Subventionierung durch den Verbund finanziell attraktiver zu gestalten, wurde im Frühjahr die Abteilung für Akutgeriatrie und Frührehabilitation nach umfangreichen Umbauarbeiten eröffnet. Den Märkischen Kliniken war es gelungen, alle 27 für den Südkreis zugelassenen geriatrischen Betten ans Werdohler Krankenhaus zu holen. „Die Geriatrie ist zukunftsweisend – und sie ist ein Schmankerl: Man verdient Geld damit“, hatte der ärztliche Direktor Dr. Norbert Pittlik bereits kurz nach Eröffnung erklärt. Geplant ist deshalb auch eine Aufstockung auf 40 Betten. „Wenn die Aufstockung genehmigt würde, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Werdohler Detlef Seidel, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Märkischen Kliniken, vor wenigen Wochen auf Anfrage. 

Lange Jahre hat das Klinikum die Defizite der beiden kleinen Häuser ausgeglichen. Das sei nun allerdings nicht mehr möglich, ohne die Existenz des Klinikums Lüdenscheid zu gefährden. 2012 gab es in Werdohl noch ein Minus von 1,68 Millionen Euro. Für das Jahr 2018 werde laut Seidel noch mit einer halben Million Euro Verlust gerechnet. In zwei bis drei Jahren sollen die Werdohler Verluste ausgeglichen sein. 

Bertelsmann-Studie sorgt für Aufregung

Für Aufregung sorgte Mitte Juli eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die zu dem Ergebnis kommt, dass von knapp 1400 Krankenhäusern deutschlandweit weniger als 600 größere und „bessere Klinken“ bestehen bleiben sollten. Gibt es vor diesem Hintergrund überhaupt noch eine Überlebenschance für das Haus in Werdohl? Ein klares Bekenntnis zum Standort gibt die Geschäftsführung der Märkischen Kliniken jedenfalls nicht ab. 

Stattdessen heißt es in der Mitteilung: „Es wird zukünftig vor allem in Ballungsgebieten immer schwieriger, kleine Krankenhäuser zu halten, da die Finanzierung unter anderem aufgrund hoher Vorhaltekosten für den laufenden Betrieb in vielen Fällen nicht mehr auskömmlich ist.“ Die Stadtklinik befinde sich insofern allerdings in einer besseren Ausgangssituation als viele andere kleine Krankenhäuser, da sie außerhalb eines Ballungsgebiets liegt und in der Region eine wichtige Rolle als Grundversorger einnehme. 

Geriatrie als wichtige Ergänzung

Zudem biete Geriatrie eine wichtige Ergänzung zur Versorgung aller älteren Patienten im Klinikum. „Generell bemühen sich die Märkischen Kliniken vermehrt darum, ein Versorgungskonzept aufzustellen, das den Bedürfnissen der wachsenden Zahl an älteren Patienten im Märkischen Kreis gerecht wird“, teilen die Verantwortlichen mit. Die Geriatrie in Werdohl nehme dabei eine zentrale Rolle ein. Eine durchgehend hohe Belegung der Betten der Geriatrie bestätige diese Entwicklung. 

In Letmathe wird derweil weiter darum gekämpft das Marienhospital mit seinen 90 Betten und rund 100 Mitarbeitern nach dem Ausscheiden aus dem Verbund zum Jahresende in anderer Form weiterführen zu können. Doch noch immer ist unklar, wer die Trägerschaft übernehmen könnte. Aktuell arbeitet ein Gutachter daran, die Zahlen zu prüfen und zu bewerten. Um mehr Zeit zu bekommen, hat die Stadt Iserlohn deshalb noch einmal mit dem Märkischen Kreis gesprochen, um einen Aufschub der Schließung auszuhandeln. Parallel wird allerdings auch bereits ein Plan B diskutiert. Bei diesem soll versucht werden, den Wegfall des Marienhospitals durch ein erweitertes Medizinisches Versorgungszentrum zu kompensieren. Interessenten soll es bereits geben.

Die Stadtklinik Werdohl ist Teil der Märkischen Kliniken GmbH, einem kommunalen Krankenhausverbund in privater Rechtsform mit Sitz in Lüdenscheid. Der Verbund wurde 1974 gegründet und war damals eine der ersten Krankenhaus-GmbHs in Deutschland. Träger des Unternehmens ist der Märkische Kreis. Zur Gesellschaft gehören neben dem Klinikum Lüdenscheid als Haus der Maximalversorgung zwei weitere Krankenhäuser der Grundversorgung – eben die Stadtklinik Werdohl sowie das Marienhospital Letmathe, dieses allerdings nur noch bis zum Jahresende. Die drei Häuser zusammen versorgten 2018 etwa 44 000 Patienten stationär und rund 100 000 ambulant.

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