Nichtwissen schützt Mutter vor Strafe

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Werdohl - Mit einem Freispruch in der Tasche verließ eine 40-jährige Werdohlerin am Dienstag das Amtsgericht Altena.

Die alleinerziehende fünffache Mutter war ins Visier der Staatsanwaltschaft Hagen geraten, weil sie angeblich Zusatzeinkünfte ihrer 20-jährigen Tochter gegenüber der Arge verschwiegen haben sollte.

Die junge Frau wohnte im April 2012 noch bei ihrer Mutter und zählte deshalb noch für die Berechnung der zu zahlenden Hartz-IV-Unterstützung. Die Einkünfte aus einem Ausbildungsvertrag hatte sie offenbar angegeben.

Weil sie von dem knappen Geld aber ihren Führerschein nicht bezahlen konnte, nahm die 20-Jährige im April 2012 einen Nebenjob als Zeitungsausträgerin an. Zwischen 60 und 100 Euro habe sie pro Monat bekommen, berichtete die Zeugin vor Gericht. Insgesamt kamen so 221,61 Euro zusammen, die der Mutter von ihrem Hartz-IV-Geld hätten abgezogen werden müssen.

Angesichts des weitgehend selbständigen Lebensstils der Tochter war es aber durchaus glaubwürdig, dass die Mutter von dem neuen Job ihrer Tochter nichts gewusst haben wollte: „Sie sagte nicht, wenn sie das Haus verließ und wann sie wiederkam.“ Nichtwissen schützte in diesem Fall vor Strafe, und der Freispruch folgte daraus.

Die 20-jährige Tochter hatte ein doppeltes Aussageverweigerungsrecht: Als Familienmitglied und weil sie sich durch ihre Aussage selbst belasten musste. „Ich wusste nicht, dass wir das angeben mussten“, versicherte sie vor Gericht. Dass sie die Mutter in Kürze deshalb auf der Anklagebank ablösen muss, scheint aber eher unwahrscheinlich.

Von Thomas Krumm

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