"Wichtig für die Entwicklung"

Nicht nur am Weltspieltag: Darum sollten Kinder unbedingt Zeit zum Spielen haben

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Der Klassiker Jakkolo ist immer noch angesagt: Auch ältere Kinder können in ihrem Spiel versinken und sich dabei entfalten.

Werdohl - Sie registrieren nicht, dass sie fotografiert werden. In diesem Moment zählt für die drei Jungs im Garten der Kindertagesstätte Momo nur der Sand, den sie mit den Händen in Form bringen, mit Wasser zu einer Pampe verrühren oder einfach nur durch ihre Finger rieseln lassen.

Wer sie beobachtet, versteht, was Kita-Leiterin Vaia Nasta meint: „Kinder begreifen ihre Umwelt im wahrsten Sinn des Wortes durch das Spielen. Deshalb sollte man ihnen viel Zeit und Raum für das freie Spiel einräumen.“ Genau diese Erkenntnis möchten auch die Initiatoren des Weltspieltags vermitteln. 

Spielen, so unterstreicht Nasta, sei das wichtigste Werkzeug eines Kindes, um ganzheitlich lernen zu können. „Deshalb greifen wir Themen auf, die die Kinder beschäftigen. Wir stellen uns die Frage, was die Kinder dazu wohl gerade lernen wollen und stellen entsprechende Materialien zur Verfügung.“ 

Nachdem ein Mädchen von seinem Besuch beim Kinderarzt erzählt habe, sei beispielsweise das Thema „Arzt“ momentan aktuell. Und da es in der städtischen Kita am Heideberg sogar einen eigenen Raum für Rollenspiele gibt, verwandelt sich dieser gerade in eine Arztpraxis. Verbandmaterial, ein altes Stethoskop und ähnliches sammelt das Kita-Team mithilfe der Eltern, damit sich der Nachwuchs einfacher in der Rolle des Chefarztes, der Krankenschwester oder auch des Patienten einfühlen kann. 

Rollenspiele von großer Bedeutung

Solche Rollenspiele seien von großer Bedeutung für das Miteinander, auch im späteren Leben, stellt Vaia Nasta fest: „Die Kinder lernen Empathie, dadurch entwickeln sie mehr Verständnis für andere. Außerdem wächst ihre Frustrationstoleranz und sie lernen, sich zurückhalten zu können.“ Das gelte auch für den Klassiker Vater-Mutter-Kind, der immer noch im Trend liegt. „Dabei ahmen die Kinder die Erwachsenen nach. Sie halten uns quasi den Spiegel vor das Gesicht“, stellt die Kita-Leiterin lächelnd fest. 

Matschen ist prima: Kleinere Kinder „begreifen“ ihre Umwelt auch mit den Händen.

Freies Spielen – ohne Spielzeuge – hat nach den Erfahrungen der Kita-Leiterin und zweifachen Mutter einen extrem hohen Stellenwert. „Es ist wichtig, dass Langeweile aufkommt. Denn sie treibt das Gehirn an, sorgt dafür, dass man auf neue Ideen kommt.“ Deshalb sollten Erwachsene es schlicht aushalten, wenn der Nachwuchs vor Langeweile quengelt. Nasta: „Wir haben hier in der Einrichtung jede Woche den ,Spielzeug-macht-Ferien-Tag’. Dabei erleben wir viele kreative Höhepunkte.“ Einen Tipp für Eltern und Großeltern hat Vaia Nasta in diesem Zusammenhang parat: „Ich würde mir wünschen, dass wandelbares Spielzeug verschenkt wird. Zum Beispiel Bauklötze oder Bausteine, die es in ganz vielen verschiedenen Varianten gibt.“ 

Nicht nur für Kindergarten-Kinder wichtig

Doch nicht nur für Kindergartenkinder ist Spielen wichtig. Auch im Jugend- und Bürgerzentrum (JBZ) an der Schulstraße treffen sich jeden Nachmittag, außer montags, Sechs- bis Elfjährige, um miteinander zu Spielen. „Vor allem Spiele wie Billard oder Tischtennis, die zuhause nicht vorhanden sind“, sagt JBZ-Leiterin Anna-Katharina Reith. Geschicklichkeitsspiele, beispielsweise Jakkolo oder Jenga, sind gefragt. Doch auch Kartenspiele – Uno oder Skip-Bo – kommen gut an. „Wir pimpen die Kartenspiele, erfinden neue Regeln, damit sie interessant bleiben“, schmunzelt Reith. So hätten die Kinder beispielsweise festgelegt, dass die Mitspieler um den Tisch laufen, wenn eine bestimmte Karte gezogen wird. 

Vor allem bei den Jungs stehen auch Ballspiele im Freien hoch im Kurs: Zombieball, Völkerball und natürlich Fußball. Rollenspiele sind ebenfalls noch in – allerdings wird das altbekannte Cowboy-und-Indianer-Spiel inzwischen gerne neu interpretiert: „Die Kinder spielen Fernsehserien nach, zum Beispiel Ghostbusters“, erklärt die JBZ-Leiterin. Sie unterstreicht: „Wir legen großen Wert darauf, dass die Kinder mitbestimmen, was gespielt wird; schließlich ist es ihre Freizeit. Es ist die Zeit, in der sie sich entspannen und entfalten können.“ 

Handys spielen nur eine Nebenrolle

Dass die Kinder ihre Handys am Spielnachmittag – freiwillig – in der Regel nur nutzen, um Musik zu hören, freut Anna-Katharina Reith ganz besonders: „Denn das Spielen ist extrem wichtig für die Entwicklung. Die Kinder gewinnen soziale Kompetenz, sie lernen die Wünsche des Anderen zu akzeptieren. Ein schüchternes Kind wird schnell zum Anführer einer Gruppe, wenn es eine Idee hat, die alle begeistert.“

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