Nicht nur die Sprache lernen im Kurs

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Auch der Werdohler Bürgermeister Griebsch gratulierte den Teilnehmern des Integrationskurses. ▪

WERDOHL ▪ „Ich danke dir auch sehr.“ – Als Yasir Sadi Inge Jülich von der VHS glücklich die Hand schüttelt, ist ihm die Erleichterung und die Freude über die Urkunde, die er in den Händen hält, deutlich anzumerken. Der junge Syrer ist einer der Teilnehmer am Integrationskurs der Volkshochschule. Nach acht Monaten und 600 Unterrichtsstunden war für sie jetzt der letzte Unterrichtstag und mit der Übergabe der Zertifikate gleichzeitig auch der Abschluss.

Mit „Hochachtung vor der erbrachten Leistung“ gratulierte auch Bürgermeister Siegfried Griebsch bei der Übergabe der Teilnahmezeugnisse in der Pestalozzischule. Hier führt die Volkshochschule die Integrationskurse seit Jahren durch.

Um einen reinen Sprachkurs handele es sich nicht, betonte gestern Inge Jülich, die sich bei der VHS um alle organisatorischen Fragen kümmert. Für sie bedeutet die Arbeit, dass vielfach auch soziale Probleme gelöst werden müssen. „Von der Wohnungssuche bis zur Eheberatung – wir leisten Hilfestellung auf verschiedensten Ebenen“, kennt Inge Jülich die vielen Schwierigkeiten, die ihre Kursteilnehmer mitunter selbst kaum lösen können – vor allem auch, weil sie zunächst die Sprache nicht beherrschen. Auch das Ausfüllen verschiedener Formulare ist für viele kompliziert. „Man wächst in die Problematik hinein“, hat Inge Jülich nach den vielen Jahren ihrer Tätigkeit festgestellt.

Daher ist auch sie jedes Mal stolz auf die Teilnehmer, wenn, wie gestern, ein Kurs erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Geleitet wurde der Kurs von Hacer Breil und Ursula Fernholz. Neben der Sprache spielen im landeskundlichen Teil auch Kenntnisse der Rechtsordnung, Kultur und Geschichte eine Rolle, die später im Orientierungstest abgefragt werden. Der wiederum ist auch Teil der Prüfung. Hören, schreiben und Grammatik werden hier abgefragt, die Prüfung besteht weiter aus einem 20-minütigen mündlichen Teil.

Die Prüfung absolvierten nach diesem Kurs 19 Männer und Frauen, darunter einige, die zuvor nicht am Lehrgang teilgenommen hatten, etwa weil sie fest arbeiteten. 15 von ihnen erreichten am Ende das sogenannten Prüfungsziel B1, das zum Beispiel erforderlich ist, um eine Einbürgerung zu beantragen oder dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Die Gründe, die noch zum Besuch führen, sind so unterschiedlich wie die Nationalitäten der Teilnehmer. Syrer lernen zusammen mit Griechen, Iranern, Polen und Türken Deutsch. Die meisten starteten, ohne überhaupt ein Wort Deutsch sprechen zu können. Auch Yasir Sadi gehörte dazu. Der junge Mann stammt aus Damaskus, studierte dort Religionswissenschaften. In Deutschland möchte er weiter studieren, hier, am liebsten in Bochum, seinen Master machen. Durch den Kurs hat er zumindest für die nächsten drei Jahre die Möglichkeit, in Deutschland zu studieren.

Michael Fussell führte ein ganz anderer Grund nach Deutschland. „Sie sitzt da vorne“, antwortet er, als er nach ihm gefragt wird und stellt seine deutsche Freundin Kristina aus Plettenberg vor. Der 22-Jährige aus Churchill lernte sie während ihres Austauschaufenthaltes kennen. Vor mehr als einem Jahr folgte er seiner großen Liebe in ihre Heimat, konnte zunächst durch das Working-Holiday-Visum für ein Jahr bleiben. Durch den Kurs bekommt er nun ein Visum für den einjährigen Bundesfreiwilligendienst, den er im Plettenberger Krankenhaus verrichten wird. „Dann sehen wir weiter“, hofft das Paar auf eine gemeinsame Zukunft. - Simone Benninghaus

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