Tag der Deutschen Einheit

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Aurelia-Christine von Claer (links) und Simone Hadynski feiern den 3. Oktober.

Werdohl - „Die Mauer muss weg“, mit diesen Rufen zogen Bürger in der DDR damals durch die Straße. Am 9. November 1989 war es dann endlich soweit, die rund drei Meter hohe und 1,20 Meter dicke Grenze zwischen Ost und West wurde abgerissen. Auch einige Werdohler denken mit Freude an diesen Tag zurück. Aber längst nicht jeder steht dem Mauerfall positiv gegenüber.

Der 3. Oktober wurde zum gesetzlichen Feiertag bestimmt, weil 1990 der Beitritt der DDR zur BRD seine Wirkung entfaltete. Ein Tag, der bei der Werdohlerin Waltraud Nitze groß gefeiert wird. Die ganze Familie kommt zusammen. Mit dabei ist auch Ehemann Hans. Er ist in Brandenburg aufgewachsen. „Er hat am 17. Juni mit rebelliert“, erklärt Andrea Nitze-Klee, Tochter des 88-Jährigen. In den Tagen um den 17. Juni 1953 war es in der DDR zu einer Welle von Protesten gekommen, die verbunden waren mit politischen Forderungen.

Aus Angst, verhaftet zu werden, sei Hans Nitze danach zunächst in Westberlin untergetaucht. Dann habe es ihn weiter nach Werdohl verschlagen. Seine Familie hatte Hans Nitze in der DDR zurücklassen müssen. „Die Eltern hatten dort einen Hof, den sie nicht aufgeben wollten“, sagt Waltraud Nitze. Ihre Tochter erinnert sich, dass sie mit ihren Eltern nach dem Mauerfall nach Brandenburg gefahren ist. Auch wenn die Eltern von Hans Nitze bereits tot waren, habe sich ihr Vater sehr gefreut, seine alte Heimat zu sehen, erzählt Andrea Nitze.

Auch für Susanne Grund hat der 3. Oktober eine besondere Bedeutung. Ihre Eltern seien damals mit dem Zug aus der DDR geflohen. „Es war aus politischen Gründen“, sagt Susanne Grund. Die Eltern hätten eine Lederwarenfabrikation in der DDR eröffnet. Dann sei die SED gekommen und hätte das Paar vor die Wahl gestellt, das Unternehmen zu verstaatlichen oder es zu schließen. Daraufhin seien die Eltern mit vielen anderen DDR-Bürgern geflohen. In Werdohl seien die Flüchtlinge in Kleinhammer in einem Hotel untergebracht worden. „Mein Vater hat dann Arbeit bei Brüninghaus bekommen und meine Mutter hat Gemüse verkauft“, erinnert sich Susanne Grund.

„Ich finde es ganz schön für die Menschenrechte, dass die Freiheit dann da war“, sagt Simone Hadynski. Ihre Oma komme aus Polen. Und so habe sie von ihr auch etwas über das Leben im Ostblock erfahren. Zum Beispiel, dass die Menschen manchmal schon nachts angestanden haben, um Kaffee kaufen zu können. Aurelia-Christine von Claer findet gut, dass regelmäßig an die Wiedervereinigung erinnert wird: „Schön, dass immer noch gefeiert wird. Viele haben ja dafür gekämpft. Das sollten auch die Jugendlichen heute zu schätzen wissen. Manche haben ja gar keine Ahnung von dem, was damals war. Sie freuen sich nur über den freien Tag.“

Aber längst nicht jeder empfindet beim Gedanken an die Wiedervereinigung Freude. Gülacan Sevgi erinnert sich noch gut an das Jahr 1990. Damals habe sie geheiratet und kaum Möbel zu kaufen bekommen. DDR-Bürger hätten zuerst etwas bekommen. „Nett waren sie nicht. Sie sind hier eingestürmt“, sagt Gülacan Sevgi. Sie denkt, als die DDR-Bürger nach Westdeutschland gekommen seien, hätten sie gemerkt, dass sie nicht viel hatten bei sich: „Die Menschen konnten nichts dafür, der Staat war schuld“. Inzwischen hätte man sich arrangiert. Aber ihre Mentalität, alles für sich haben zu wollen, hätten die Ostdeutschen immer noch.

Auch der Solidaritätsbeitrag ist einigen Werdohlern ein Dorn im Auge. So seien die Straßen im Osten mittlerweile besser, als die in NRW.

Von Jana Peuckert

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