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„Nachfrage enorm“: McDonald‘s und die Mehrwegpflicht

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Von: Leon Malte Cilsik

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„Die Nachfrage nach den neuen Verpackungen war in den ersten Tagen wirklich enorm“, berichtet Ulrich Wienkötter. Er ist Franchise-Nehmer der Filiale an der Gildestraße in Werdohl.
„Die Nachfrage nach den neuen Verpackungen war in den ersten Tagen wirklich enorm“, berichtet Ulrich Wienkötter. Er ist Franchise-Nehmer der Filiale an der Gildestraße in Werdohl.  © Birke, Maximilian

Restaurants, Bistros und Cafés, die Essen für unterwegs verkaufen, sind seit dem Jahresbeginn verpflichtet, ihre Produkte sowohl in Einweg- als auch in Mehrwegverpackungen anzubieten. Besonders betroffen sind größere Läden und Ketten, in denen die Neugier zum Jahresstart sowohl bei Kunden als auch bei Gastronomen noch hoch ist.

Werdohl/Lüdenscheid – „Die Nachfrage nach den neuen Verpackungen war in den ersten Tagen wirklich enorm“, sagt Ulrich Wienkötter, Franchise-Nehmer der Werdohler McDonald‘s-Filiale. Die Fast-Food-Kette bietet fortan ihre Softdrinks und auch Eis in Mehrwegbechern für ein Pfandgeld von zwei Euro an, Burger, Pommes und Co gibt’s auch weiterhin in den bekannten – und kunststofffreien – Pappverpackungen. „Ich glaube nach der großen medialen Aufmerksamkeit treibt viele Menschen aktuell noch die Neugier an, bei manchen ist es sicherlich auch die Sammelleidenschaft. Ob die Nachfrage weiter so hoch bleibt und die Mehrwegpflicht damit zu einem nachhaltigen Umdenken bei den Kunden führt, werden die kommenden Wochen zeigen“, sagt Wienkötter.

Ebenso gespannt sei der Franchise-Nehmer darauf, wie die Bereitschaft zur Rückgabe der Mehrwegverpackungen – welche prinzipiell bei allen McDonald‘s-Filialen in Deutschland möglich ist – ausfallen wird. „Auch da haben wir keinerlei Erfahrungswerte, belastbare Zahlen gibt es schlicht noch nicht“, sagt Wienkötter, „bisher haben wir aber keinen Grund zur Beschwerde, der administrative Mehraufwand für unsere Mitarbeiter hält sich in Grenzen.“

Anders als McDonald‘s hat Konkurrent Burger King kein eigenes Mehrwegsystem implementiert, sondern kooperiert seit dem Jahreswechsel mit dem in der Gastronomie bekannten Unternehmen Recup, wie Thomas Leun, Geschäftsführer der Filiale in Lüdenscheid, erklärt.

Für einen Euro Pfand können die Kunden dort fortan Getränke und Eis im gleichnamigen Recup bestellen und diesen hinterher nicht nur bei deutschen Burger-King-Filialen, sondern bei sämtlichen Recup-Partnerunternehmen abgeben. Alle Partnerbetriebe sind auf der Recup-Webseite (www.recup.de) einsehbar. Die Befürchtung, die Mehrwegpflicht könne zu weiteren Preissteigerungen führen, da es keine Preisunterschiede zum Einweg geben darf, teilt Leun – wie übrigens auch Wienkötter – nicht. „Unsere Pfandlösung beugt einem solchen Mechanismus vor. Außerdem haben die Materialkosten im Einwegbereich während des vergangenen Jahres ohnehin deutlich zugenommen und unterscheiden sich kaum von der Mehrweg-Alternative“, sagt der Burger-King-Geschäftsführer.

Doch nicht nur Fast-Food- Restaurants und Imbisse müssen ihren Kunden ab sofort eine Mehrweg-Alternative bieten, auch für klassische Gastronomiebetriebe gilt diese Regelung. Etwas skeptischer, aber nicht weniger gespannt als Wienkötter ist vor diesem Hintergrund Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Hagen: „Grundsätzlich begrüßen wir natürlich sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Umwelt. Aber gerade vor diesem Hintergrund finde ich es etwas unglücklich, wenn kleine Imbisse, in denen häufig eine große Menge Verpackungsmüll entsteht, ausgeschlossen werden, während die klassische Gastronomie, deren Kerngeschäft meistens nicht das Essen zum Mitnehmen ist, sich umstellen muss.“

Nach mittlerweile drei krisengeplagten Jahren seien die Einstiegskosten und der entstehende Mehraufwand für viele Gastronomen eine nicht zu unterschätzende Hürde. „Ob es sich lohnt und die Mehrwegalternativen gut angenommen werden, bleibt abzuwarten. Zum Jahresstart war die Nachfrage bei unserer Klientel eher verhalten.“ Doch auch Martin schließt nicht aus, dass die Mehrwegpflicht noch gut funktionieren könnte, wenn mit der Zeit auf „beiden Seiten ein Bewusstsein“ dafür geschaffen wurde. „Das wird aber sicherlich noch mindestens ein halbes Jahr dauern. Bis dahin werden sich die durchaus unterschiedlichen Systeme der Gastronomiebetriebe auch eingespielt haben und wir können ein fundiertes Urteil über die neue Regelung fällen.“

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