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Neues Testverfahren in den Grundschulen: Die Verärgerung ist groß

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Von: Carla Witt

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Lolli-Tests kommen in den Grundschulen auch weiterhin zum Einsatz. Gibt es im Klassenpool einen positiven Test, sollen die Kinder am Folgetag jetzt aber mit einem Schnelltest in der Schule auf das Virus untersucht werden.
Lolli-Tests kommen in den Grundschulen auch weiterhin zum Einsatz. Gibt es im Klassenpool einen positiven Test, sollen die Kinder am Folgetag jetzt aber mit einem Schnelltest in der Schule auf das Virus untersucht werden. © Roland Weihrauch/dpa

„Es ist eine Katastrophe und völlig sinnfrei. Das potenziell Corona-positive Kinder mit dem Bus zur Schule fahren und dabei andere anstecken können, kann ich nicht nachvollziehen.“ Klaus Giljohann nimmt kein Blatt vor den Mund.

Der Kaufmännische Geschäftsführer der Waldorfschule auf dem Remmelshagen hat kein Verständnis für die Neuregelung, die das Schulministerium am Dienstag auf den Weg gebracht hat.

Bisher mussten alle Grundschüler einer Klasse nach einem positiven Pooltest am Folgetag zu Hause bleiben, jeder einzelne wurde dann mit einem PCR-Test auf das Coronavirus untersucht. Damit ist jetzt Schluss: Wegen knapper Laborkapazitäten und steigender Fallzahlen können die Grundschüler seit Mittwoch jetzt ganz normal zur Schule geschickt werden; dort sollen sie dann mit einem Antigen-Schnelltest auf eine mögliche Infektion hin überprüft werden. Alternativ können die Eltern mit ihrem Kind vor dem Schulstart zu einer offiziellen Teststelle fahren, um dann mit einem negativen Schnelltestergebnis am Unterricht teilnehmen zu dürfen.

Privatschule macht nicht mit bei Pooltests

Für Klaus Giljohann stellt die Neuregelung allerdings kein Problem dar: „Wir konnten uns als Privatschule zu Beginn des Pooltest-Verfahrens für die Grundschulen für oder gegen eine Teilnahme entscheiden. Wir haben von Anfang an nicht mitgemacht, sondern haben uns entschieden, auch in der ersten bis vierten Klasse Schnelltests anzuwenden. Damit sind wir bisher sehr gut durch die Pandemie gekommen“, stellt er fest.

Anders sieht das in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) in Werdohl aus. Ab Donnerstag – die Mail des Ministeriums erhielt Schulleiterin Nina Manns am Dienstag erst um 22.30 Uhr, so dass die Änderung für Mittwoch nicht mehr umgesetzt werden konnte – könnten sich infizierte Kinder auf den Schulhöfen in Kleinhammer und auf der Königsburg unter die Mitschüler mischen. Nina Manns sieht wie Gilljohann die Gefahr, dass diese Kinder das Virus nicht nur dort, sondern auch schon auf dem Schulweg verbreiten könnten. Zudem spricht sie auch von einer „großen Verunsicherung im Kollegium“: „Wenn man sich ansieht, wie gut die Schutzausrüstung der Mitarbeiter in den Testzentren ist, dann ist es für einen Lehrer ein sehr, sehr beunruhigendes Gefühl, nur mit einer FFP2-Maske vor einer Klasse zu stehen und dort eine Testung zu beaufsichtigen, bei der dann auch die infizierten Kinder die Schutzmaske abnehmen.“

Wenn die Ergebnisse vorliegen, ist es zu spät für einen Test

Dass viele Eltern mit ihrem Kind zu einer offiziellen Teststelle fahren, könne man wohl kaum erwarten: „Die Ergebnisse der Pooltest sollen spätestens bis 20.30 Uhr vorliegen. Dann ist es natürlich längst zu spät für einen offiziellen Schnelltest.“ Und selbst, wenn die Ergebnisse bereits am Nachmittag des Testtages kämen, müsse man ja zunächst alle Eltern erreichen. Das sei nicht immer einfach. „Und ob sie die Fahrt zum Testzentrum dann einrichten können, ist auch fraglich“, stellt Nina Manns fest.

Folglich rechnet die Schulleiterin damit, die meisten Schüler aus einer positiven Klassentestung vor Unterrichtsbeginn in der Schule erneut testen zu müssen. „Wir haben uns deshalb überlegt, auf den Schulhöfen Teststraßen einzurichten. In den Klassen ist uns das Testen einfach zu gefährlich. Wir werden dieses Verfahren dann optimieren“, berichtet Nina Manns. Bedenklich sei, dass sich die Corona-Situation mittlerweile zuspitze: „In der vergangenen Woche war alles noch sehr entspannt, mittlerweile ist die Lage dramatisch.“ 14 Schüler seien nachweislich mit dem Virus infiziert, 25 befänden sich in Quarantäne. „Und die Zahlen schnellen weiter in Höhe“, befürchtet die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule.

Schulleiterin sieht Entwicklung pragmatisch

Diese Ansicht teilt auch Maria Apprecht. „Die Hälfte der Pooltests ist jeweils positiv“, berichtet die Leiterin der Katholischen Grundschule St. Michael. Momentan seien zehn St.-Michael-Schüler infiziert, neun weitere in Quarantäne. Dennoch sieht Apprecht die Entwicklung eher pragmatisch: „Jetzt testen wir die Kinder eben hier und gehen auch diesen Kompromiss ein.“ Große Sorgen bereite ihr diese Vorstellung nicht, schließlich seien die Lehrkräfte immunisiert und die Infektionsgefahr auch außerhalb der Schule inzwischen überall relativ hoch. „Und wir haben das Riesen-Pfund, dass nur symptomfreie Kinder zum Unterricht in unsere Schule kommen, das ist schon viel wert“, unterstreicht Apprecht. Egal, ob ein Kind Hals-, Kopf-, Bauchschmerzen oder auch Schnupfen habe – die Eltern seien sehr bemüht, lobt Apprecht. „Sie schicken ihre Kinder nicht in die Schule, wenn sie irgendwelche Symptome zeigen.“ Auch den St.-Michael-Grundschülern bescheinigt Maria Apprecht ein hohes Maß an Umsicht. „Alle tragen Maske, das ist bei uns selbstverständlich schon lange kein Thema mehr.“

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