Werdohler Rathaus-Mitarbeiter werden reihum zu Telefonisten

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Symbolfoto

Werdohl - Bananenstecker mit Kabeln daran von einer Steckdose in die andere verpflanzen braucht bei der Telefonvermittlung heute niemand mehr. Dennoch arbeiten alle rund 80 Mitarbeiter der Werdohler Stadtverwaltung neuerdings als Telefonisten. Jetzt fragt die Stadt, ob diese Umstellung im Service überhaupt jemand gemerkt hat.

47 Jahre lang saß der blinde Ralph Zippelmeyer in der Telefonzentrale der Stadt Werdohl. Das Büro befand sich im ersten Stock gleich auf der linken Seite. Schon im März vergangenen Jahres wurde der Werdohler in den Ruhestand verabschiedet. Legendär soll sein Vorrat an Witzen gewesen sein.

Das schon lange vorher vereinbarte Personaleinsparungskonzept sah allerdings vor, die Personalstelle von Zippelmeyer nicht wieder zu besetzen. Dennoch musste die Arbeit erledigt werden.

Reinhardt Haarmann von der Abteilung Service der Stadt Werdohl erdachte daraufhin ein zyklisches Verfahren, wie die Anrufe von außen auf die Rathaus-Sammelnummern 917-0 und 917-100 an die richtigen Stellen im Rathaus vermittelt werden können.

So funktioniert das neue System

Seit dem Sommer vergangenen Jahres funktioniert das so: Geht ein Anruf auf eine der Sammelnummern ein, schickt die Telefonanlage automatisch den Ruf auf einen der Mitarbeiter im Rathaus. Dieser muss dann das Anliegen des Anrufers herausfinden und das Gespräch an die zuständige Stelle weiterleiten.

Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin stehen auf dieser Vermittlungsliste in einer festen Reihenfolge. Beim nächsten Anruf wird der nächste Mitarbeiter angerufen, so wird sichergestellt, dass sich die zusätzliche Belastung auf alle Mitarbeiter gleichmäßig und gerecht verteilt. Wer als erster auf der Liste steht, bekommt automatisch erst wieder den 81. Anruf zugestellt. Haarmann: „Das ist kein Zufallsgenerator, sondern es geht immer der Reihe nach.“

260 Anrufe pro Woche

Zunächst sei das Verfahren nur bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Abteilung Service ausprobiert worden. So konnte ermittelt werden, ob es praktikabel ist und wie viele Anrufe überhaupt anfallen. Haarmann berichtet, dass es im Schnitt 260 Anrufe pro Woche seien.

Danach sei das Verfahren mit dem Personalrat abgestimmt worden, der hatte nichts dagegen. Seit einem halben Jahr wird mit dieser Vermittlung nun als Testlauf gearbeitet. Die Verwaltung bittet die Bürger um Rückmeldung auf der Internetseite der Stadt Werdohl. Dort ist auf der Startseite ein Formular hinterlegt, in dem jeder seine Zufriedenheit über die Erreichbarkeit in Form von Schulnoten ausdrücken kann.

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