Was passiert in Werdohl?

Neues Kaufhaus: Erster Interessent verhandelt schon

Eine Lebensmittelabteilung wünscht sich etwa jeder vierte, der sich an der Online-Umfrage zur zukünftigen Ausstattung eines neuen Kaufhauses am Brüninghaus-Platz beteiligt hat. Der Rewe-Markt im ehemaligen WK Warenhaus (Foto) war stets ein Kundenmagnet.
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Eine Lebensmittelabteilung wünscht sich etwa jeder vierte, der sich an der Online-Umfrage zur zukünftigen Ausstattung eines neuen Kaufhauses am Brüninghaus-Platz beteiligt hat. Der Rewe-Markt im ehemaligen WK Warenhaus (Foto) war stets ein Kundenmagnet.

Welche Art von Kaufhaus wünschen sich die Werdohler anstelle des im vergangenen Jahr geschlossen WK Warenhauses? Und welche Pläne hat der neue Besitzer der Immobilie? Vieles ist noch ungewiss, bekannt ist aber: Es gibt bereits einen Interessenten, der in das neue Kaufhaus einziehen möchte. Und die Werdohler haben auch einen Favoriten, der allerdings in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Werdohl ‒ Der niederländische Immobilien-Investor Ten Brinke will neuen Schwung in das alte WK Warenhaus bringen. Seit ein paar Tagen ist bekannt, dass das Unternehmen die Immobilie am Werdohler Brüninghaus-Platz gekauft hat. Noch ist nicht ganz klar, was Ten Brinke mit dem gut 40 Jahre alten Gebäude machen wird. Allerdings hat ein möglicher Mieter schon Interesse bekundet, dort einziehen zu wollen. Und: Die Werdohler haben offenbar ziemlich klare Vorstellungen, welche Nutzung sinnvoll wäre.

In einer Online-Umfrage hatte come-on.de gefragt, welche Nutzung sich die Werdohler für ein neues Kaufhaus am Brüninghaus-Platz vorstellen könnten. Seit dem vergangenen Samstag (6. März) haben beinahe 750 User (Stand: 12. März) ihre Stimme abgegeben. Somit zeichnet sich, wenn man die Umfrage auch nicht als repräsentativ bezeichnen kann, ein klares Stimmungsbild ab.

Die meisten wollen eine Shopping Mall

Mehr als ein Drittel derer, die ihre Stimme abgegeben haben, wünschen sich eine Art Shopping Mall, also ein kleines Einkaufscenter mit mehreren verschiedenen Geschäften unter einem Dach. Allerdings sind sich die Experten laut dem Frankfurter Zukunftsinstitut, einem international führenden Ansprechpartner bei Fragen zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, einig: Der Markt für solche Konsumtempel ist in ganz Europa gesättigt.

Shopping Malls der Zukunft müssten sich nicht nur architektonisch in die Umgebung einfügen, sondern auch mit der lokalen Community in Interaktion treten. Und: Shopping ist für die Besucher nur eine Option von vielen. Die Aufenthaltsqualität kann durch die Entwicklung von hybriden Konzepten – mit einem Mix von Retail-, Gastro-, Entertainment-, Bildungs- und Gesundheitsangeboten – verbessert werden. Ob sich das in Werdohl wirklich umsetzen lässt? Zweifel sind angebracht.

Kommt ein Textildiscounter?

Fast jeder fünfte, der sich an der Umfrage beteiligt hat, möchte im neuen Kaufhaus aber auf jeden Fall wieder Mode einkaufen können. Das verwundert nicht, gibt es auf diesem Sektor in Werdohl derzeit ein eher überschaubares Angebot. Der Markt gehört den Bekleidungseinzelhändlern mit preiswerten Sortimenten: Ernsting‘s Family und Kik. Hört man sich um, welcher Anbieter den Menschen in Werdohl fehlt, fällt immer wieder der Name Takko. Der Textildiscounter, der auch in Plettenberg eine Filiale betreibt, ist durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schieflage geraten. Takko-Pressesprecherin Christina Scholz betont jedoch: „Wir planen, auch zukünftig weiter zu wachsen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.“ Ten Brinke hat andernorts schon mit Takko zusammengearbeitet. Vielleicht demnächst auch in Werdohl?

Was die Werdohler nicht wollen

Kaum eine Rolle spielen bei den Werdohlern Überlegungen, das neue Kaufhaus nicht nur zum Einkaufen zu nutzen. Alternative Nutzungen oder Kombinationen wie beispielsweise durch Büros, Wohnungen, ein Fitnessstudio oder Gastronomie können sich nur wenige vorstellen. Immerhin etwa jeder 13. würde es gut finden, am Brüninghaus-Platz in Zukunft ein Kino oder Theater vorzufinden.

Erstaunlich ist, dass nicht einmal vier Prozent der Umfrageteilnehmer sich ein Schuhgeschäft wünschen, obwohl mit dem Schuhhaus Brockhaus gerade das letzte Werdohler Geschäft dieser Art schließt. Noch weniger vermisst wird ein Sportgeschäft, obwohl es auch das seit der Schließung von Schuh-Sport Bathe im vergangenen Oktober in Werdohl nicht mehr gibt.

Rewe-Strategie: Eigentum statt Miete

All das sind sicherlich Überlegungen, die auch die neuen Besitzer anstellen werden, wenn sie ihr Konzept für die Immobilie entwickeln. In ihren Überlegungen wird gewiss auch die Ansiedlung eines Lebensmittelgeschäftes eine Rolle spielen. Das wünscht sich laut Umfrage übrigens auch etwa ein Viertel der Teilnehmer, obwohl mit dem Edeka-Center Tank und mit den beiden Discountern Lidl und Aldi schon drei große Wettbewerbsteilnehmer in der Werdohler Innenstadt präsent sind. Aber mindestens ein Handelsunternehmen hat durchaus noch Interesse, sich (wieder) in Werdohl niederzulassen.

Der Rewe-Markt war die erste Abteilung im WK, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Der 30. Mai war für die Belegschaft der letzte Arbeitstag.

Rewe sucht bisher erfolgslos

Der Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften, bekannter unter dem Akronym Rewe, war schon im alten WK Warenhaus vertreten und hat nach der Schließung im Sommer vergangenen Jahres kein Hehl daraus gemacht, sich wieder in Werdohl ansiedeln zu wollen. Bisher haben die Bemühungen um einen alternativen Standort aber offensichtlich keinen Erfolg gehabt.

Dabei sucht Rewe bei seinen Expansionsbemühungen keineswegs nur nach Mietobjekten. „Bereits seit mehreren Jahren sehen wir aber auch in der Eigenentwicklung und vor allem dem direkten Eigenerwerb ein probates Mittel, potenzialstarke Standorte für die Zukunft abzusichern“, sagte Stephan Koof, Leiter Expansion/Immobilienmanagement bei der Rewe Group und dem Discounter Penny. Das war im Dezember, nachdem das Unternehmen für einen zweistelligen Millionenbetrag sieben etablierte Einzelhandelsstandorte in NRW, Niedersachsen, Thüringen und Oberbayern erworben hatte. Damit untermauerte Rewe seine Strategie, Standorte, für die es keine Projektpartner gibt, in Eigenregie zu entwickeln.

Interessent führt „intensive Gespräche“

Für Werdohl scheint der Handelskonzern aber – gezwungenermaßen oder freiwillig – auf eine Mietlösung zu setzen. Weil das Interesse am Standort Werdohl nach wie vor groß sei, würden derzeit „intensive Gespräche mit dem Eigentümer“ der WK-Immobilie geführt, teilte die Rewe-Pressestelle in dieser Woche auf Nachfrage mit.

Die Aussichten, dass Rewe mit einem Lebensmittelgeschäft in ein saniertes oder neu errichtetes Kaufhaus am Brüninghaus-Platz zurückkehrt, sind also offenbar nicht schlecht. Für Investor Ten Brinke hätte das den Vorteil, einen Ankermieter vorweisen zu können, der eine gewisse Kundenfrequenz verspricht. Offen ist freilich, ob beide Seiten Einigkeit erzielen können.

Immerhin zeigt aber die Tatsache, dass „intensive Gespräche“ geführt werden, dass sich die Niederländer – die sich ansonsten mit Äußerungen über Pläne in Werdohl noch zurückhalten – mit dem Gedanken tragen, im neuen Kaufhaus einen Lebensmittelhändler anzusiedeln. Und davon würden zweifellos auch andere Geschäfte am Brüninghaus-Platz profitieren.

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