Baubeginn nicht vor 2023

Neues Feuerwehrhaus: Experte rät von Investorenmodell ab

Zum ersten Mal tagte der neu gegründete Feuerwehrausschuss im Festsaal Riesei unter dem Vorsitz des WBG-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Hänel. Die Sitzung am Montag wurde von einigen Feuerwehrleuten und anderen Gästen verfolgt.
+
Zum ersten Mal tagte der neu gegründete Feuerwehrausschuss im Festsaal Riesei unter dem Vorsitz des WBG-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Hänel. Die Sitzung am Montag wurde von einigen Feuerwehrleuten und anderen Gästen verfolgt.

Projektmanager Stefan Hoppe vom Dortmunder Standort des bundesweit tätigen Planungsbüros DU Diederichs hat der Stadt mehr oder weniger deutlich davon abgeraten, das Feuerwehrhaus am Grasacker durch einen Investor bauen zu lassen.

CDU-Sprecher Michael Schürmann hingegen sah im Investorenmodell dennoch Vorteile und versuchte ein wenig, dem Dortmunder die Kompetenz streitig zu machen.

Hoppe war in den Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten eingeladen worden, um über den Stand der Vorplanungen für das Grundstück am Grasacker zu berichten. Zuvor hatte Bürgermeister Späinghaus den aktuellen Stand der Verwaltungsgespräche mitgeteilt. Demnach gibt es Verhandlungen mit dem Perthes-Werk über einen Zukauf von Grundstücken, um die städtische Fläche etwas arrondieren zu können. Bis Ende Juni gebe es von dort eine Entscheidung.

Im politisch vorgegebenen Zeitrahmen

Nach Gesprächen mit einem Gutachter gebe es in Sachen Lärmschutz und Immissionsschutz „aktuell kein Hemmnis“. Der Grasacker liegt im Bereich des Überschwemmungsgebietes, einer möglichen Bebauung habe die Untere Wasserbehörde bislang zugestimmt. Im Stand des Vergabeverfahrens bewege man sich im politisch vorgegebenen Zeitrahmen.

Gleichzeitig, so der Bürgermeister in einer Nebenbemerkung, liefen die Vorbereitungen für den Bau eines Feuerwehrhauses für die Löschgruppe Brüninghaus an.

Drei verschiedene Optionen

Stefan Hoppe erläuterte die drei verschiedenen Optionen für die Bebauung des städtischen Grundstücks. Da ist der Verkauf an einen Investor mit der vertraglichen Bindung, dort ein Haus zu bauen und es für mindestens 20 Jahre an die Stadt zu verpachten. Die andere Möglichkeit ist die klassische Gewerke-vergabe durch die Stadt selbst oder die komplette Vergabe an einen Generalunternehmer.

Alle drei Verfahren nähmen sich zeitlich nichts: Bis Oktober 2021 müsse sich die Politik zwischen den drei Modellen entscheiden. Bei der Gewerkevergabe sei ein Baubeginn ab Anfang 2023 zu schaffen. Die Vergabe an einen Investor könne unter Umständen länger dauern als die Gewerkevergabe, weil die Verträge komplizierter seien.

Grundstück ist „anspruchsvoll“ und „komplex“

Hoppe beschrieb das Grundstück der Stadt wegen Zuschnitt und Lage als „anspruchsvoll“ und „komplex“ zu bebauen. Mit etwa fünf Millionen Euro Brutto-Kosten sei man noch nicht in der Preisklasse, die für Investoren interessant sei. Es werde sicher schwierig, jemanden zu finden, der auf so einem engen Grundstück mit Vorteil bauen wolle. Investoren bevorzugten Bauvorhaben mit mindestens sechs oder sieben Millionen Euro. Am günstigsten sei es für Investoren, man könne eine Planung auf der grünen Wiese umsetzen.

Das städtische Grundstück am Grasacker ist nicht ohne Ecken und Kanten: Mit dem benachbarten Perthes-Werk laufen Verhandlungen um einen Zukauf einer Fläche.

Bei der Gewerkevergabe habe die Stadt größtmögliche Einflussnahme bis zum Schluss. Ein Investor würde sich alle Risiken bezahlen lassen. Außerdem müsse bei der vorgeschriebenen europaweit öffentlichen Vergabe die wirtschaftlichste Variante gewählt werden. Der Märkische Kreis werde als Aufsichtsbehörde darüber entscheiden. Hier könnte ein Zeitverzug entstehen, so Hoppe, wenn die Stadt eine Investorenlösung anstrebe und es sich später herausstelle, dass dieses nicht wirtschaftlicher sei als die Gewerkevergabe.

Welche Variante ist günstiger?

Hoppe bezweifelte, dass ein Investor kostengünstiger sei als ein Gewerkebau. Der Investor werde sich sämtliche Risiken vertraglich vereinbart bezahlen lassen. Auch die Einbeziehung möglicher Änderungen später mache die Sache teurer.

Hoppe wurde im Laufe des Vortrags immer deutlicher: „Ich bin skeptisch, ob da überhaupt Investoren herangehen. Die meisten potenziellen Unternehmer und das größte Marktpotenzial findet man bei einer Gewerkevergabe.“

CDU-Sprecher bleibt hartnäckig

Ein Generalunternehmer richte die Ausführung nach den Preisvorgaben der Ausschreibung aus, deren Erstellung würde erfahrungsgemäß etwas länger dauern als eine einzelne Gewerkevergabe. Sonst bestehe wenig Unterschied zu einer Gewerke-planung.

CDU-Sprecher Michael Schürmann argumentierte hartnäckig weiter in Richtung des von seiner Fraktion ins Spiel gebrachte Investorenmodell. Man kenne sehr wohl mögliche Investoren, die am Grasacker bauen könnten. Schürmann verwickelte Hoppe rasch in eine Expertendiskussion. Die Stadt müsse möglichst von ihrem Risiko als Betreiber wegkommen, sagte Schürmann. Diese Risikobegrenzung sei nur mit einem Investorenmodell möglich. Vertraglich könne man all das festlegen.

Ausschussvorsitzender bricht Diskussion ab

Hoppe hielt Schürmann Erfahrungen seines Arbeitgebers entgegen: „Wir haben schon genug Verträge scheitern gesehen.“ Zukünftige Nutzungsänderungen, sei es durch neue Vorgaben für den Brandschutz, seien schwer in Verträgen zu verankern. Hoppe: „Was ist, wenn sie in zehn Jahren alles anders machen müssen?“

Ausschussvorsitzender Hänel brach die Diskussion mit der Aufforderung an die Fraktionen ab, Fragen schriftlich zu formulieren. Alles werde noch genau diskutiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare