Der Kultwirt aus Werdohl

Zehn Lieder gehen von Werdohl aus um die Welt

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Jürgen Krutzsch und Brigitte Grafe haben ein Album produziert, das international beste Kritiken erhalten hat.

Werdohl - Ein Filmklassiker aus dem Jahr 1933 heißt „Ein Lied geht um die Welt“. Im Fall von Jürgen Krutzsch sind es gleich zehn, denn die neueste Produktion des Werdohler Kultwirtes („Alt Werdohl“), „The Discovering of Time“, bekommt im internationalen Ausland die besten Kritiken.

Aktuell wartet eine Zeitung in Brasilien auf ein Päckchen mit CDs, die die Redakteure nach begeistertem Hören der Platte gern verlosen möchten. In Deutschland war es das renommierte Fachjournal „Musikwoche“, das die neue CD von Cinema als Tipp der Woche hochlobte. „In der Woche hatten wir mehr Klicks als Depeche Mode“, freut sich Jürgen Krutzsch, den nicht nur in Werdohl alle unter seinem Spitznamen Pöngse kennen.

Allerdings ist Musik bekannt zu machen auch mit viel Arbeit verbunden. Nicht nur die Plattenfirma Sireena-Records trommelt fleißig, sondern auch der Komponist selbst verschickt seine Tracks als Anspieltipps an Radiosender. „Und es ist super interessant, was da zurückkommt“, berichtet Pöngse. Sender in Zypern, Chicago, Los Angeles Griechenland, Frankreich und London spielen aktuell Tracks aus „The Discovering of Time“ in ihren Rotationen. Dass die Melodien zunächst allesamt Wohnzimmerproduktionen sind, hört man ihnen nicht an.

„Manchmal steht ein Stück in fünf Minuten, für manch anderes brauchen wir Monate“, erläutert Pöngse, dem seit einigen Jahren Brigitte Grafe beim Abmischen der elektronischen Instrumentalstücke zur Seite steht. Namhafte Instrumentalisten wie Christian Schwarzbach und Benny Peiser haben im Studio den letzten Schliff gegeben. Freigegeben zur Veröffentlichung wird nichts, womit nicht alle zufrieden sind.

Die Musik von Cinema, das deutet der Projektname schon an, ist Kopfkino. „Man könnte manchen Tatort damit unterlegen“, erklärt Pöngse. Mit seinen musikalischen Ursprüngen – der Kult-Krautrock-Band Tibet – hat sie nicht mehr viel gemein, obwohl deren Fans immer noch häufig danach fragen.

Cinema war Pöngses Anschlussprojekt, das nach 1985 sage und schreibe 27 Jahre lang brach lag. „2012 ist dann alles explodiert“, beschreibt der Musiker und Kneipenwirt, der seine CDs aber nie selbst einlegt, wenn er hinterm Tresen steht. Den Spaß machen sich aber schon mal die Servicekräfte, dann freut sich mancher Gast: „Hey, das ist ja Mike Oldfield!“

Drin stecken auch ein bisschen Pink Floyd und Vangelis. Viele Quellen der Inspiration machen die Cinema-Musik zu dem, was sie ist. Brigitte Grafe träumt davon, auf einer der nächsten Platten auch mal alten Barjazz einzuarbeiten. Die Ideen sprudeln, Pöngse ist aber noch nicht überzeugt, so was mal auf dem Keyboard anzuspielen. Experimentierfreude aber hat sich in der Vergangenheit immer ausgezahlt: Drei Mal war Cinema schon Wettbewerbssieger der „Schallwelle“, einem Preis für elektronische Musik. Der Gewinnertrack wurde jeweils auf einem Sampler veröffentlicht – so sind immer neue Fans dazugekommen.

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