Neuer Wirt im Alt Werdohl

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Jürgen „Pöngse“ Krutzsch (links) hat die Kultkneipe „Alt Werdohl“ an seinen Nachfolger Markus Niggemann übergeben. 

WERDOHL - Still und heimlich ging am 1. April (kein Scherz) eine Ära zuende: Jürgen „Pöngse“ Krutzsch ist nicht mehr Wirt der Kultkneipe Alt Werdohl.

Was das bedeutet, hat Pöngse schnell bemerkt: „Gleich am ersten Abend musste ich meinen Deckel hier bezahlen.“ Ganz ohne Neueröffnung hat Markus Niggemann den Posten des Wirts von Pöngse übernommen. „Wir wollten einen nahtlosen Übergang“, erklärt der 66-jährige Krutzsch. „Es wird sich ja auch nichts verändern hier“, ergänzt sein Nachfolger. Der 46-Jährige betont: „Mir ist auch ganz wichtig, dass Pöngse weiterhin präsent bleibt im Alt Werdohl.“

Im Oktober 1971 haben Pöngses Eltern das Alt Werdohl übernommen. „Acht Jahre später starb mein Alter Herr“, erinnert sich der frischgebackene Ex-Wirt. „Ab 1986 habe ich hier dann Konzerte veranstaltet“, erläutert der ehemalige Gitarrist der Krautrock-Band Tibet. Unter dem Namen Cinema produziert Pöngse seit Jahrzehnten erfolgreich elektronische Musik. „Etwa 15 bis 20 Konzerte gebe es im Alt Werdohl pro Jahr“, blickt der 66-Jährige auf sein bisheriges Lebenswerk zurück. „Mehr als 500 Gigs werden es insgesamt also sicher gewesen sein.“

Pöngse bleibt für Musik im Alt Werdohl verantwortlich

Ein Ende ist indes nicht in Sicht: „Pöngse bleibt für die Musik im Alt Werdohl zuständig“, hebt Niggemann hervor. Der nunmehr Ex-Wirt seufzt. Dann sagt er: „Ich muss jetzt erst einmal meine Akkus aufladen.“ Er lächelt und schiebt hinterher: „Ich wollte ja seit 20 Jahren aufhören, hinter der Theke zu stehen.“ Ideen habe er noch viele: Größere Konzerte in Sälen, die mehr Zuschauer fassen als sein bisheriges „Wohnzimmer“ Alt Werdohl oder gar Open-Airs gehören dazu. Möglicherweise gelingt es ihm nun auch, seine alte Band Tibet wieder einmal auf einer Bühne zu versammeln.

Was sich nach einer Pause anhört, ist aber keine. Die nächsten Konzerte stehen längst fest: Am 21. April kommen Syndykat aus Altena, Witten und Bochum erstmals ins Alt Werdohl. Die Truppe spielt Southern Rock. Schon am 30. April folgt ein Rock-in-den-Mai-Abend mit Catfish Boobie. Am 11. Mai präsentiert Bassist Martin Engelien die nächste Go Music. Die Coverband Fullstack aus Unna feiert am 26. Mai ihre Headliner-Premiere in Werdohl. Am Samstag, 13. Oktober, kehrt der New Yorker Hüne Lord Bishop zu seinem jährlichen Gastspiel bei Pöngse zurück. Für Anfang Oktober ist ein Konzert des „tasmanischen Teufels“ Rob Tognoni geplant. „Und ich bleibe ja auch weiter hier im Haus wohnen“, versichert Krutzsch. Seinem Nachfolger verspricht er: „Ich werde auch weiter beim Kneipenbetrieb helfen, wenn mal Not am Mann ist.“

Niggemann will aber dafür sorgen, dass das nicht allzu oft nötig sein wird: „Wir suchen noch Aushilfen für mittwochs und donnerstags. Interessenten sollen einfach mal im Alt Werdohl vorbeischauen“, ruft er auf. Der neue Wirt Markus Niggemann ist von Beruf staatlich geprüfter Elektriker. Weil er weiter als solcher arbeitet, wird er nicht an jedem Abend in seiner neuen Kneipe am Zapfhahn stehen. Der 46-Jährige plant überdies keine Revolution im Alt Werdohl: „Aber wir machen vielleicht mal ein Dart-Turnier hier. Oder wir veranstalten ein Sommerfest.“

Zunächst jedoch steht erst einmal die Fußball-Weltmeisterschaft an. „Wir zeigen auf jeden Fall alle Spiele der deutschen Mannschaft“, verspricht der Neue. „Nach der Vorrunde gibt es möglicherweise bei jedem deutschen Tor einen Schnaps aufs Haus für alle Gäste“, verrät er eine Idee. „Weitere kurzfristige Aktionen teilen wir den Gästen dann noch mit“, lässt er sich nicht weiter in die Karten schauen. Einer dieser Gäste wird Pöngse sein – nicht nur, aber auf jeden Fall dann, wenn es Konzerte im Alt Werdohl gibt. Nur an eines muss er sich dann noch gewöhnen: seinen Deckel zu bezahlen.

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