Tagespflegeprojekt eventuell ab 2015

WERDOHL - Die Übergabe der Tagespflegeaufgaben für Kinder von der Stadt an die Awo soll frühestens 2015 stattfinden. Der Jugendhilfeausschuss stellte am Montag fest, dass eine professionelle Bündelung der Angebote durch die Awo wünschenswert, aber nicht sofort bezahlbar sei.

Ausschussvorsitzender Cornelius Böttcher (SPD) formulierte seine persönlichen Bedenken, ob die Aufgabenwahrnehmung durch die Awo denn aktuell wirklich nötig sei und ob die dafür vorgesehenen 20 000 Euro dafür aufgewandt werden müssten.

Marion Battista von der Arbeiterwohlfahrt koordiniert die Tagespflege schon für die acht jugendamtsfreien Kommunen im Kreis und für die Städte Iserlohn und Altena. Lüdenscheid lässt diese Aufgabe schon seit Jahrzehnten durch einen eigenen Träger bewerkstelligen, Plettenberg stehe kurz vor einem Abschluss mit der Awo.

Battista, selbst Mutter und früher auch Tagesmutter, beschrieb die immer höher werdenden Anforderungen an Tagespflegepersonen und die gleichzeitig immer stärker wachsende Nachfrage. In Iserlohn gebe es zurzeit 200 laufende Betreungsverträge, 74 Tagespflegepersonen und fünf so genannte Großtagespflegestellen. In solchen Stellen haben sich bis zu drei Tagespflegepersonen zusammengetan, die meist in angemieteten Räumen Kinder in familienähnlichen Strukturen betreuen.

Bürgermeister Griebsch warb für den Vertrag mit der Awo

Alle Beteiligten seien froh, dass die Awo einen festen Rahmen biete, in dem Kindertagespflege angeboten und die Tagespflegepersonen fortgebildet und betreut würden. Marion Battista stellte noch fest, dass die Awo die Jugendämter mit Beratung und Organisation unterstütze, die Entscheidungen aber weiterhin von der Kommune getroffen würden.

Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak sagte, dass die Tagespflegebetreuung „von uns nur unzulänglich betrieben“ werde und die Werdohler Infrastruktur die vom Gesetzgeber geforderte Qualität nicht erfülle. Ein stabiles Angebot könne derzeit nicht gemacht werden, auch wenn in der Vorlage von elf Tagespflegepersonen und 14 betreuten Kindern die Rede sei.

Michaela Kusmierczyk, die bei der Stadt die Tagespflege in einem sehr geringen Stellenanteil betreibt, erläuterte die Zahlen. „Das Angebot von Tagespflegepersonen und die spezifische Nachfrage von Eltern passen nicht immer zueinander.“ Vor allen die unterschiedlichen Betreuungszeiten seien das Hauptproblem. Kusmierczyk fügte an, dass es allein in Neuenrade drei voll ausgebuchte Großpflegestellen gebe, in Werdohl gar keine.

Bürgermeister Griebsch warb für den Vertrag mit der Awo: „Die Versorgungsquote wird weiter sinken, die Zahl der Tageseltern weiter fallen. Der Vertrag mit der Awo ist eine kostengünstige Angelegenheit.“ Auf die Frage von CDU-Ratsherr Jardzejewski, ob man nicht den Stellenanteil für die Tagespflege bei der Stadt aufwerten könne, antwortete Fachbereichsleiter Grabs. Ein Halbtagskraft bei der Stadt könne das als Einzelkämpferstelle nicht so gut händeln wie die Awo, die fast kreisweit in zwölf von 15 Kommunen die Arbeit bestens vernetzt anbiete. - Voker Heyn

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