HNO-Arzt Dr. Mahdawi findet 41 Jahre jüngeren Nachfolger

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Der 35-jährige Dr. Halil Atay aus Dortmund hat seine Oberarztstelle in Gelsenkirchen aufgegeben und übernimmt zum 2. Januar 2018 die HNO-Praxis von Dr. Mahdawi an der Freiheitstraße.

Werdohl - Der 35 Jahre junge Dr. Halil Atay aus dem Dortmunder Süden ist schwer begeistert, und mit seiner Freude über seinen neuen Arztsitz scheint er sich nicht anbiedern zu wollen: Der HNO-Arzt übernimmt ab Januar die Praxis von Dr. Reza Mahdawi und freut sich wirklich aufrichtig darüber, dass „ich da arbeiten darf, wo andere Urlaub machen. Es ist richtig schön hier.“ Er meint tatsächlich Werdohl.

Auch Dr. Reza Mahdawi berichtet ausschließlich Gutes über die Stadt an Lenne und Verse und ihre Einwohner: „Die Leute hier sind sehr nett, es sind sehr liebe Menschen.“ In den mehr als 30 Jahren habe er „nichts Negatives“ erlebt. Manche hätten sogar geweint, als er in den vergangenen Tagen von Patienten Abschied nahm. Dass der Mann mit der sanften Stimme und dem freundlichen Auftreten schon 76 Jahre alt ist, kann nicht nur sein Nachfolger kaum glauben.

Für Werdohl ist der Erhalt des kassenärztlichen Sitzes für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und die Übergabe an Dr. Atay ein großes Glück und wahrer Segen. Im Märkischen Kreis gibt es 13 zugelassene Sitze für HNO-Ärzte und 16 niedergelassene Ärzte. Während im Bereich der Hausärzte eine Unterversorgung herrscht, gibt es rechnerisch zu viele HNO-Fachärzte pro Einwohner. Dass die Sitze ungleichmäßig verteilt sind, spielt dabei keine Rolle.

Bürgermeisterin setzte sich ein

Für den Erhalt des HNO-Sitzes in Werdohl habe sich Bürgermeisterin Silvia Voßloh massiv bei der kassenärztlichen Vereinigung eingesetzt. Dr. Mahdawi: „Ansonsten wäre der Sitz in Werdohl nicht zu halten gewesen.“

Alle könnten mit der jetzt gefunden Lösung sehr zufrieden sein. Vor allem die Patienten bräuchten die Stadt nicht für den HNO-Besuch verlassen.

Gebürtiger Perser lebt 30 jahre in Werdohl

Dr. Reza Mahdawi lebte und arbeitete 30 Jahre in Werdohl. Von 2006 bis 2012 führte der die Praxis an der Freiheitstraße 36 a gemeinsam mit Dr. Selma Uygun. Mahdawi zog nach Bonn und ging 2012 mit 71 Jahren zum ersten Mal in den Ruhestand. Die Praxis führte Dr. Uygun weiter – allerdings glücklos. Die Medizinerin geriet Ende 2015 in die Insolvenz.

Weil Mahdawi die Patienten nicht im Stich lassen wollte, erwarb er die Praxiseinrichtung vom Insolvenzverwalter und bot ab 2016 Sprechzeiten an drei Tagen in der Woche an. Dazu nahm er sich eine kleine Wohnung über der Praxis, um nicht jeden Tag pendeln zu müssen. Mit 76 Jahren geht Mahdawi zum zweiten Mal in den Ruhestand, jetzt wohl endgültig. Am Dienstag hatte er zum letzten Mal seine Praxis geöffnet.

Von Gelsenkirchen nach Werdohl

Sein Nachfolger ist Dr. Halil Atay. Er wurde in Nürnberg geboren und wuchs in Dortmund auf, wo er heute mit seiner Frau und vierjährigen Zwillingen lebt. Nach Abitur in Dortmund und Studium in Essen arbeitete er als Oberarzt im Marienhospital Gelsenkirchen. Seine Doktorarbeit schrieb er übrigens zum Thema: „Traumaerleben und posttraumatische Belastungsstörung bei türkischen Migranten im Vergleich zu Einheimischen in der Türkei“.

Mehr Sprechzeit als vorher

Selbstständig zu arbeiten sei im wichtiger, so Atay, als sich im hierarischen System einer Klinik einzuordnen. Auf die Arbeit auf dem Lande in Werdohl freue er sich wirklich sehr, auch wenn ein Umzug nicht in Frage komme: „Meine Frau ist Berlinerin, für die war Dortmund schon fast eine Zumutung.“

Atay hat deshalb auch die Wohnung über der Praxis gemietet. Überörtliche Gemeinschaftspraxis Gemeinsam mit seinem Lüdenscheider Freund Dr. Konstantinos Zigolis steigt er in die Gemeinschaftspraxis der Lüdenscheider HNO-Ärztinnen Benkhofer, Scholz und Blümel ein. Die fünf Mediziner wollen eine überörtliche Praxisgemeinschaft bilden.

Atay praktiziert montags, dienstags und donnerstags in Werdohl, freitags kommt Zigolis. Atay operiert mittwochs ambulant in Lüdenscheid, freitags arbeitet er in der Lüdenscheider Praxis. Für die Werdohler Patienten werde so das Zeitangebot von 21 auf 30 Stunden die Woche erhöht.

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