Verstärkung für Praxisteam von Dr. Al Shami

Neuer Arzt aus Ägypten ist in Werdohl verliebt

Verstärkung und vielleicht sogar der Nachfolger: (von links) Abdelrhman Bedair verstärkt seit dem 1. April das ärztliche Team mit Dr. Hussein Al Shami und Dr. Klaus Rinke in der Praxis an der Feldstraße. Bürgermeister Andreas Späinghaus (rechts) kam am Donnerstag zur Begrüßung.
+
Verstärkung und vielleicht sogar der Nachfolger: (von links) Abdelrhman Bedair verstärkt seit dem 1. April das ärztliche Team mit Dr. Hussein Al Shami und Dr. Klaus Rinke in der Praxis an der Feldstraße. Bürgermeister Andreas Späinghaus (rechts) kam am Donnerstag zur Begrüßung.

Die Welt ist wirklich ein Dorf. Anders ist es kaum zu erklären, dass Dr. Hussein Al Shami jetzt den Sohn eines früheren Kommilitonen als angestellten Arzt in seiner Praxis an der Feldstraße in Werdohl beschäftigt.

„Das war absoluter Zufall“, beteuern beide, dass sie sich nicht gegenseitig gesucht, aber dennoch gefunden haben.

Auf der Suche nach einem Arzt, der bei ihm einsteigen und vielleicht später sogar die Praxis übernehmen würde, war Al Shami allerdings schon länger. Mit 65 Jahren denkt der Mediziner zwar noch nicht konkret an den Ruhestand, seine Nachfolge hätte er im Interesse seiner Patienten aber dennoch ganz gerne geklärt. „Mein Nachfolger muss menschlich und fachlich gut sein“, skizziert er das Anforderungsprofil.

Gemeinsame Bekannte stellt den Kontakt her

Vor gut zehn Jahren stand ziemlich überraschend Abdelrhman Bedair, ein junger Arzt aus seiner Heimatstadt Alexandria, vor seiner Tür. Es stellte sich ziemlich schnell heraus: Das war der Sohn eines Studienkollegen Al Shamis. Eine gemeinsame Bekannte aus Essen hatte den Kontakt hergestellt, der danach aber zunächst wieder abbrach.

Abdelrhman Bedair, der wie Al Shami in Alexandria Medizin studiert hatte, wollte in Deutschland hospitieren und trat eine Stelle am Universitätsklinikum Münster an, wo er als ausgebildeter Kardiologe in den Abteilungen für Herzchirurgie und Kinderherzchirurgie arbeitete. Später ging er dann nach Bottrop, um dort bis vor wenigen Monaten als Kardiologe zu arbeiten. „Ich habe in dieser Zeit aber gemerkt, dass ich nicht nur Kardiologe sein wollte“, sagt Bedair rückblickend. Er habe das Bedürfnis gespürt, den Menschen als Arzt ganzheitlich helfen zu wollen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, als Internist zu arbeiten. Eine andere als Allgemeinmediziner.

Mitarbeit in der Praxis zunächst als Weiterbildungsassistent

Bedair erinnerte sich des Besuchs bei Hussein Al Shami und nahm Kontakt auf. Die beiden Landsleute waren sich offensichtlich schnell einig: Abdelrhman Bedair sollte als angestellter Arzt in Al Shamis Hausarztpraxis arbeiten. Weil er mit seinen Qualifikationen aber in Deutschland nicht einfach als Allgemeinmediziner arbeiten darf, ist er seit dem 1. April bei Al Shami zunächst Weiterbildungsassistent. Das ist ein Arzt, der nach Erteilung der Approbation im Rahmen einer Weiterbildung zum Erwerb einer Facharztbezeichnung als Angestellter bei einem zur Weiterbildung befugten Vertragsarzt tätig wird. „Das wird 18 bis 24 Monate dauern, danach könnte er als Arzt mit eigenem Arztsitz in Deutschland tätig werden“, erklärt Al Shami.

Gut möglich, dass Bedair also irgendwann Al Shamis Nachfolger wird. In der Kleinstadt Werdohl fühlt sich der 33-Jährige, der in der Millionen-Metropole Alexandria geboren und aufgewachsen ist, nämlich nach eigenen Worten sehr wohl. Ihm gefällt vor allem die Natur des Sauerlandes, er genieße gerne die frische Luft in den Wäldern, sagt er. Ob er gar nichts vermisst? „Wer aus Alexandria kommt, braucht das Wasser“, sagt er mit Verweis auf seine Herkunft aus der großen Hafenstadt im Mittelmeer. Aber nicht einmal das vermisst er. „Werdohl hat die Lenne“, sagt Bedair mit einem Schmunzeln.

Deutsch am Goethe-Institut in Alexandria gelernt

Der neue Arzt in Werdohl spricht übrigens ausgezeichnet Deutsch. „Das habe ich am Goethe-Institut in Alexandria gelernt“, erklärt er. Als für ihn festgestanden habe, dass er seine berufliche Zukunft in Deutschland sieht, habe er dort begonnen, die die Sprache zu lernen – und Freude daran gefunden. Im deutschen Alltagsleben hat er seine Kenntnisse in den vergangenen sieben, acht Jahren erweitert und verfeinert. „Ich schaue auch nur noch deutsche Fernsehsendungen“, verrät Bedair, wie er es geschafft hat, die für ihn fremde Sprache mittlerweile beinahe akzentfrei zu sprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare