„Klartext reden“

Neuer Anlauf für Moschee-Bau: Ditib-Vorstand setzt große Hoffnungen auf Bürgermeister

Vorsitzender Fahrettin Alptekin (rechts) und Sekretär Sezer Demirtas (links) vom Ditib-Vorstand Werdohl hatten mit Buchhalter Yusuf Akyüz im Mai Bürgermeister Späinghaus zu seinem Wahlsieg gratuliert und ihre Anliegen zum Neubau der Moschee vorgetragen. Jetzt erinnern sie an ihren Besuch und wünschen sich, dass sie die lang gehegten Baupläne realisieren können.
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Vorsitzender Fahrettin Alptekin (rechts) und Sekretär Sezer Demirtas (links) vom Ditib-Vorstand Werdohl hatten mit Buchhalter Yusuf Akyüz im Mai Bürgermeister Späinghaus zu seinem Wahlsieg gratuliert und ihre Anliegen zum Neubau der Moschee vorgetragen. Jetzt erinnern sie an ihren Besuch und wünschen sich, dass sie die lang gehegten Baupläne realisieren können.

In einem neuen Anlauf mit Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) wollen die Werdohler Muslime der Ditib an der Freiheitstraße ihre Vorstellungen einer neuen und erweiterten Moschee verwirklichen.

Werdohl – Der ehrenamtliche Vorstand um den Vorsitzenden Fahrettin Alptekin hatte es aufgegeben, diese Pläne mit der ehemaligen Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) zu verfolgen.

Mitte Mai war eine Delegation mit Alptekin, Sekretär Sezer Demirtas und Buchhalter Yusuf Akyüz zum Antrittsbesuch des von seiner Corona-Erkrankung genesenen Bürgermeisters gekommen. Man habe ihm Gesundheit gewünscht und Späinghaus zum Wahlsieg gratuliert. Alptekin sagt jetzt, gut vier Monate später: „Wir haben unsere Anliegen und Vorstellungen vorgetragen.“

Darunter war vordringlich der Wunsch, mit dem Umbau und der Erweiterung des Moscheegebäudes an der Freiheitstraße weiter zu kommen. Seit 2008 verfolgt die Gemeinde Pläne. Späinghaus habe zugesagt, sich so schnell wie möglich zu kümmern.

Alptekin formuliert es so: „Wir hoffen, dass er einhält, was er den Wählern versprochen hat. Späinghaus ist auch unser Bürgermeister.“ Mit der CDU-Vorgängerin Voßloh hatten die Ditib-Funktionäre ihre Schwierigkeiten. Es könne sein, so vermuten sie, dass deren betont christliche Einstellung den Wünschen der Muslime entgegenstand. Frühere Besuche im Bauamt der Stadt waren für den Ditib-Vorstand und deren Kölner Architekt Ali Günes nicht gut verlaufen.

Die Baupläne liegen schon Jahre vor, sollen aber nicht veröffentlicht werden, solange nicht klar ist, was wirklich gebaut werden darf. Ohne einen Beschluss seines mehrköpfigen Vorstands will Alptekin die Baupläne nicht veröffentlichen.

Geplant ist ein versetzt auf den Parkplatz angeordneter Neubau, der durch ein Fahrstuhlbauwerk mit dem bestehenden Gebäude verbunden ist. In dem Neubau sollen zwei Etagen mit je 100 Quadratmetern entstehen. In der unteren Etage beten die Männer, in der oberen die Frauen. Beide Etagen sollen durch eine kreisrunde Öffnung miteinander verbunden sein, damit die Frauen von oben dem Imam unten zuhören und ihn sehen können. Eine Kuppel über dieser Öffnung ist geplant.

In früheren Verhandlungen wurde die Gemeinde durch die damalige Verwaltungsleitung gebeten, die geplanten Minarette kleiner zu planen und optisch in das Gebäude einzuziehen. Dem sei man gerne nachgekommen, so Alptekin. Schließlich solle die neue Moschee ein Gebäude für die Stadt Werdohl sein und sich dort gut einpassen. Konkurrenz zu den benachbarten christlichen Kirchen wolle man nicht. Der Neubau solle eine Bereicherung für die Stadt werden.

Die volle Kapazität der beiden neuen Beträume werde ohnehin nur an Freitagen gebraucht. Im Altgebäude sollen dann auch endlich Sitzgelegenheiten für bis zu 600 Personen entstehen. Alptekin: „Unser Gebäude ist jetzt einfach viel zu klein. Die Besucher müssen aus der Hand oder vom Teppich essen.“

Für Feste, Kermis oder Gemeindezusammenkünfte müssen die Besucher heute die Schuhe ausziehen, weil so etwas momentan im Betraum stattfinden muss. In Zukunft sollen solche Begegnungen auch mit Straßenschuhen möglich sein. Genauso sollen im Altgebäude Koranschule und Freizeittreff für die Jugendlichen und Kinder eingerichtet werden.

Der Ärger über Ex-Bürgermeisterin Voßloh ist noch nicht verklungen. Auch das vermeintlich ungebührliche Auftreten eines Bauamt-Mitarbeiters ist den förmlichen Muslimen in schlechter Erinnerung. „Er hat während der Besprechung die Füße auf den Tisch gelegt“, erinnert sich Alptekin.

Abseits dieser Empfindlichkeiten hatte der frühere Bauantrag vor allem fachliche Mängel. Der Brandschutz war ein großes Thema. Der von der Werdohler Ditib beauftragte Architekt Günes hatte zwar ein Büro eines Bekannten mit einem Brandschutzkonzept beauftragt, doch letztlich ist nicht alles so nachgebessert worden, wie es die sich jedes Jahr verschärfenden Brandschutzvorschriften verlangen. Zwar wurde im Altbau eine Fluchttreppe angelegt und der Balkon abgesichert, das hatte aber nicht gereicht.

Tatsächlich ist die Ditib-Gemeinde beziehungsweise deren Architekt gefordert, einen neuen Bauantrag einzureichen und das Verfahren neu zu beginnen. In der Vorstellung der Werdohler Muslime soll es anders laufen: „Das Werdohler Bauamt soll uns oder unserem Architekten sagen, was wir machen sollen. Dann werden wir alle Auflagen erfüllen.“ Alptekin möchte „Klartext reden“ und endlich vorankommen.

Missverständnisse habe es in der Vergangenheit genug gegeben, von daher setze man große Hoffnungen auf Bürgermeister Späinghaus. „Er hatte versprochen, sich schnell bei uns zu melden. Aber seit Mai haben wir nichts mehr von ihm gehört“, so Alptekin: „Ich erwarte von unserem Bürgermeister, dass er zwischen unserem Architekten und seinem Bauamt vermittelt.“ Das Brandschutzkonzept solle jetzt von einem Unternehmen aus der Region erstellt werden. Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Büro sei nicht gut gelaufen.

Der Umbau des Altgebäudes und der Neubau auf dem Parkplatz müsse die Gemeinde komplett aus eigenen Mitteln stemmen. Fremdmittel aus der Türkei oder von einem Unterstützungsverein gebe es keine, das sei anders als zum Beispiel bei der IGMG-Gemeinde in Neuenrade. Alptekin: „Wir müssen Kredite aufnehmen und Schulden machen.“ Allerdings könne die Werdohler Ditib-Gemeinde komplett selbst entscheiden, was und wie gebaut wird. Diese Werdohler Autonomie wird immer wieder von Alptekin betont. „Etwas Größeres könnten wir auch gar nicht finanzieren“, so Alptekin.

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