Messer-Überfall in Werdohl: Angeklagter legt Geständnis ab

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Der Angeklagte beriet sich im Schwurgerichtssaal des Hagener Landgerichts mit seinem Anwalt.

Werdohl - Mit einem umfassenden Geständnis begann am Montag im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 34-jährigen Neuenrader. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen „versuchten Heimtücke- und Habgiermord" vor.

Unstrittig ist, dass der Angeklagte am 9. Dezember gegen 8.30 Uhr im Parkhaus an der Freiheitsstraße einen Sparkassenkunden durch Messerstiche in den Hals und den linken Unterarm schwer verletzte. Der Angegriffene wehrte sich allerdings mithilfe von Pfefferspray erfolgreich gegen die Herausgabe von Geld - so stellte es die Anklage dar.

Der Angeklagte behauptete hingegen, er habe den Autoschlüssel haben wollen, um mit dem Auto des Opfers wegzufahren.

Rätselraten über das Motiv

Jörg Weber-Schmitz, Vorsitzender Richter der 2. Schwurgerichtskammer, wunderte sich fundamental über diese brutale Tat: „Erklären Sie mir mal, wie man als unbescholtener Bürger jemandem unvermittelt in den Hals stechen kann!"

Der Angeklagte war offenbar kaum weniger ratlos: „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht." Lange Zeit hatte er Drogenkonsum und eine regelmäßige Arbeit offenbar in Einklang bringen können. Doch nach einer fristlosen Kündigung drohte weiteres Ungemach: der Verlust der Wohnung, Hartz IV und Ärger mit den Gläubigern, die ihm Cannabis-Produkte auf Pump verkauft hatten.

Ohne Geld auf der Flucht

„Sie wollten der Heimat und der Familie den Rücken zuwenden", fasste der Vorsitzende die eingeleitete Flucht aus Neuenrade zusammen. „Ja!", erwiderte der Angeklagte, der sich nach dem Genuss eines Joints mit Handtuch, Wechselpullover und einem Sushi-Messer im Rucksack auf den langen Weg nach Werdohl gemacht hatte. „Ich wollte nur noch weg - raus aus dem Märkischen Kreis", begründete er den Versuch, mit Gewalt an ein Auto zu kommen, das er gar nicht hätte steuern dürfen.

Es gebe doch Bus und Bahn, bekam er zu hören. „Ich hatte kein Geld", lautete die Antwort. Ein Verfahren wegen Beförderungserschleichung wäre sicherlich die bessere Wahl gewesen.

Angeklagtem droht lange Haft

Denn ein Rechtsgespräch unter den beteiligten Berufsjuristen verdeutlichte den Strafrahmen nach einem Geständnis: Zwischen sechseinhalb und achteinhalb Jahre Haft drohen dem Neuenrader. Dabei sei es relativ egal, ob die Richter zu dem Ergebnis kommen, dass die Tat als versuchter Mord zu werten ist, erklärte der Vorsitzende. Der Strafrahmen passe auch für einen besonders schweren Raub mit schweren Verletzungen des Opfers.

Nach den Stichen war der 34-Jährige nach Neuenrade zurückgekehrt. Das bei der Tat verwendete Sushi-Messer landete in der Spülmaschine. Weil er nach der Tat noch in Werdohl sein Handy verloren hatte, erwartete er die Ankunft der Polizei.

Der Prozess wird am 8. Mai ab 9.30 Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt.

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