Neuenrade: „Kurort des Preußenkönigs“

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Eröffneten gemeinsam das Fest: Marco Schneider, Bernd Uerpmann, Horst-Werner Kruse und Klaus Bartelt (v.l.). ▪

NEUENRADE ▪ Wenige Minuten nach 10 Uhr war es am Samstagmorgen soweit. Bernd Uerpmann verlas auf dem Rathausbalkon die Marktregeln und anschließend lief alles perfekt. Bei bestem Wetter knallte die Peitsche von Horst-Werner Kruse dreimal und hunderte Neuenrader jubelten im Sonnenschein auf dem Hof der Burgschule über die Eröffnung des Gertrüdchens in seinem 657. Jahr.

Zum „Kurort des Königs von Preußen“ war die kleine Stadt unterhalb der Hönnequelle zuvor in einen höheren Rang gehoben worden – das Gertrudenkomitee hatte getagt.

Bürgermeister Klaus Peter Sasse hatte wieder einmal mit Unterstützung seines „Archivarius“, Dr. Rolf-Dieter Kohl, eine amüsante Reise in die Geschichte Neuenrades gewagt. Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen hatte der Stadtarchivar tief in den Geschichtsbüchern gewühlt und interessantes zu Tage gefördert. Nach einem glänzenden Sieg im Siebenjährigen Krieg 1758, so die Ausführungen Sasses, klagte der König über „Hüfte, Rücken und Nacken“. Der damalige Altenaer Landrat lud den Staatsmann ins beschauliche Neuenrade zur Kur ein. „So kam der alte Fritz incognito nach Neuenrade“, erzählte der Bürgermeister und Dr. Kohl unterstützte ihn mit passenden Bildmaterial. Dieser Besuch verlief nicht ganz ohne Zwischenfälle, denn Friedrich erlitt einen Gichtanfall. Nach langer Suche konnten die Neuenrader ihn aber von seinem Leiden erlösen. Eine kupferne Wärmflasche wurde bei „Hempels unterm Sofa“ gefunden. Das Relikt aus der Geschichte konnte der Bürgermeister anschließend auch präsentieren. „Das ist Marketing pur für Neuenrade“, ergänzte Sasse und die Besucher im kleinen Sitzungssaal des Rathauses gaben lachend viel Beifall. So hatte das Stadtoberhaupt auch gleich ein passendes Ortsschild parat: „Neuenrade – Kurort des Königs von Preußen“. Darauf musste natürlich zünftig angestoßen werden – Buba-Bitter Gläschen wurden erhoben.

Auch die zahlreichen Ehrengäste am Samstagmorgen ließen sich von der Geschichte mitreißen. So begrüßte Klaus Peter Sasse die Abordnungen aus den Partnerstädten Dinxperlo und Klingenthal sowie den Werdohler Bürgermeister Siegfried Griebsch. Der musste die Sitzung allerdings stehend verfolgen. „Wir sind im Nothaushalt und haben keine Stühle mehr“, erklärte der Neuenrader Bürgermeister.

Dann ging es aber auch den Höhepunkt für alle Neuenrader zu. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich einige Hundert auf dem Kirmesplatz versammelt und lauschten den Worten des obersten Stadtsoldaten Bernd Uerpmann bei der Verlesung der Marktregeln. „Auf dem Wall ist für Kurzweil und Kirmes gesorgt. Schnaps und Bier werden in Maßen angeboten“, erklärte Uerpmann. Es folgte der dreifache Peitschenknall von Horst-Werner Kruse, den der junge Neuenrader souverän erledigte.

Dazu spielte der Musikverein ein Ständchen und auch der MGV Liedertafel sang auf der Rathaustreppe, ehe sich die Fahrgeschäfte in Bewegung setzten und der Kirmestrubel begann. ▪ David Schröder

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