Regeln zum Infektionsschutz

Neue Verordnung: Was in Werdohl und Neuenrade wieder möglich ist

Hanyan Yang behält im Chinarestaurant Jade vorerst den Außer-Haus-Verkauf bei. Noch ist ihr das Wetter zu schlecht, um im Außenbereich mit der Bewirtung anzufangen.
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Hanyan Yang behält im Chinarestaurant Jade vorerst den Außer-Haus-Verkauf bei. Noch ist ihr das Wetter zu schlecht, um im Außenbereich mit der Bewirtung anzufangen.

Ab Freitag gelten für Gastronomen, Einzelhändler und in vielen weiteren Bereichen die Regeln der neuen Coronaschutzverordnung. Wir haben nachgefragt, was sich dadurch in Neuenrade und Werdohl ändert.

Werdohl/Neuenrade – Am Freitag, 28. Mai, tritt die neue Coronaschutzverordnung des Landes NRW in Kraft, deren Schutzmaßnahmen in drei Inzidenzklassen unterteilt sind (wir berichteten).

Der Märkische Kreis, der am Donnerstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 58,3 Neuninfizierten pro 100 000 Einwohner aufwies, befindet sich damit zunächst in der Inzidenzstufe 3. Wir haben nachgefragt, was sich dadurch ändert.

Einzelhandel

Die exemplarisch befragten Einzelhändler in Werdohl und Neuenrade, die nicht zu den Grundversorgern gehören, stehen den Lockerungen positiv gegenüber.

Sabine Armbrecht, Gesellschafterin des Elektrohauses Küchen Armbrecht, hatte am Donnerstag bereits einige Anrufe von Kunden erhalten. Sie hätten sich nach den Besuchsregeln ab Freitag erkundigt. In der neuen Coronaschutzverordnung des Landes heißt es, dass sowohl Testpflicht als auch das Click & Meet-System vorerst wegfallen.

Pro 20 Quadratmeter Ladenfläche ist ein Kunde erlaubt. „Wir sind bereit, wir müssen die Tür nur aufschließen“, sagte Sabine Armbrecht. Sie freue sich darauf, wieder mehr Leben in ihren Laden zu lassen. Eine drastische Absatzsteigerung erwartet die Geschäftsfrau allerdings nicht. „Der Telefonverkauf und das Abholen haben bei uns wirklich gut funktioniert. Die Kunden vertrauen uns.“

Und der Neuenrader Einzelhandel? Was die weiteren Öffnungsoptionen anbelangt, so wird zum Beispiel EP:Baron am Freitag das Ladenlokal öffnen. „Wir öffnen ganz normal. Zu uns kann jeder ohne Termin – bei Einhaltung der Hygienevorschriften wie Maske und Abstand“, hieß es dort.

Das System „Click & Meet“ hat im Hagebaumarkt Arens und Hilgert ab Freitag vorerst ausgedient.

Bei einem der größten Einzelhändler der Region, im Hagebaumarkt Arens & Hilgert. ist ab Freitag ebenfalls wieder alles frei zugänglich. Bislang waren große Teile des Marktes für Kunden gesperrt. Nur die Gartenabteilung und den Tierfutterbereich durften sie besuchen.

Geschäftsführer Jens Hilgert und seine Mitarbeiter freuen sich deshalb, dass „wir nach 132 Tagen Lockdown“ wieder ganz für die Kunden da sein dürfen. Lediglich die Zahl der Kunden betreffend gibt es noch Beschränkungen. Dass die üblichen Hygieneregeln zu beachten sind, versteht sich von selbst. Das sei schon „gefühlte Normalität“ nach dieser langen Zeit, so Hilgert.

Den Kunden stehe bis auf wenige Ausnahmen das gesamte Sortiment zur Verfügung. Sogar Gartenmöbel, die wegen der unseligen Blockade des Suezkanals auf dem Containerschiff festhingen, sind inzwischen eingetroffen.

Gastronomie

Eleftherios Anastasiadis ist niedergeschlagen. Der Wirt des Café Baroque am Brüninghaus-Platz hatte seinen Außenbereich schon vergangenen Sonntag geöffnet. Nur dort darf er Gäste derzeit bewirten. Am Sonntag sei es gut gelaufen, von Montag bis Donnerstag, „kam aber fast niemand“. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Anastasiadis. „Viele kommen ohne Coronatest hierher.“

Der Test ist allerdings Voraussetzung für die Bewirtung. Das fast durchgängig schlechte Wetter erschwerte den Betrieb unter freiem Himmel zusätzlich. Einzig Kaffee zum Mitnehmen verkaufe der Baroque-Wirt vereinzelt. Davon könne er aber nicht leben. „Der Strom kostet mehr als ich im Moment einnehme. Ganz ehrlich: Ich hätte lieber noch zu gelassen.“

Wartet auf besseres Wetter und niedrigere Infektionszahlen: Eleftherios Anastasiadis. Er hat einen zweiten Job angenommen, um sich finanziell über Wasser zu halten.

Anastasiadis hofft, dass sich das Wetter schnell bessert und die Inzidenz unter 50 sinkt. Dann dürfte er Gäste im Außenbereich auch ohne Test bewirten. Um fürs Erste finanziell über die Runden zu kommen, hat sich der Wirt einen Zweitjob in einer Firma besorgt. Dort arbeitet er nun im Schichtbetrieb.

Nicht ganz so dramatisch ist die Situation im China-Restaurant Jade. Wirtin Hanyan Yang verkauft viele der asiatischen Gerichte außer Haus. Sie hat sich bislang dagegen entschieden, den Außenbereich wieder zu öffnen. Nicht etwa wegen der derzeitigen Testpflicht, sondern wegen der Wetterbedingungen.

„Die Leute würden bei diesen Temperaturen draußen vielleicht ein Bier trinken“, meint Yang. „Für warmes Essen ist es aber noch zu kalt. das ginge höchstens mit einer dicken Jacke.“ Yang wartet darauf, dass die Temperaturen endlich etwas sommerlicher werden. Dann soll es im China-Restaurant wieder mit der Bewirtung losgehen. Bis es soweit ist, läuft der Außer-Haus-Verkauf weiter.

Musikschule

Die Musikschule Lennetal konnte schon nach Pfingsten mit einem eingeschränkten Präsenzunterricht beginnen. Erlaubt sind drinnen Gruppen von bis zu fünf Kindern. Für den Musikunterricht müssen diese ab Freitag einen negativen Schnelltest nachweisen. Orchester können noch nicht üben.

Veranstaltungsmanager Sebastian Hoffmann ist als Musiker ein kreativer Kopf und hat sich überlegt, Orchesterproben mit bis zu 20 Personen draußen auf der Terrasse hinter dem Musikschulgebäude in Werdohl anzubieten. Aber erst einmal müsse dazu das Wetter besser werden.

Volkshochschule

Anders als die Musikschule Lennetal macht die VHS hauptsächlich Bildungsangebote für Erwachsene. Seit Freitag sind Zusammenkünfte mit mehreren Personen in Innenräumen zur außerschulischen Bildung erlaubt.

Allerdings herrscht während der derzeitigen Inzidenzstufe 3 die Testpflicht. An Präsenzkurse konnte VHS-Leiter Holger Sellien in der vergangenen Woche noch nicht denken. Weil sich das Frühjahr-Semester dem Ende neigt, denkt Sellien über eine Sommer-VHS nach.

Kinos

Nicole Güldner, Betreiberin des Apollo-Service-Kinos in Altena, nahm am Dienstag an einer Online-Besprechung des Dachverbandes HDF Kino teil. Sie strebt eine Wiedereröffnung des Kinos zum 1. Juli an. Genauso plant es Susanne Vohwinkel, die das Weidenhof-Kino in Plettenberg leitet.

Der HDF spricht sich für eine bundeseinheitliche Wiederaufnahme des Betriebs auf. Das hat vor allem mit dem Verleih zu tun: Neue Filme kämen erst dann auf den Markt, wenn sie bundesweit gezeigt werden könnten, erklärt Güldner.

Jugendtreffs

Was die Öffnung des Jugendzentrums in Neuenrade anbelangt, zeigte sich Ressortchefin und Juristin Ira Valsamidou noch vorsichtig. Ihr sei klar, dass die jungen Menschen Bedarf haben: „Die Jugendlichen brauchen das.“

Auf der anderen Seite hält sie „Abwarten“ für die bessere Option. Sie tendiere nicht zur Öffnung. Aber: Sie hatte am Donnerstag noch eine Teambesprechung und wollte das Urteil der Praktiker aus dem Jugendzentrum abwarten – auch was die Belegung der Räumlichkeiten anbelange.

Auch im Jugend- und Bürgerzentrum in Werdohl wartet man noch ab. Anna-Katharina Reith teilt mit, dass sich das Team an der 7-Tage-Inzidenz in Werdohl orientiere. Bleibt diese an fünf Tagen unter 165, werde die Öffnung geplant.

„Das ist unsere magische Grenze“, so Reith. Der Richtwert komme vom Landesjugendamt. „Wir hoffen, dass wir nächste Woche öffnen können.“ Vorerst dürfen dann aber wohl nur fünf Jugendliche gleichzeitig ins JBZ.

Fitnessstudios & Sauna

„Wir werden uns darauf einrichten, ab den 14. Juni wieder in den Regelbetrieb zu gehen“, teilt Axel Weber für seine Studios in Werdohl, die Fitness AG und das Fit und Gesund, mit. „Sollten die Inzidenzzahlen widererwarten wieder steigen, muss der Restart leider nochmal verschoben werden.“ Zunächst blicke man dem 14. Juni aber optimistisch entgegen und freue sich auf die Öffnung.

Ganz so schnell wird es in Sachen Öffnung beim Saunadorf in Lüdenscheid wohl nicht gehen. Saunen dürfen bei Erreichen der zweiten Inzidenzstufe öffnen. Die Führungsriege ist bislang aber noch sehr zurückhaltend.

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