Neue VDM-Turmofenanlage ist die Weltspitze technischen Könnens 

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Die Dimensionen der Turmofenanlage von VDM sind gigantisch, Produktions-Betriebschef Hans-Günter Jardzejewski ist kaum zu erkennen. Der 50 Meter hohe Turm ist vollgestopft mit Technik. Der eigentliche Ofen befindet sich oben, rechts sind Materialzuführungen.

Werdohl - Die Augen der Männer leuchten vor Begeisterung, wenn sie von ihrem jüngsten 21-Millionen-Euro-Baby sprechen. VDM baut in Werdohl die erste Turmofenanlage weltweit, die Bänder bei bis zu 1250 Grad glühen kann.

Die 50 Meter hohe, vertikale Blankglühlinie, die im Augenblick in den blauen VDM-Turm an der Vorthbrücke eingebaut wird, stellt die Weltspitze technischen Wissens und Könnens im Turmofenbau dar. Die Männer mit den leuchtenden Augen sind Produktionsleiter Olaf Kazmierski, der Betriebschef Produktion Hans-Günter Jardzejewski und Projektleiter Joachim Przywara. Auch VDM-Unternehmenssprecher Philipp Verbnik ist als Nicht-Techniker massiv beeindruckt von der Anlage, die hinter den beiden waagerechten Glühlinien entsteht. 

40 Monteure mit Aufbau beschäftigt

40 Monteure des österreichischen Anlagenbauers Ebner sind mit dem Aufbau beschäftigt. Der Ofen selbst ist kaum auszumachen zwischen Gerüsten und Hilfsgestellen. Der Blick in den 50 Meter hohen Turm verfängt sich in Technik. Überall wird gearbeitet. Verrückt zu wissen, dass die später ununterbrochen durchlaufende Anlage von nur einem einzigen Mann gesteuert wird. 

Der Ofen wird vollautomatisch laufen. Die Bänder kommen auf Rollen und werden im laufenden Betrieb aneinander geschweißt, die Anlage wird nur zu Wartungszwecken still stehen. Bis dahin dauert es nicht mehr lange, die ersten Testläufe beginnen im Januar, ab März wird für die Kunden produziert. Die Baustelle befindet sich in der heißen Phase, alle arbeiten hoch konzentriert in dem riesigen Stabilbaukasten. 

100 Grad mehr sind ein unvorstellbarer Schritt 

Die weltweite Innovation der Anlage besteht in der enorm hohen Glühtemperatur und der hohen Wirtschaftlichkeit. Produktionsleiter Kazmierski erklärt die Technik anschaulich. Turm-öfen sind in der Verarbeitung von Edelstahl keine Neuheit, allerdings kann bislang nur mit Temperaturen bis etwa 1150 Grad gearbeitet werden. Zukünftig mit 100 Grad mehr glühen zu können sei ein unvorstellbarer großer Schritt. 

Das ist der Ofeneingang der Turmofenanlage, hier fahren die abgerollten Bänder später senkrecht in die hängende Glühe ein, in der sie bei 1250 Grad veredelt werden.

Die Glühmuffel ist das Kernstück. Mit Erdgas wird der Metallkörper aufgeheizt, im Muffelofen befindet sich Schutzgas. Das zu glühende Material läuft als Band durch den Ofen, das Schutzgas verhindert die Entwicklung von Zunder. Das Material bleibt blank, daher der Name Blankglühanlage. 

Werkstoff wird fast so weich wie Knete

Die Muffel besteht aus einem Material, das VDM selbst herstellt. Bei 1250 Grad wird der Muffelwerkstoff fast so weich wie Knete. In der horizontalen Bauweise ist die Ofenlänge begrenzt, ab einer bestimmten Länge würde sich die Ofenmuffel zu stark verformen. Hängt man die Muffel in die Senkrechte, können größere Baulängen bei längerer Lebensdauer realisiert werden. 

Gleichzeitig steigt die Produktivität der Anlage und deren Wirtschaftlichkeit. Durch den Verzicht auf Rollen im Ofen kann eine höhere Qualität des Produkts realisiert werden. Der Clou ist die lange Hitzebeständigkeit. Die Muffeln müssen erst nach Jahren ausgetauscht werden. Olaf Kazmierski sagt, dass die neue Anlage die Technik der bestehenden Bandfertigung optimal ergänzt. „Wir wollen an der Spitze des technisch Möglichen bleiben. Wir machen hier, was sonst keiner kann.“ Und da leuchten sie wieder, die Augen.

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