Neue Regelung erfordert Beweglichkeit der Gemeinde

Presbyteriumsvorsitzender Dirk Grzegorek (links) und Pfarrer Martin Buschhaus leiteten die Gemeindeversammlung, die am Donnerstag im Gemeindehaus neben der Christuskirche stattfand. -  Foto: Kanbach

WERDOHL - Am Ende, so schilderte Pfarrer Martin Buschhaus am Donnerstag während der Gemeindeversammlung den zahlreich erschienenen Gemeindegliedern, habe man sich dafür entschieden, dass die beiden verbliebenen Pfarrer jeden Sonntag zwei Gottesdienste halten, weil auf diese Weise mehr Gläubige erreicht werden könnten.

Diese Regelung will im Klartext heißen: In der Christuskirche wird jeden Sonntag ein Gottesdienst abgehalten, in der Friedenskirche in Eveking an jedem ersten und dritten sowie in der Kreuzkirche an jedem zweiten und vierten Sonntag. Da es auch Monate mit fünf Sonntagen gibt, soll in dem Fall ein Zentralgottesdienst in der Christuskirche gefeiert werden. Bei Festtagen, wie Ostern oder Pfingsten, wird es Zentralgottesdienste geben – allerdings in unterschiedlichen Kirchen. Jeden Sonntag wird ein Kindergottesdienst angeboten.

Verworfen wurden zuvor Überlegungen, beispielsweise die Gottesdienstzeiten zu staffeln und jeden Sonntag drei Gottesdienste abzuhalten. Das jedoch hätte nicht nur ein Zeit-, sondern auch ein Personalproblem mit sich gebracht. Auch der Gedanke, die Zeiten zu variieren und auch schon mal einen Gottesdienst ausfallen zu lassen, sei verworfen worden. Eine solche Lösung, so herrschte Einigkeit, bringe nur Unsicherheit und Unruhe. In der Summe seien beide Ansätze unrealistisch, so das Fazit im Presbyterium.

Der jetzt eingeschlagene Weg, für den es laut Superintendent Klaus Majoress keine zeitliche Befristung gibt („wir werden es aber beobachten“), setze freilich Beweglichkeit bei den Gemeindegliedern voraus, so Martin Buschhaus. Er denke aber, dass die Gemeinde so gut zusammenfinden werde. Fahrdienstfragen müssen noch konkret geplant werden. „Wir haben es perspektivisch mit der ehrlichsten aller Lösungen zu tun“, so seine Überzeugung, wobei er auch darauf hinwies, dass der Entschluss auch unter der Berücksichtigung sinkender Gemeindegliederzahlen gefasst wurde. Das Modell – auch „wenn es nicht das Beste ist“ – sei tragfähig, niemand werde überlastet, zumal man ja auch auf die Unterstützung von ehemaligen Pfarrern und Prädikanten zurückgreifen könne. Klargemacht wurde am Donnerstagabend: „Die Christuskirche ist so etwas wie die Hauptkirche“. Sie sei optimal erreichbar. „Die Christuskirche aufzugeben, wäre ein Horror-Szenario“, so Buschhaus.

Bei allen Zwängen: Die ab Januar 2014 geltende Lösung fördere das Zusammenwachsen der Gemeindebezirke, so Pfarrer Dirk Grzegorek. Bei Wortmeldungen zu diesem Teil-Themenbereich erhielt er Unterstützung, wobei die Zuhörer auch zur Kenntnis nehmen mussten, dass über das Thema Gottesdienstlandschaft „neu nachgedacht werden muss, wenn sich herausstellt, dass die Gemeinde streikt“. Davon aber werde derzeit nicht ausgegangen. Gleichwohl gab es einen Wermutstropfen zum Thema Gottesdienstlandschaft. Mittelfristig, so hieß es, werde neben der Christuskirche nur noch eine Kirche bleiben – die Kreuz- oder Friedenskirche. Grund: Die anhaltend sinkende Zahl der Gemeindeglieder. Sie hat sich in den letzten 30 Jahren auf 6 530 halbiert. Nicht zuletzt deshalb gab es am Donnerstag auch die Forderung, neue Gemeindeglieder zu werben.

Zur Neuausrichtung der Leitungsstruktur in der Evangelischen Kirchengemeinde gilt: Die Presbyter und Pfarrer werden mutig und verantwortungsvoll agieren und dabei auch die Ehrenamtlichen unterstützen und fördern. Die Bezirksausschüsse werden aufgelöst, wobei die Einrichtung von Fachausschüssen noch zu prüfen sei. Das System alter Prägung war im Hinblick auf die ehemals fünf Pfarrstellen notwendig, „weil Kompetenz zwangsläufig übertragen werden musste“, so Superintendent Majoress. Das habe sich nun überholt. Leitung heiße Verantwortung übernehmen und weiter das Verständnis zu entwickeln, eine einzige Gemeinde zu sein. Das jetzige Modell sei eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Was die Entwicklung im Bereich der Kreuzkirche betrifft, so werden die Konfirmanden von Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt betreut. Sie wird auch die Leitung der Kindergottesdienst-Teams der Kreuz- und Friedenskirche übernehmen. Für die Arbeitsbereiche, Kreise und Gruppen werden ein Presbyter und ein Pfarrer (Dirk Grzegorek) zuständig sein.

Von Rainer Kanbach

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