Start mit 75 Schülern am 1. Oktober

Neue Pflegeschule am Riesei: So laufen die Vorbereitungen

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Kerstin Liebeskind kann es kaum erwarten, dass ihre Liebeskind Care Academy am Riesei eröffnet wird. Das Schild der ehemaligen Erich-Kästner-Hauptschule ist mittlerweile einer neuen Beschilderung gewichen.

Werdohl – Die Elektroinstallation ist abgeschlossen, ebenso die Verlegung der EDV-Leitungen. Die Maler sind gerade bei der Arbeit, die Möbel sollen in der nächsten Woche geliefert und in der darauffolgenden Woche aufgebaut werden.

Dass die Liebeskind Care Academy am 1. Oktober in den Räumen der ehemaligen Erich-Kästner-Hauptschule am Riesei ihren Betrieb aufnehmen wird, steht eigentlich außer Zweifel. 

Im Frühjahr hatte sich Kerstin Liebeskind, die in Plettenberg einen Pflegedienst mit etwa 120 Mitarbeitern betreibt, mit der Stadt Werdohl auf eine Nutzung der im Sommer 2016 geschlossenen Hauptschule geeinigt. Liebeskind mietet das komplette erste Obergeschoss und zwei Klassenräume im Erdgeschoss, insgesamt rund 1300 Quadratmeter, und investiert rund 300 000 Euro in die Renovierung und Ausstattung der Schule. 

Digitale Tafeln und Tablets

Seit einigen Wochen laufen die Arbeiten zur Ertüchtigung des mittlerweile 24 Jahre alten Gebäudes. Beispielsweise musste die Elektroinstallation den Bedürfnissen der privat geführten Pflegeschule angepasst, aber auch viele Meter Datenleitungen verlegt werden. Denn alle Klassenräume werden mit digitalen Tafeln ausgestattet. Zudem erhalten die Schülerinnen und Schüler, die an der Liebeskind Care Academy zu Pflegefachkräften ausgebildet werden, auch persönliche Tablets für das digitale Lernen. 

In diesen Tagen haben in dem Schulgebäude vor allem die Maler zu tun. Sie versehen die Klassenräume, Lehrerbüros und auch den Raum für die Pausengestaltung und Gruppenarbeit mit frischen Farben. Es dominieren gelbe und grüne Farbtöne, wie man sie auch aus dem Liebeskind-Firmenlogo kennt. „Die Farben an den Wänden sollen an-, aber nicht aufregen und die Konzentration fördern“, erklärt Kerstin Liebeskind die Wahl. Überhaupt legt sie viel Wert auf Harmonie und Optik, die für sie aber weit mehr als äußere Schönheit bedeutet: „Ich möchte, dass man sich in diesen Räumen wohlfühlt. Schon das Ambiente soll die Wertschätzung signalisieren, die wir unseren Schülern vermitteln wollen“, erläutert die Schulgründerin. 

Schulleiter kommt von Pflegeschule aus Lüdenscheid

Eine ganze Reihe von Lehrkräften hat Kerstin Liebeskind mit diesem Ansatz schon überzeugen können. Neben Schulleiter Silvio Wienbeck, der von der Pflegeschule der Märkischen Seniorenzentren in Lüdenscheid und Iserlohn nach Werdohl wechselt, ist auch das zunächst fünfköpfige Lehrerkollegium komplett. Es besteht aus Lisa Appel, Stefanie Batz, Thorsten Daub, Anna Lindenschmidt und Beate Rüberg. Am 1. Dezember soll noch Dirk Kensche dazukommen. Für besondere Schwerpunktthemen sollen jeweils externe Dozenten verpflichtet werden. 

Den Boden der Klassenräume haben die Maler mit speziellen Maschinen aufgearbeitet und dabei Schmutz und mehrere Schichten Versiegelung abgetragen.

Der erste Kurs zur Ausbildung der angehenden Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen, die eine generalistische Pflegeausbildung erhalten, beginnt planmäßig am 1. Oktober – und zwar in drei Klassen. Ursprünglich hatte Kerstin Liebeskind mit zwei Klassen à 25 Schülern geplant, aber die Nachfrage war so groß, dass sie nun auch eine dritte Klasse bilden kann. Einige Interessenten musste sie sogar abweisen, sodass sie schon jetzt mit dem Gedanken spielt, ab dem 1. Dezember eine weitere Klasse für das erste Ausbildungsjahr einzurichten. Die Schüler der Pflegeschule kommen nach Angaben von Kerstin Liebeskind aus dem Lennetal und aus Lüdenscheid, aber auch aus Iserlohn, Hemer, Sundern, Hagen und Kirchhundem. 

Angebote zur Fort- und Weiterbildung

Aber wie kann Kerstin Liebeskind, die als Unternehmerin ja auch betriebswirtschaftlich denken muss, eine solche Pflegeschule überhaupt finanzieren? „Das Land zahlt pro Schüler einen Festbetrag, mit dem die Kosten für das Gebäude und die Ausstattung sowie das Personal abgedeckt werden sollen“, erläutert Liebeskind. Das rechne sich bei mindestens 20 Schülern pro Klasse, hat sie ermittelt. Zusätzliche Einnahmen erhofft sie sich durch Fort- und Weiterbildungsangebote, die schon im Oktober beginnen sollen. Liebeskind: „Das stellt die Schule auf finanziell festere Beine und für die Unternehmerin bleibt auch noch ein bisschen übrig.“ 

Die Beschriftung am Eingangsbereich weist die ehemalige Hauptschule jetzt als Pflegeschule aus.

Und dann soll auch noch eine einjährige Ausbildung von Pflegefachassistenten angeboten werden. „Die hießen früher Krankenpflegehelfer oder Altenpflegehelfer“, erläutert Kerstin Liebeskind. Durch die generalistische Pflegeausbildung hat sich auch diese Berufsbezeichnung geändert. Wann eine solche Ausbildung, die auch von der Agentur für Arbeit gefördert wird, an der Liebeskind Care Academy angeboten werden könne, hänge von der Nachfrage ab, hält sich Kerstin Liebeskind mit einer Prognose noch zurück. Möglicherweise sei ein Start im Frühjahr 2021 denkbar. 

Zertifizierung soll am Samstag erfolgen

Zunächst einmal fiebert die Plettenberger Unternehmerin jetzt dem Start ihrer Pflegeschule am 1. Oktober entgegen. Nachdem am Mittwoch Vertreter der Bezirksregierung die neue Pflegeschule unter die Lupe genommen haben, steht für Samstag eine Zertifizierung nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung an, die die Liebeskind Care Academy benötigt, um Umschüler mit Förderung durch die Agentur für Arbeit ausbilden zu können. Spätestens dann sollen auch die Maler ihre Arbeit erledigt haben. 

Wie die private Pflegeschule von innen aussieht, werden Interessierte im Rahmen eines Tags der offenen Tür am Sonntag, 11. Oktober, erfahren können. Und am Tag darauf erwartet Kerstin Liebeskind mit Staatssekretär Andreas Westerfellhaus hohen Besuch am Riesei. Westerfellhaus vertritt als Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung die Interessen der zu pflegenden Menschen in Deutschland und setzt sich dafür ein, dass sich die Strukturen des Pflege- und Gesundheitssystems ihren Belangen ausrichten.

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