Neue Orgel in Eveking

Organistin Lucia Klinkhammer hat die neue Orgel am vierten Advent eingespielt.

WERDOHL ▪ Ganz unspektakulär ist bereits am vierten Advent eine neue Orgel in St. Petrus Canisius in Betrieb genommen worden. Gestern stellte Organistin Lucia Klinkhammer das neue Instrument unserer Zeitung vor.

Die alte Orgel drohte mit Totalausfall. Das gut 30 Jahre alte Stück hatte immer wieder hörbare Aussetzer, Register verabschiedeten sich während des Spiels. An eine Reparatur war nicht zu denken, berichtet Lucia Klinkhammer. Für die „Lipp Cantate“ hätte es keine Ersatzteile mehr gegeben, eine Sanierung war nicht mehr lohnenswert. Schließlich wird in der katholischen Kirche in Eveking nur eine elektronische und keine „richtige“ Pfeifenorgel eingesetzt. Dafür gibt es extra vom Bistum Essen eine Ausnahmegenehmigung, weil eigentlich in jede katholische Kirche eine Pfeifenorgel gehört.

Das ist vor allem eine Preisfrage. Eine neue Pfeifenorgel gibt es ab 250 000 Euro aufwärts, selbst eine gebrauchte gibt es erst ab 40 000 Euro. Alles viel zu teuer für die kleine Filial-Kirche im Versetal. Deshalb hatte sich der Kirchenvorstand auch wieder für den Kauf einer digitalen Orgel entschieden und damit das Kirchenorgelhaus Kisselbach in Baunatal bei Kassel beauftragt. Das Instrument kostet 6800 Euro und trägt den stolzen Namen „Gloria Klassik“.

Kurz vor Weihnachten wurde das Instrument ausgetauscht. Der Spieltisch kam an dieselbe Stelle wie die alte Orgel, der hölzerne Vorbau blieb stehen. Die Musik kommt aus Boxen, die im Augenblick noch im Altarraum stehen und so ein wenig nach großer Stereoanlage aussehen. Die alten Lautsprecher waren in einer Art Pfeifenorgelkasten an der Wand versteckt worden, sie lassen sich aber nicht mehr nutzen. Der Kasten bleibt schmückend an der Wand hängen, die neuen Lautsprecher werden über der Tür beim Liedanzeigegerät platziert.

„Am vierten Advent habe ich ein bisschen mehr und ein bisschen lauter gespielt und Pater Kamil hat auf die neue Orgel hingewiesen“, erzählt Lucia Klinkhammer. Die B-Musikerin aus Wiblingwerde weiß, dass große Pfeifenorgeln auch mit einem Gottesdienst eingeweiht und gesegnet werden. Einer elektronische Orgel wird so eine Ehre nicht zuteil.

Elektronisch lassen sich bei dem neuen Instrument die Klangfarben durch verschiedene Register bestimmen. „Prinzipal“ oder „Oktave“ per Knopfdruck, die „Bombarde“ lässt sich auf die gesamte Pedalerie schalten und bringt die tiefen Töne. Der Tremulant lässt sich über das Schwellwerk auf die große Pedale bringen – alles wie bei einer Pfeifenorgel auch.

Natürlich hört nicht nur die Kirchenmusikerin den Unterschied zwischen einer E-Orgel und einer Pfeifenorgel. Das Manual ist im Anschlag wie ein Keyboard: Ton ein, Ton aus. Klavier oder Pfeifenorgel lassen sich mit Gefühl spielen, die Töne lassen sich durch den Anschlag der Musikerin variieren.

Volker Heyn

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