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Neue Maschine angekommen: Mittelständler im MK feiert vorgezogenes Weihnachten

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Von: Volker Heyn

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Mit einem Spezialtransporter der Lüdenscheider Firma Kempmann bugsierte ein nervenstarker Staplerfahrer die eine Million Euro teure Fracht am Haken auf den Zentimeter genau durch die beiden Hallentore hinein in die Fabrikhalle von Rötelmann in Dresel.
Mit einem Spezialtransporter der Lüdenscheider Firma Kempmann bugsierte ein nervenstarker Staplerfahrer die eine Million Euro teure Fracht am Haken auf den Zentimeter genau durch die beiden Hallentore hinein in die Fabrikhalle von Rötelmann in Dresel. © Heyn, Volker

Die Ankunft einer neuen Maschine löst bei einem mittelständischen Unternehmen wie der Rötelmann GmbH in Dresel, Spezialist für Absperr- und Steuertechnik, fast schon weihnachtliche Gefühle aus.

Prokurist Stefan Wesner und Betriebsleiter Volker Trinkaus wischten sich gleich ein paar Mal den Schweiß hinter der Corona-Maske weg, bis das Eine-Million-Euro-Paket ausgepackt am neuen Standort angekommen war. Mitarbeitende verließen immer mal wieder ihre Werkbänke und Bürostühle, um sich die teils spektakuläre Ankunft aus der ersten Reihe anzuschauen.

Objekt adventlicher Erwartung war eine Sechsfach-Transfermaschine eines italienischen Herstellers, die eine in die Jahre gekommene Altmaschine von Rötelmann ersetzt. Die neue Maschine verarbeitet Rohlinge als Stangenabschnitte auf Stahl, Edelstahl oder Aluminium. In sechs Arbeitsschritten wird aus dem Rohmaterial ein Gehäuse gefertigt.

Alte Maschine bildet das Herzstück der neuen Anlage

Die bisherige Maschine wurde 1999 in Betrieb genommen und war in blau gehalten. Der Wartungsaufwand wurde immer größer, sodass sich die Geschäftsführung unter Ludwig Kirchhoff-Stewens für einen Austausch entschied. Interessant dabei ist, dass die alte Maschine an den italienischen Hersteller verkauft wurde, der aus dem Kerngehäuse der Anlage das Herz der neuen Maschine fertigte. Das aus Metallguss gefertigte Gestell wurde aufwendig recycelt und kam jetzt in grauer Farbe zurück nach Werdohl. Einige Arbeiter erinnerten sich noch gut an die Anlieferung derselben Kernbauteile vor 22 Jahren.

Die Mitarbeiter des italienischen Herstellers übernahmen gemeinsam mit Leuten von Rötelmann die präzise Aufstellung der Maschine.
Die Mitarbeiter des italienischen Herstellers übernahmen gemeinsam mit Leuten von Rötelmann die präzise Aufstellung der Maschine. © Heyn, Volker

Bis auf das Guss-Herz ist alles neu an der Sondermaschine: Sie hat einen größeren Funktionsumfang, arbeitet schneller und ist besser zu bedienen. Durch das Recyceln konnte bestimmt eine halbe Million Euro eingespart werden. Alles in allem kostet die neue Transfermaschine ziemlich genau eine Million Euro.

Nichts dem Zufall überlassen

Wirklich gar nichts wurde bei der Planung für die Transfermaschine dem Zufall überlassen. Nach der Beauftragung und Fertigstellung durch den italienischen Sondermaschinenbauer etwa 50 Kilometer von Verona wurde die Anlage zu Kontrollzwecken dort einmal komplett aufgebaut. Betriebsleiter Volker Trinkaus war mit weiteren Mitarbeitern nach Italien gereist, um zu beobachten, wie 2000 Rötelmann-Rohlinge durch die Maschine präzise bearbeitet wurden.

Nach dieser technischen Abnahme wurde die Anlage wieder abgebaut und samt Zubehör auf Tieflader und Lastwagen befördert. Am Mittwochvormittag kam der Convoi in Dresel an.

Spezialgabelstapler abgefordert

Für den Transport vom Tieflader auf einen Spezialgabelstapler und die Platzierung in der Fabrikhalle in Dresel war von Rötelmann die Lüdenscheider Firma Kempmann beauftragt worden. Die Transportspezialisten hatten ihren „Boom-Truck“ mitgebracht, einen 65-Tonnen-Stapler. Gemeinsam mit drei italienischen Mitarbeitern der Herstellerfirma ging der spannendste Abschnitt des Maschinentransports über die Bühne.

Prokurist Stefan Wesner (links) und Teile der Rötelmann-Belegschaft hatten die Premium-Plätze bei der Anlieferung des neuen mechanischen Mitarbeiters.
Prokurist Stefan Wesner (links) und Teile der Rötelmann-Belegschaft hatten die Premium-Plätze bei der Anlieferung des neuen mechanischen Mitarbeiters. © Heyn, Volker

Auch wenn nur fingerbreit Luft zum Hallentor war und die Beine der Maschine nur einen halben Zentimeter über dem Hallenboden schwebten – für die nervenstarken Männer von Kempmann war das kein großes Problem.

Transport mit 1,5 Millionen Euro versichert

Prokurist Wesner hatte eher Sorgen wegen des langen Anfahrtsweges über Autobahnen aus Italien. „Ich war sehr beruhigt, als ich heute das gute Stück auf dem Firmenhof stehen sah.“ Der Transport war mit 1,5 Millionen Euro versichert. Mit einer bewundernswerten Seelenruhe und ganz ohne Hektik bugsierten die Arbeiter die an einer Öse am Haken eines Transporters sanft schwingende Maschine durch zwei Hallentore auf die vorbereitete Standfläche.

„Wenn die Maschine jetzt vom Haken fällt, ist das zwar sehr gut versichert, aber wir müssten anderthalb Jahre auf eine neue Maschine warten“, kommentierte Prokurist Wesner den von vielen Mitarbeitenden ganz genau beobachten Transport. 14 bis 15 Monate betrage die Bestellzeit für ein solches Vorhaben. Firmenchef Kirchhoff-Stewens musste leider das Bett hüten, wurde aber mit Livevideos aus der Firma über den Fortgang der Dinge auf dem Laufenden gehalten.

Italiener bleiben noch drei Wochen in Dresel

Mit der Platzierung der Maschine ist der Auftrag der Italiener aber noch längst nicht erfüllt. Die drei Mitarbeiter des Herstellers bleiben drei Wochen in Dresel, um die Maschine mit allen Teilen zu montieren, in Betrieb zu nehmen und die Rötelmann-Mitarbeiter einzuweisen und zu schulen. Dann können auch sie Weihnachten feiern.

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